Für Firmen und Selbständige 23.03.2020, 21:20 Uhr

Corona: Bundesregierung schnürt Hunderte Milliarden schweres Rettungspaket

Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Rettungspaket beschlossen. Unter anderem sollen kleine Firmen und Selbständige vor dem Hintergrund der Coronavirus-Krise insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro erhalten.
(Quelle: Bernd Thissen/dpa )
Kleine Unternehmen und Selbstständige sollen infolge der Coronavirus-Krise Soforthilfen in Höhe von bis zu 15.000 Euro erhalten. Großunternehmen sollen notfalls auch durch Verstaatlichungen gerettet werden. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket in Höhe von 156 Milliarden Euro hat das Bundeskabinett heute verabschiedet. Im Laufe der Woche sollen Bundesrat und Bundestag ihre Zustimmung erteilen.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte bereits am Samstag in Berlin gesagt: „Wir lassen niemanden allein.“ Und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) betonte ebenfalls am Wochenende, es sei ein Nachtragshaushalt von rund 150 Milliarden Euro geplant – und ein Fonds zur Rettung der Realwirtschaft, eine Stärkung der Grundsicherung sowie die Ermöglichung von Investitionen ins Gesundheitswesen. Der Bund werde mehr Schulden machen. Dennoch seien die Maßnahmen mit einem guten Tilgungsplan solide finanziert. Wie weit die Hilfen für Unternehmen in Anspruch genommen würden, könne man noch nicht sagen.
Nun hat die Bundesregierung das Rettungspaket verabschiedet. Konkret soll es für Kleinunternehmen, Soloselbstständige und Angehörige der Freien Berufe eine Einmalzahlung von 9.000 Euro für drei Monate bei bis zu fünf Beschäftigten geben – und bis zu 15.000 Euro bei bis zu zehn Beschäftigten. Insgesamt sind dafür bis zu 50 Milliarden Euro eingeplant.

Zuschuss für Miet- und Pachtkosten

Das Ziel sei ein Zuschuss insbesondere zu laufenden Miet- und Pachtkosten. Sofern der Vermieter die Miete reduziert, kann ein nicht ausgeschöpfter Zuschuss auch für zwei weitere Monate eingesetzt werden.
Die Voraussetzung sollen wirtschaftliche Schwierigkeiten in Folge der Coronavirus-Krise sein. Eine Existenzbedrohung oder ein Liquiditätsengpass sollen eidesstattlich versichert werden müssen. Der Bund will dafür bis zu 50 Milliarden Euro bereitstellen und rechnet dabei mit einer maximalen Ausschöpfung von drei Millionen Selbstständigen und Kleinstunternehmen.
Die Mittel sollen durch die Länder verteilt werden. Mit dem Programm sollen die Länder Planungssicherheit bekommen – ein Nebeneinander von vielen verschiedenen Soforthilfen auf Ebene der Länder und des Bundes soll es nicht geben

Soloselbstständige und Kleinstunternehmen

Altmaier sagte: „Es darf und wird keine Solidaritätslücke geben.“ Die Soforthilfen für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen müssten nicht zurückgezahlt werden. Daneben stünden Kredite zur Verfügung.
Der weiterhin geplante Rettungsfonds für Unternehmen, Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), soll mit 400 Milliarden Euro ausgestattet werden, mit denen Schuldtitel und Verbindlichkeiten von Unternehmen übernommen werden können. 100 Milliarden Euro will Finanzminister Olaf Scholz (SPD) für Kreditermächtigungen für Beteiligungsmaßnahmen an den Firmen bereitstellen. Weitere 100 Milliarden Euro sollen für Sonderprogramme der staatlichen Bankengruppe KfW fließen können.
Geraten deutsche Firmen in eine existenzielle Schieflage, kann die Bundesregierung sie absichern – aber die Firma müsste dafür Kapitalanteile an den Bund abtreten. Wenn die Krise vorbei ist, sollen diese Beteiligungen wieder privatisiert werden. Finanzkonzerne allerdings fallen nicht unter diesen Rettungsschirm. Altmaier sagte: „Wir werden einen Ausverkauf deutscher Wirtschafts- und Industrieinteressen verhindern. Dabei darf es keine Tabus geben, denn auch die Realwirtschaft hat aktuell große Probleme.“ Auch vorübergehende staatliche Beteiligungen und Übernahmen seien hierbei zwei mögliche Instrumente. „Auch das bereiten wir in der Bundesregierung vor, um es Montag zügig zu verabschieden.“



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