Radwegetest in Landeshauptstädten 15.10.2020, 12:46 Uhr

ADAC kritisiert: Jeder dritte Radweg ist zu schmal

Der ADAC hat in zehn deutschen Landeshauptstädten untersucht, ob die Wege die empfohlenen Breiten haben. Das Ergebnis: Jeder dritte Radweg ist zu schmal.
Infografik des ADAC
(Quelle: ADAC)
Der Radverkehr in Deutschland hat von 2002 bis 2017 stark zugenommen. Das gilt nicht nur für die absolute Zahl der Fahrten, die von 25 auf 28 Millionen täglich wuchs. Größer geworden ist auch die Bedeutung des Rades im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln und zum Fußgängerverkehr in den Metropolen: Dort stieg der Anteil nach Angaben des ADFC von 9 auf 15 Prozent. Bei Radfahrern liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 18,2 km/h, bei Pedelec-Fahrern etwas höher. Es wird daher mehr überholt. 
Der ADAC wollte wissen, ob die Radwege breit genug sind und die Maße aus den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen (FGSV) erfüllen.
Fast ein Viertel der Routen fällt durch
In den zehn Landeshauptstädten Bremen, Dresden, Erfurt, Hannover, Kiel, Mainz, München, Saarbrücken, Stuttgart und Wiesbaden befuhren die ADAC-Tester zusammengenommen 120 Strecken. Betrachtet wurden Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen und sogenannte Gemischte Führungen, also Geh- und Radwege, sowie Gehwege mit dem Schild „Radfahrer frei“.
Das Ergebnis: 59 der 120 Teststrecken, also knapp die Hälfte, schnitten mit Ausreichend ab. 21 Routen, das sind gut ein Sechstel, erreichten ein Gut oder Sehr gut. Doch 28 Routen, fast ein Viertel, fielen mit Mangelhaft oder Sehr mangelhaft im Test durch. Bei jeder zehnten Strecke gab es wegen des geringen Anteils an Radverkehrsanlagen kein Testergebnis, diese wurden aber in der Gesamtbewertung berücksichtigt.
Nur Kiel erreichte das Gesamturteil „Gut“
Unter den zehn Städten zeigten sich bei den Radwegbreiten deutliche Unterschiede. Am besten war die Situation in Kiel. Von den elf hier getesteten Strecken schnitten eine mit Sehr gut und vier mit Gut ab. Da außerdem keine „durchfiel“, erreichte die Stadt das ADAC-Gesamturteil Gut. Auf der anderen Seite gab es zwei Schlusslichter mit dem Urteil Mangelhaft: In Hannover erhielten vier von zwölf Testrouten ein Mangelhaft und drei ein Sehr mangelhaft, und keine Route war hier besser als Ausreichend. In Mainz gab es zwar unter den zehn getesteten Strecken zwei gute, aber fünf fielen mit Mangelhaft und zwei weitere mit Sehr mangelhaft durch.
Summa summarum lässt sich die Lage mit „Viel Mittelmaß und wenig Highlights“ zusammenfassen. Das gilt besonders auch für München, im Test die größte Stadt (knapp 1,5 Millionen Einwohner) mit den meisten getesteten Routen: 14 von 18 erhielten ein Ausreichend. So lautete dann auch das ADAC-Gesamturteil zu den Radwegbreiten in München sowie sechs weiteren Städten aus dem Test.
Die auffälligsten Mängel im Test
Die Testfahrten zeigten, dass 36 Prozent der Radwege schmaler als die jeweiligen Mindestbreiten aus den ERA-Empfehlungen waren und weitere 43 Prozent die empfohlenen (größeren) Regelbreiten nicht erreichten. Von den kombinierten Geh- und Radwegen lagen „nur“ 19 Prozent unter den empfohlenen Mindestbreiten.
Von nicht ausreichenden Breiten abgesehen gab es eine Reihe weiterer Mängel:
  • Engstellen und Hindernisse etwa durch Bäume, Bewuchs, Masten oder Schilder – sehr viele in Mainz, Wiesbaden und Stuttgart, viele in Dresden und Erfurt
  • Außerhalb der Wertung, da sehr temporär: Vereinzelt waren Radwege wegen fehlender Sicherheitsräume zu den angrenzenden Parkstreifen durch Autos verengt oder wegen fehlender Parkmöglichkeiten blockiert
  • Teilweise dienten Radwege vorübergehend als Abstellplätze für Mülltonnen, Fahrräder, E-Scooter etc.
ADAC-Empfehlungen an die Kommunen
Für die optimale, sichere Ausgestaltung von Radwegen gibt es keine Patentlösung, vielmehr sind individuelle, maßgeschneiderte Maßnahmen gefragt. Generell aber gilt:
  • Vor der Planung von Baumaßnahmen den Bedarf und die Verlagerungschancen analysieren und ganzheitliche Mobilitätskonzepte erarbeiten
  • Lücken und Kapazitätsengpässe im Radverkehrsnetz zeitnah beseitigen
  • Auf kombinierte Geh- und Radweg möglichst verzichten
  • Bei neuen Radwegen die Empfehlungen der ERA einhalten und dabei mit den Regelbreiten planen, Mindestbreiten nur im Ausnahmefall anwenden
  • Bei der Einrichtung von Radwegen mit hohem Nutzungspotenzial die Breite großzügiger vorsehen, damit sie die steigende Verkehrsdichte, den erhöhten Überholbedarf und den größeren Platzbedarf breiter Fahrräder bewältigen können
  • Verkehrszeichen und -einrichtungen nicht auf dem Radweg, sondern mittig im Sicherheitsraum aufstellen
  • Grün in der Stadt darf die Radwegbreite und -nutzung nicht beeinträchtigen und muss regelmäßig zurückgeschnitten werden
  • Abschnitte, an denen Falschparker den Radweg häufig blockieren, regelmäßig kontrollieren, Parkverstöße ahnden und die Situation durch geeignete Maßnahmen entschärfen
  • Auch Parkstreifen ausreichend breit und mit genügend Sicherheitsabstand zu angrenzenden Radwegen anlegen.
Alle Ergebnisse im Detail und die Methodik finden Sie hier.


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