Branchenreport 11.03.2021, 09:36 Uhr

Radlogistik Verband will stärker motorisierte und schwerere Transporträder

Der Radlogistik Verband Deutschland e.V. (Berlin) fordert in seinem Branchenreport mehr Rechte für die Transportradbranche, etwa auf stärkere Motoren und höheres Gesamtgewicht. Auch zur möglichen strengeren Beschränkung der Breite äußert sich der Verband.
Der RLVD will größere Lastenräder durchsetzen.
(Quelle: Radlogistik Verband Deutschland)
Der Report birgt Diskussionsstoff: So fordert der Verband eine neue Fahrzeugklasse für schwere Pedelecs. Dies soll Motoren mit 1.000 Watt Dauernennleistung ermöglichen, bei weiterhin 25 Stundenkilometern maximaler Unterstützungsgeschwindigkeit. Zum Vergleich: Bisher werden Pedelecs mit 250 Watt starken Motoren ausgestattet. Weiterhin soll das zulässige Gesamtgewicht deutlich über 300 Kilogramm betragen dürfen. Dies ist in Teilen der Fahrradbranche umstritten, weil manche Pedelec-Hersteller und Sicherheitsexperten befürchten, dass die schweren Lastenräder schwerere Unfälle verursachen und letzten Endes alle Pedelecs stärker reguliert werden könnten.
Der Radlogistik Verband hält dagegen: „Radlogistik ist sicher. Bei mehr als 1,6 Millionen Kilometern zurückgelegten Wegen per Lastenrad in 2020 ist, unseres Wissens nach, kein Unfall mit schweren Folgen an Menschen entstanden“, berichtet Thomas Schmitz, 2. Vorstand des Verbandes. „Wir fahren, entsprechend unseres Verhaltenskodex, besonders defensiv und rücksichtsvoll gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern. Unsere Fahrzeuge sind bestens gewartet und auch mit großen Lasten sicher unterwegs.“
Weiter hat der Verband seine Mitglieder zur gegenwärtigen Diskussion befragt, die rechtlichen Grenzwerte, bis zu denen ein Lastenrad als Fahrrad zählt, deutlich restriktiver zu fassen. Die maximal erlaubte Breite liegt bei einspurigen Rädern bei einem Meter, nur mehrspurige Räder dürfen zwei Meter breit sein. Die Befragten sprechen sich mehrheitlich dafür aus, dass Lastenräder künftig mehr als 1,20 Meter breit sein dürfen und trotzdem noch rechtlich als Fahrräder eingestuft und somit auf Radwegen rollen dürfen.
Befragt wurden kleine und mittelständische Unternehmen, die mit Lastenrädern transportieren, diese für Logistikanwendungen herstellen oder Dienstleistungen und Forschung für diesen Bereich anbieten. Die Branche umfasst 100 Unternehmen mit 2.600 Beschäftigten und 76 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Wachstumsaussichten sind sehr gut. Rund 68 Prozent der Befragten wollen in diesem Jahr Personal einstellen. Niemand plant Entlassungen. Ähnlich sieht die Perspektive bei dem Absatz von Lastenrädern aus. Bei letzteren rechnen mehr als 75 Prozent der Unternehmen mit Wachstum.
„Die Radlogistik entwickelt sich äußerst positiv“, betont Martin Schmidt, Vorstand vom Radlogistik Verband. „Damit wir jedoch das Potential für saubere Städte besser ausschöpfen können, braucht es mehr Anstrengungen der Politik, Lastenräder und Logistik per Lastenrad zu fördern.“ Der Verband spricht sich im Branchenreport besonders für einen zügigen Ausbau der Radinfrastruktur, mehr Aktivitäten von Kommunen zur Planung urbaner Logistik und eine Förderpolitik in ähnlicher Höhe wie bei E-PKW aus.
Der Report steht hier zur Einsicht.



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