Studie der Universität Münster 08.10.2020, 09:55 Uhr

Wenn die Radwege gut genug sind, fahren Radfahrer auch bei schlechtem Wetter

Gegner des Radinfrastrukturausbaus nutzen häufig das Argument, dass bei schlechtem Wetter fast alle Radfahrer ins Auto steigen würden. Die Universität Münster will mit einer neuen Studie das Gegenteil beweisen.
Gute Radwege werden auch im Winter genutzt (Bild zeigt Groningen).
(Quelle: ADFC / Veenstra)
Auf guten Radwegen fahren Radfahrer auch wenn es regnet. Bei schlechter Infrastruktur hingegen ist das kaum der Fall, so die Forscher. Der Fahrradclub ADFC fordert den schnellen Ausbau der Radwegenetze, um das Ganzjahresradfahren zu fördern und die Städte vom Autoverkehr zu entlasten.    
Der ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt dazu: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Infrastruktur! Aus der Praxis wussten wir das längst, jetzt ist die These auch wissenschaftlich erwiesen. Es muss Schluss sein mit immer neuen Ausreden – wir brauchen den Radinfrastrukturausbau jetzt. Wenn die Wege einladend zum Radfahren sind und das Rad die schnellste Alternative ist, dann fahren die Menschen Rad. Bei Regen und bei Sonnenschein.“
Weniger als fünf Prozent Rückgang bei guter Infrastruktur
Die aktuelle Studie zeigt, dass in Städten mit gut ausgebauter Radinfrastruktur der Alltagsradverkehr bei schlechtem Wetter nur wenig zurückgeht – in Oldenburg und Münster um weniger als fünf Prozent, in Göttingen um weniger als 10 Prozent. In Städten mit eher schlecht ausgebautem Radwegenetz – Herzogenaurach, Stuttgart und Würzburg – geht der Radverkehr um bis zu 30 Prozent zurück.
Daten zu 30 deutschen Städten
Die Studie zu den Effekten des Wetters auf das Radfahren haben Kathrin Goldmann und Jan Wessel kürzlich am Institut für Verkehrswirtschaft der Universität Münster vorgelegt. Sie hatten die Daten aus 122 Fahrrad-Zählstationen in 30 deutschen Regionen und Städten bei unterschiedlichen Wetterverhältnissen ausgewertet.


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