Für besseren Radverkehr 25.09.2019, 10:41 Uhr

Grüne veranstalteten Radkonferenz in Berlin

Die Bundestagsfraktion der Grünen hielt am 13. und 14. September eine Radkonferenz ab. 300 Bürger, Fahrradaktivisten und Experten diskutierten Fragen rund um eine bessere Fahrradpolitik.
Etwa 300 Besucher nahmen an der Konferenz in Berlin teil.
(Quelle: Stefan Gelbhaar )
Dies berichtete der Grünen-Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar. Gemeinsam wurde überlegt, wie z.B. der Lieferverkehr verstärkt aufs Rad gebracht werden kann oder was das Besondere am Radverkehr in ländlichen Gebieten ist. Hürden für die Fahrradpolitik auf Bundesebene seien identifiziert worden, aber auch Fördermöglichkeiten der kommunal Aktiven durch Bundespolitik.  
Gelbhaar, Sprecher der Grünen-Fraktion für Radverkehr und Mitglied im Parlamentskreis Fahrrad, begrüßte dass nach seiner Ansicht endlich bei allen auf Bundesebene angekommen sei, dass Radverkehr nicht nur eine kommunale Frage sei, sondern dass es eine wichtige bundespolitische Relevanz gebe. Er forderte den Verkehrsminister auf, die Verkehrswende voran zu treiben.
Die niederländische Fahrradprofessorin Ineke Spapé stellte Entwicklungen aus den Niederlanden vor, bei denen unter Einbeziehung der Bewohner ganze Stadtteile umgestaltet wurden und die als Lernbeispiele fungieren können. Sie meinte, dass in Deutschland das autozentrierte Denken überall deutlich im Stadtbild sichtbar sei. Allerdings sollten wir auch aus den Fehlern der Niederlande lernen, zum Beispiel hätten sie dort die Fußgänger lange Zeit nicht im Blick gehabt. Städte könnten jetzt aktuell die Möglichkeit nutzen und wegen der Diskussion über die Luftqualität Veränderungen anzugehen.
Anschließend diskutierten Ineke Spapé, Carsten Baß von der Berliner Fahrradstaffel der Polizei, Lara Eckstein von Campact und Stefan Gelbhaar über die Themen Flächengerechtigkeit, Sicherheit und nötige Weichenstellungen in der Politik. Eine an gesellschaftlichen Realitäten orientierte Verkehrspolitik wurde gefordert, besonders mehr Platz und sicherere Infrastruktur für Radfahrer. Die Automobilindustrie solle sich mindestens ebenso sehr, wie sie die Sicherheit der Fahrzeuginsassen schützt, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden mit weniger Knautschzone kümmern.
Am zweiten Konferenztag begrüßte der Verkehrsausschussvorsitzenden Cem Özdemir die Gäste. Er erinnerte daran, dass das Fahrrad bei seiner Erfindung vor 200 Jahren schon einmal eine tragende Rolle bei der Bewältigung einer globalen Krise hatte. Für die Bewältigung der Klimakrise sei ein neuer Ansatz erforderlich und man könne nicht mit den gleichen Instrumenten, die uns in die Krise geführt haben, wieder aus der Krise herauskommen. Özdemir unterstrich diesen Punkt mit der Forderung nach einer Milliarde Euro pro Jahr für sichere Radwege und eine fahrradfreundlichere Straßenverkehrsordnung.
Eine Projektbörse bot Fahrradinitiativen die Möglichkeit sich vorzustellen: Changing Cities, ADFC Magdeburg, Aktion Fahrrad, Women in Mobility, Radbahn, Radeln ohne Alter und Kidical Mass stellten sich vor. Am Freitagabend gastierte das 13. International Cycling Film Festival auf der Radkonferenz. Die Kurzimpulse und Podiumsdiskussion am Samstag mit widmeten sich der Frage, was Menschen noch am Radfahren hindert und wie man sie hierzu motivieren und befähigen kann.
Dr. Silvia Körntgen forscht zu gendergerechter Verkehrsplanung und berichtete von den drei Hauptherausforderungen in diesem Bereich. Diese lägen in der Verkehrssicherheit, dem allgemeinem Sicherheitsempfinden und der Begleitung von Kindern. So lasse sich durch die Erhöhung der Verkehrssicherheit und Stärkung des Sicherheitsempfindens der Umstieg aufs Fahrrad erreichen.
Der Verkehrspsychologe Dr. Jens Schade von der TU Dresden sprach über Kostenanreize für den Autogebrauch. Die durch den motorisierten Verkehr verursachten hohen externen Kosten (150 Mrd Euro, davon 70% durch Autos), werden preislich nicht abgebildet. Der Preis sei aber relevantes Kriterium bei der Verkehrsmittelwahl und freiwillige Verhaltensänderungen unwahrscheinlich. Egal mit welchem Verkehrsmittel und zu welcher Zeit in der Geschichte: die tägliche Mobilitätsdauer von 90 Minuten und die Anzahl der Aktivitäten ändert sich nicht, nur die zurückgelegte Entfernung passt sich an. Weniger Auto heißt also nicht weniger Mobilität.
Für das Bildungs- und Integrationsprojekt Bikeygees sprach Annette Krüger, die mit ihrem 2015 gegründeten Verein bereits 700 über das Asylsystem eingewanderte Frauen und Mädchen in Berlin und Brandenburg Radfahren beigebracht und viele zu Multiplikatorinnen ausgebildet habe.


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