Wenig Grund zum Feiern im Jubiläumsjahr 18.04.2019, 09:00 Uhr

ADFC wird 40

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) feiert heute seinen 40. Geburtstag. Doch anders als andere Jubilare gibt der heute größte Fahrradclub der Welt keine Party, sondern startet eine bundesweite Mitmach-Kampagne unter dem Motto #MehrPlatzFürsRad.
ADFC-Gründer Jan Tebbe auf der ersten Münchner Fahrradwoche
(Quelle: ADFC )
Während sich die Probleme auf der Straße zuspitzen – Staurekorde, Feinstaubalarme, Fahrverbote, Stress – kommt die Verkehrspolitik mit dem Umsteuern zugunsten der umweltfreundlichen Mobilität nicht voran. Der Radverkehrsanteil stagniert, die Fahrradinfrastruktur ist katastrophal, in immer mehr Städten gründen sich mit Unterstützung des ADFC kämpferische Bürgerinitiativen, die sich die autofokussierte Verkehrspolitik nicht mehr gefallen lassen wollen. Der ADFC wird das Jubiläumsjahr deshalb nicht primär zum Feiern nutzen, sondern für eine weithin sichtbare politische Kampagne mit Aktionen im ganzen Bundesgebiet. Er fordert: #MehrPlatzFürsRad!

Zusammengefasst sind hier einige Highlights der 40-jährigen Verbandsgeschichte:

1979 – Gründung und schnelles Wachstum
Am 18. April 1979 gründete Verkehrsberater Jan Tebbe mit 17 Mitstreitern an seinem Wohnzimmertisch in Bremen den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, kurz ADFC, als fahrradpolitisches Gegengewicht zu den starken Interessensverbänden des Automobils. Am 26. Oktober wurde der ADFC-Bundesverband ins Vereinsregister Bremen eingetragen. Schnell gründeten sich weitere Ortsgruppen in Dortmund und Erlangen. Nach nur einem Jahr hatte der ADFC über 3.000 Mitglieder, heute sind es mehr als 175.000. Damit ist der ADFC die größte Interessensvertretung für das Alltagsradfahren weltweit – und wächst, entgegen dem allgemeinen Trend, kontinuierlich weiter.

1980 – Internationale Velo-city-Konferenz in Bremen
Der ADFC veranstaltete die erste Fahrradkonferenz Velo-city in Bremen mit 400 Teilnehmenden, um den internationalen Austausch zur Radverkehrsförderung anzukurbeln. Mittlerweile organisiert der vom ADFC mitgegründete Europäische Fahrrad-Verband (ECF) diese weltweit bedeutendste fahrradpolitische Konferenz, an der regelmäßig über 1.500 Menschen aus über 60 Nationen teilnehmen. 2019 richtet das irische Dublin die Velo-city-Konferenz aus.

1988 – Erster ADFC-Fahrradklima-Test
1988 organisiert der ADFC erstmals eine bundesweite Befragung der Radfahrerinnen und Radfahrer: den ADFC-Fahrradklima-Test. Mittlerweile wird der Test regelmäßig alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und hat sich als „Zufriedenheitsindex der Radfahrenden in Deutschland“ politisch und in den Medien einen bedeutenden Namen gemacht. An der aktuellen Befragung nahmen mehr als 170.000 Menschen teil. Die fahrradfreundlichsten Städte laut ADFC-Fahrradklima-Test 2018 wurden am 9. April 2019 von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ausgezeichnet.

1997 – Fahrradfreundliche Novelle der StVO
Mit der „Fahrradnovelle“ der Straßenverkehrsordnung werden erstmals deutliche Verbesserungen für den Radverkehr verbindlich: Städte und Gemeinden können Einbahnstraßen für Radfahrende in Gegenrichtung öffnen, Fahrradstraßen einrichten und den Radverkehr auf Busspuren ermöglichen. Die Radwegebenutzungspflicht ist ab sofort an Qualitätskriterien gebunden.

2002 – Erster Nationaler Radverkehrsplan
Auf Betreiben des ADFC verabschiedet die Bundesregierung im Jahr 2002 ein erstes fahrradpolitisches Programm, den Nationalen Radverkehrsplan 2002-2012. Ziele sind ein gutes und alltagstaugliches Radverkehrsnetz, die Steigerung des Radverkehrsanteils und mehr Verkehrssicherheit für Radfahrende. Bei der 2019 anstehenden Fortschreibung des Plans will der ADFC auf eine konkrete Maßnahmenplanung und ambitionierte, messbare Ziele beim Modal Split hinwirken.

2004 – Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ mit der AOK
ADFC und die Krankenkasse AOK rufen erstmals bundesweit zur Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ auf. Dadurch werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer motiviert, in den Sommermonaten an mindestens 20 Tagen ihren Arbeitsweg per Rad zurück zu legen – und das Auto stehen zu lassen. Viele Beteiligte steigen nach dem Aktionszeitraum dauerhaft auf das Rad um.

2016 – Radschnellwege im Bundesverkehrswegeplan
Als großen bundespolitischen Erfolg kann der ADFC die Aufnahme von Radschnellwegen in den Bundesverkehrswegeplan verbuchen. Demnach wird der Bund sich in Zukunft stärker am Bau von Radschnellwegen beteiligen. Bisher lehnte der Bund seine Zuständigkeit für diese neue Form von Premium-Radinfrastruktur ab. Seit 2018 stehen im Etat des Bundesverkehrsministeriums auch Mittel für den Radschnellwegebau bereit.


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