Tagung an der Fachhochschule 06.06.2019, 11:35 Uhr

Verkehrsexperten diskutierten in Münster

Verkehrsplaner und andere Politiker trafen sich mit Wissenschaftlern und Studenten zu einem Verkehrskongress in Münster. Ihr Ziel: mehr Platz für den Radverkehr.
Prof. Dr. Birgit Hartz (l.) und Nachwuchsprofessorin Dr. Jeanette Klemmer zeigten sich sehr zufrieden mit dem regen Austausch während des VSVI-Seminars Radverkehrsanlagen an der FH Münster.
(Quelle: FH Münster/Stefanie Gosejohann )
Alle 19 Stunden verunglückte im Jahr 2018 in Deutschland ein Radfahrer tödlich, alle 32 Minuten verletzte sich ein Radfahrer bei einem Unfall schwer, und alle paar Minuten gab es einen Leichtverletzten. Diese erschreckenden Zahlen präsentierte Jörg Ortlepp vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft bei einer Tagung zum Thema Radverkehrsanlagen am Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Münster.
Er gab in seinem Vortrag „Radfahren, aber sicher!“ einen Überblick über die Ergebnisse der Unfallforschung. „Sicherheit braucht Platz“, so Ortlepps wichtigstes Fazit. Daher appellierte er an die Stadt- und Verkehrsplaner, bei den Abständen zwischen Fahrbahn und Radstreifen wenigstens die Mindestmaße aus den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) einzuhalten. Das sei leider nicht immer der Fall. Noch besser sei es allerdings, den Radfahrern deutlich mehr Platz einzuräumen.
Zu geringe Investitionen in einen sicheren Radverkehr kritisierte Prof. Dr.-Ing. Birgit Hartz in ihrem Einführungsvortrag ebenso wie dies auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe tat, der beim Deutschen Städtetag zeitgleich Milliardenausgaben für die Mobilitätswende forderte. Die Verkehrsexpertin verwies auf eine Studie von Greenpeace zu den Pro-Kopf-Ausgaben für Radverkehr. Diese liegen in deutschen Städten deutlich unter fünf Euro, während andere Länder ein Vielfaches mehr investieren. Beim Spitzenreiter Utrecht fließen sogar 132 Euro jährlich pro Kopf in den Radverkehr – auf Münsters Einwohnerzahl umgerechnet ergäbe dies eine Investitionssumme von 41,5 Millionen Euro pro Jahr. „Die Verantwortlichen sollten mehr Geld in die Hand nehmen und in Radverkehrsanlagen investieren“, erklärte Hartz, die die Konferenz organisiert hatte.
In den weiteren Vorträgen ging es um alternative Radverkehrsführungen wie etwa Protected Bike Lanes, Signalisierung des Radverkehrs, Regelungen zum Radverkehr im Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS) sowie die Herausforderungen durch E-Bikes, Pedelecs und Lastenräder. Rund 80 Ingenieure, Planer, Wissenschaftler und Studierende besuchten die Fortbildungsveranstaltung.


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