Giant, KTM, Paul Lange & Co., Eurobike 20.03.2020, 15:03 Uhr

Coronavirus: Fahrradbranche im Notbetrieb, Teil 2

Home Office, Schichtarbeit, Videokonferenzen: Die Fahrradindustrie passt sich den Bedingungen der Corona-Epidemie an. Einige Hersteller und die Eurobike-Macher erklären Details.
Laptop auf dem Sofa
(Quelle: Pixabay )
Giant Deutschland hat sein Büro geschlossen und komplett auf Home Office umgestellt. Die fundamentalen Geschäftsprozesse laufen weiter, die Kommunikation zum Handel und Endkunden wird vorzugsweise per E-Mail durchgeführt. Giant führt, soweit das die Lage noch zulässt, einen wöchentlich Rad-Sonderversänd ein für die Händler, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Ware annehmen können. Dazu kommt ein täglicher Teile-Versand, um die offenen Werkstätten zu unterstützen. Lieferverzögerungen sind bereits eingetreten, diese belaufen sich je nach Modell zwischen drei Wochen und zwei Monaten. Der Handel wurde bereits seit Januar bezüglich der Verfügbarkeiten auf dem Laufenden gehalten. „Die eigentliche Liefersituation ist aber nicht mehr das entscheidende, sondern mit der Ausbreitung des Virus in die hiesigen Märkte erwarten wir einen mehr oder weniger gravierenden Nachfragerückgang. Wie hoch dieser sein wird, hängt entscheidend damit zusammen, wie schnell die Virusausbreitung verlangsamt werden kann. Für diese Einschätzung ist es derzeit noch zu früh“, so der Deutschland-Geschäftsführer Oliver Hensche. Man sei auf verschiedenste Szenarien vorbereitet. Wenn es die Lage erfordert, verschiebe man einzelne Modellwechsel so, dass bis zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr noch mit aktueller Ware regulär abverkauft werden kann. Das andere Szenario kann sein, das einzelne Modelleinführungen vorgezogen werden, falls das aktuelle Modell zu spät oder gar nicht mehr kommt. „Wovon man sich, denke ich, verabschieden muss sind feste Modellwechsel zu festen Zeitpunkten“, erwartet Hensche. Giant werde jede Maßnahme ergreifen, um die Nachfrage zu stützen. Wirtschaftliches Ziel sei für Giant und seine Handelspartner die einsetzende Krise bestmöglich zu überstehen. „Dem übergeordnet steht die Verantwortung, die jedes Unternehmen, jede Vereinigung und jede Organisation hat: Die Unversehrtheit der eigenen Mitarbeiter, Kunden und Partner. Das ist aktuell erstmal das Entscheidende“, so Hensche.
Lieferstopp bei KTM
KTM hat vorerst einen Lieferstopp für Fahrräder verkündet. Ersatzteile, Fahrradzubehör und Kleinkinderräder können über den KTM Teilehandel laufend, vorzugsweise Online, bestellt werden. Telefonisch sei man nicht voll besetzt, Mails würden laufend bearbeitet. Gleichzeitig ermuntern die Österreicher aber auch ihre Händler: „Gerade jetzt informieren sich auf unserer website www.ktm-bikes.at täglich mehrere Tausend Endkunden mit einem klaren Kaufwunsch von KTM-Rädern. Mit Bike.Local und KTM können Sie daraus einen Neukunden für sich generieren“, heißt es in einer Mitteilung. KTM zahlt die Einrichtungsgebühr für Bike.Local von 190 Euro, wenn sich Händler jetzt bei Bike.Local registrieren.
Kontaktvermeidung bei Paul Lange & Co.
Paul Lange & Co. ist aktuell vollständig lieferfähig und für den Fachhandel erreichbar, sowohl was den Service als auch das Bestellwesen und die Logistik betrifft. Die Stuttgarter setzen intern Sicherheitsmaßnahmen um, um die Kontaktzahl, -dichte und -häufigkeit der Mitarbeiter miteinander zu reduzieren. Sie lassen beispielsweise die Mitarbeiter soweit möglich im Homeoffice arbeiten, haben im Lager haben auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt, führen Meetings weitestgehend als Videokonferenzen durch und haben die Reisetätigkeit nahezu völlig eingestellt.
Trek ist lieferfähig
Bei Trek ist der Lagerbestand gut, man sei für die Situation gerüstet. Auslieferungen an Händler sind momentan abhängig von offiziellen Vorgaben, was den Versand angeht, sowohl national wie auch international. Generell sei man aber für Händler und Kunden erreichbar.
Corratec kann weiter produzieren
Corratec produziert und liefert aktuell in normalem Umfang. Das Lager erlaube zwei Monate lang den normalen Betrieb. „Wie sich die Krise darüber hinaus auf unsere Lieferkette und die Nachfrage auswirkt, ist nicht absehbar, da spielen zu viele Faktoren eine Rolle“, so der Geschäftsführende Gesellschafter Konrad Irlbacher.
Specialized ist lieferfähig
Specialized hat vorerst alle Events verschoben oder abgesagt. Das Deutschland-Büro in Holzkirchen verzeichne aktuell keine Einschränkungen in der Lieferfähigkeit. Vereinzelt könne es in den kommenden Wochen zu Verzögerungen von ein bis drei Wochen kommen.
Woom stoppt Fahrradrücknahme
Der Kinderradspezialist Woom hat das Fahrrad-Abonnement auf seiner Webseite deaktiviert, weil bei der Rücknahme der Räder persönlicher Kontakt erfolge.
Dynamo Retail stellt Besuche ein
Die niederländische Dynamo Retail Group will alle Informationen, die den Mitgliedern irgendwie helfen können auf eine übersichtliche Art und Weise im Intranet zur Verfügung zu stellen. Mitarbeiter sind aufgrund eines Beschlusses der holländischen Regierung angewiesen, soviel wie möglich zu Hause zu arbeiten. Vorläufig werden alle Händlerberater bis zum 6. April keine Besuche im Laden vornehmen.
Messe Friedrichshafen plant Eurobike
Aufgrund der Epidemie wurden schon viele Veranstaltungen abgesagt. Noch davon unberührt ist die Eurobike im September. Bereichsleiter Stefan Reisinger erklärte gegenüber SAZbike: „Momentan arbeiten wir gewissenhaft und regulär an der Vorbereitung der Eurobike 2020 im September und den vorgelagerten Media-Events. Dennoch werden nach den Absagen von Veranstaltungen sowie den aktuellen Beschränkungen die kommenden Wochen für uns alle mit einer hohen Unsicherheit belastet sein wie auch der Frage: Wann kommt es zur Rückkehr in die Normalität? Aktuell ist eine Prognose über einen Zeitraum von wenigen Wochen hinaus reine Spekulation. Grundsätzlich sind wir davon überzeugt, dass es nach dem Ende der akuten Phase einen verstärkten Branchenbedarf an Möglichkeiten geben wird, sich zu treffen, auszutauschen und Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. Darauf bereiten wir uns und die Eurobike Anfang September 2020 seriös vor, benötigen aber auch die Unterstützung und das Commitment der Branche für die kommenden Wochen.“



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