Plan zur Verkehrswende 22.06.2021, 14:30 Uhr

Europa einigt sich auf gemeinsame Radverkehrsförderung

Europa einigt sich auf einen Plan zur Förderung des Radverkehrs. Der Branchenverband Leva-EU verspricht sich davon ein gemeinsames Bestreben hin zu Klimaschutz, Gesundheit und Arbeitsplätzen.
(Quelle: Pierer E-Bikes Deutschland)
Der erste gesamteuropäische Plan zur Förderung des Radverkehrs wurde am 18. Mai in Wien auf dem fünften Treffen für Verkehr, Gesundheit und Umwelt mit dem Namen „The Pep“ verabschiedet. Urheber sind die UNECE, eine Unterabteilung der Vereinten Nationen, und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Der so genannte Masterplan aller Beteiligten bedeute einen großen Schub für das Radfahren, so kommentiert der europäische Branchenverband Leva-EU. Radverkehrsexperten aus 28 Ländern wollen demnach ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen bündeln. Der Plan skizziert sieben Hauptziele, die bis 2030 umgesetzt werden sollen:
  • Den Radverkehr signifikant erhöhen
  • Angemessenen Raum zugunsten aktiver Mobilität zur Verfügung stellen
  • Radverkehrsinfrastruktur ausbauen und verbessern
  • Entwicklung und Umsetzung nationaler Radverkehrspolitik, -pläne, -strategien und -programme
  • Signifikante Erhöhung der Sicherheit von Radfahrern und Verringerung der Anzahl von Todesfällen und Serienverletzungen
  • Radfahren in die Gesundheitspolitik einbeziehen
  • Integration des Radverkehrs und der Radverkehrsinfrastruktur in die Flächennutzungs-, Stadt-, Regional- und Verkehrsinfrastrukturplanung
Nach Berechnung von Leva-EU würde eine Verdoppelung des aktuellen Radverkehrsanteils allein durch die damit einhergehende erhöhte körperliche Aktivität 30.000 vorzeitige Todesfälle verhindern. Die indirekten wirtschaftlichen Vorteile beziffert Leva-EU auf 78 Milliarden Euro pro Jahr.
Darüber hinaus sieht Leva-EU in der Fahrradindustrie und im Fahrradtourismus hohes wirtschaftliches Potenzial: Bereits jetzt seien etwa 750.000 Arbeitsplätze in Europa mit dem Radfahren verbunden. Eine Verdoppelung des Radverkehrsanteils in der Europäischen Union würde zusätzliche 400.000 Arbeitsplätze und einen Umsatz-Anstieg von 3,5 Milliarden Euro im Fahrradeinzelhandel bedingen.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Reduzierung der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen. Eine Verdoppelung des derzeitigen Radverkehrsanteils würde die Treibhausgasemissionen um acht Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) reduzieren, mit einem indirekten wirtschaftlichen Nutzen von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.
Um allen Ländern in der Region zu helfen, das Potenzial des Radverkehrs zu erschließen, enthält der Masterplan 33 Empfehlungen, die in elf Bereiche unterteilt sind. Dazu gehören die Entwicklung und Umsetzung einer nationalen Radverkehrspolitik mit nationalen Radverkehrsplänen, die Schaffung einer benutzerfreundlichen Radverkehrsinfrastruktur und die Nutzung neuer Technologien.
Die Zusammenarbeit zwischen den 28 Mitgliedsstaaten von „The Pep“ (darunter Österreich, die Schweiz und Deutschland) soll die Erreichung der Ziele des Masterplans beschleunigen. Dafür werde auch ein europäisches „Kompetenzzentrum für aktive Mobilität“ konzipiert und eingerichtet.
„The Pep“ steht für „The Transport, Health and Environment Pan-European Programme“. Der Plan ist hier abrufbar.



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