Stundenweise für Autos gesperrt 16.05.2019, 14:38 Uhr

Verkehrsclub Deutschland fordert mehr Schulstraßen

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und das Deutsche Kinderhilfswerk wollen erreichen, dass mehr Kinder per Fahrrad und zu Fuß zur Grundschule oder in die Kita kommen. Straßen vor Schulen sollten temporär für Autos gesperrt werden.
Kinder auf dem Weg zur Schule
(Quelle: ADFC I Gerhard Westrich)
Das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologisch ausgerichtete Verkehrsclub VCD rufen unter dem Motto „Mitmachen und Elterntaxi stehen lassen!“ Grundschulen und Kitas in ganz Deutschland auf, sich zu den Aktionstagen „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ anzumelden. Zu Beginn des nächsten Schuljahres, vom 16. bis 27. September, sollen Kinder während der Aktionstage selbstständig mit dem Rad, mit dem Roller oder zu Fuß zur Schule oder Kita kommen.
Claudia Neumann, Expertin für Spiel und Bewegung des Deutschen Kinderhilfswerkes, sagt: „Während der Aktionstage können Kinder, Eltern und Lehrende sehen, wie viele Vorteile es hat, wenn das Elterntaxi stehen bleibt und die Kinder selbstständig zur Schule oder Kita laufen. Nur wenn Kinder die Möglichkeit haben, selbstständig ihre Wege zu gehen, können sie langfristig Sicherheit im Straßenverkehr gewinnen. Außerdem lernen sie Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen und bleiben nebenbei durch mehr Bewegung gesund und konzentrationsfähig.“
Oft fahren Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil sie der Ansicht sind, dass ihre Kinder nur so sicher dort ankommen. Tatsächlich aber machen Elterntaxis die Straßen für Kinder unsicherer. Viele Autos, die in zweiter Reihe parken, um Kinder ein- und aussteigen zu lassen, blockieren die Sicht und verstopfen die Straße. Zudem sind Kinder, die ständig von den Eltern gefahren werden, auch in späteren Jahren unsicherer im Straßenverkehr unterwegs.
Der VCD und das Deutsche Kinderhilfswerk fordern die Bundesregierung auf, die Verkehrssicherheit vor Schulen zu erhöhen. Dafür müsse sie die Straßenverkehrsordnung so reformieren, dass Kommunen sogenannte Schulstraßen mit temporären Durchfahrtsbeschränkungen an Schulen einrichten können. In Südtirol und auch in Wien oder Salzburg haben sich diese temporären Zufahrtsbeschränkungen für Pkw an Schulen bewährt. In Schulstraßen wird zeitweise, also vor allem morgens zu Schulbeginn, die Zufahrt zur Schule für den Autoverkehr gesperrt. In Deutschland gibt es Schulstraßen bisher nur vereinzelt im Rahmen von Testphasen. Schulstraßen sind aus Sicht der Verbände vor allem für Nebenstraßen geeignet.
Stephanie Päßler, Projektleiterin beim VCD: „Wir fordern Schulstraßen insbesondere an Schulen mit ungünstigen Verkehrssituationen, die für Kinder schwer einzuschätzen sind. Damit Kinder sicher unterwegs sein können, müssen Kommunen die Möglichkeit haben, den Autoverkehr vor Schulen und Kitas temporär einzuschränken.“
Der Fahrradbranche spielt das in die Hände, und dies nicht nur, weil auch das Fahrrad in die Aktion einbezogen wird. Vielmehr fordern auch Radverkehrsexperten, dass Radfahrer und Fußgänger ganzheitlich betrachtet werden sollten, weil die Förderung der einen Gruppe fast immer auch der anderen Gruppe helfe. Dies war etwa eine zentrale These in einem der Workshops beim gerade abgeschlossenen Nationalen Radverkehrskongress in Dresden.


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