EU-Norm behindert Verkehrswende 11.08.2020, 13:00 Uhr

Leva-EU fordert EU auf, Elektrolastenräder von EU-Norm auszuschließen

Der Branchenverband Leva-EU will technische Vorschriften der EU für Elektrolastenräder aufweichen: Die Hersteller sollen stärkere Motoren verbaut dürfen, ohne dass Kunden mehr Pflichten unterworfen werden.
Eddie Eccleston
(Quelle: Leva-EU)
Dafür ernennt der Verband sein Vorstandsmitglied, den Radsport-Veteranen Eddie Eccleston, zum Small Business Standards (SBS)-Experten der Organisation SBS. Diese Organisation wurde laut Leva-EU von der Europäischen Kommission beauftragt, mit Sachverständigen die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMUs) bei der europäischen Normung zu überwachen. Als SBS-Experte soll Eccleston bessere Regeln für LEV-Hersteller in der Europäischen Union schaffen.
Die Ernennung erfolgt als Teil einer Leva-EU-Kampagne unter anderem für den Ausschluss von E-Cargo-Fahrrädern von hinderlichen Rechtsvorschriften für Fahrzeuge der L-Klasse, etwa Mopeds, Motorräder oder auch S-Pedelecs bis 45 km/h Tretunterstützung. Fahrzeuge dieser Kategorie erfordern Versicherungskennzeichen, weiterhin bestehen Helmpflicht und Führerscheinpflicht sowie das Gebot, damit auf der Straße zu fahren. Der Erfolg von Pedelecs liegt auch daran, dass diese Regeln nicht für Pedelecs bis 25 km/h und 250 Watt Motorleistung gelten. Auch E-Lastenräder sollen jetzt stärkere Motoren erhalten dürfen, ohne strengeren Regeln zu unterliegen.
Die 250-Watt-Leistungsgrenze, an die sich E-Lastenradhersteller halten müssen, um die Typgenehmigung zu vermeiden, ist laut Eccleston angesichts des steigenden Gewichts der Lasten besonders auf hügeligen Strecken eindeutig unzureichend. Gleichzeitig verbieten europäische Städte Autos, Lieferwagen und Lastwagen, und loben E-Cargo-Bikes als hervorragende Alternative. Darum fordert Ecclestone, dass diese Fahrzeugtypen stärker von den Rechtsvorschriften ausgeschlossen werden.
Jeden Tag erhalte Leva-EU-Anfragen von kleinen Unternehmen, die die EU-Vorschriften und -Vorschriften nicht verstehen. „Wir hoffen, dass SBS erheblich dazu beitragen wird, die Standards zu vereinfachen und effektiver zu gestalten, indem eine bessere Harmonisierung unter den verschiedenen einschlägigen Richtlinien erfolgt. Insbesondere wollen wir sicherstellen, dass der zukünftige Standard für E-Cargo-Bikes auf kleine Unternehmen zugeschnitten ist“, so Eccleston.
Hintergrund EU-Recht
Der Europäische Rat und das Parlament haben 2013 beschlossen, in der Verordnung (EG) 168/2013 nur Elektrofahrräder mit Pedalunterstützung bis 25 km/h und 250 Watt Tretunterstützung von dieser L-Kategorie auszuschließen. Alle anderen Elektrofahrräder unterliegen den technischen Rechtsvorschriften, die ursprünglich für Mopeds und Motorräder mit Verbrennungsmotor geschrieben wurden, sodass die Hersteller gezwungen sind, komplizierte und kostspielige Verfahren zu durchlaufen wie etwa beim S-Pedelec. E-Cargo-Bike-Hersteller begrenzen ihre Fahrzeuge derzeit auf 250 Watt, um die Verordnung und die anschließende Typgenehmigung zu umgehen.
Leva-EU vertritt Hersteller leichter Elektrofahrzeuge in der EU, Norwegen, der Schweiz, Taiwan, China und Korea, von denen eine große Anzahl von kleinen Unternehmen im europäischen E-Bike-Sektor tätig ist. Eddie Eccleston kommentiert: „Es ist hervorragend für Leva-EU, eine stärkere Stimme durch SBS zu gewinnen, da dies eine Schlüsselorganisation ist, die dazu beitragen kann, bessere Regeln und Vorschriften für den LEV-Sektor durchzusetzen, was auf EU-Ebene nicht immer gut verstanden wird. Die Coronavirus-Krise beschleunigt die Verwendung von LEVs als sichere, alternative, grüne und gesunde Reiseform. Die Rechtsvorschriften müssen jedoch mit dem Sektor Schritt halten, und es gibt ernste Probleme, bei denen die Vorschriften nicht zweckdienlich für LEVs sind. Das muss dringend gelöst werden.“


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