Girocard-System nach wie vor populär 08.09.2023, 12:16 Uhr

HDE bewertet Funktionalität von Debitkarten kritisch

Der Handel setzt aus Kostengründen weiter auf das Girocard-System. Die Banken setzen jedoch stoisch auf die Ausgabe von Debitkarten als neue Standardkarte. Der HDE bewertet dies kritisch, zumal viele Karteninhaber nicht vollständig von ihren Banken informiert werden.
(Quelle: Shutterstock/fizkes)
Die Funktionalität von Debitkarten der globalen Anbieter wird gerade intensiv debattiert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertet hier kritisch, dass Karteninhaber mit Zusendung ihrer neu gestalteten Standardkarte zum Bankkonto offensichtlich nicht vollständig informiert werden. Laut Verband wissen die kartenausgebenden Banken aber sehr genau um die derzeitige Situation der schwierigen Kartenakzeptanz von Debitkarten im Handel.

Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr, bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: „Die meisten Händlerinnen und Händler setzen nach wie vor auf das bewährte girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft. Dennoch geben einige Institute ihren Kunden Karten an die Hand, ohne bekannte Problematiken anzusprechen und lassen sie mit entstehenden Problemen allein.“ Die Strategie einiger Banken sieht Binnebößel mit besonderer Sorge, da viele Institute ihren Kunden eine Debitkarte für ihr Konto ausgeben, die ausschließlich ein globales Zahlungssystem wie Visa oder Mastercard enthält. Das, so der Experte für Zahlungsverkehr, führt zu Problemen, wie auch aktuelle Daten der Verbraucherzentrale Bundesverband, kurz vzbv, zeigen. Dazu Binnebößel weiter: „Im stationären Handel gibt es heutzutage eine sehr hohe Ausstattung mit Zahlungsterminals. Beinahe alle stationären Terminals akzeptieren dabei die girocard. Dass einige Händler die globalen Kartensysteme aus Kostengründen nicht akzeptieren, muss auch den Banken bekannt sein. Dennoch setzen einige Institute auf eine Karte, die ihren Kunden nicht die volle Handlungsfreiheit gibt.“

Laut HDE war in den vergangenen Monaten ein starker Anstieg der Kosten für Kartenzahlungen im stationären Handel zu beobachten. Es liege nahe, dass die zunehmende Anzahl von Debitkarten der globalen Anbieter im Markt dafür verantwortlich sei: „Im Unterschied zur Akzeptanz der girocard kann für den Handel die Akzeptanz einer Debitkarte der globalen Anbieter bis zu viermal höhere Kosten verursachen“, so Binnebößel. Zudem bedeute eine Akzeptanz der Debitkarten, dass gleichzeitig auch die Kreditkarten dieser Anbieter akzeptiert werden müssten, die mit noch höheren Kosten verbunden sein könnten. „Grund genug für einige Händler, sich gegen eine Akzeptanz zu entscheiden“, betont Binnebößel.

Aus Sicht des HDE ist eine Lösung, dass den Kontoinhabern eine Karte mit einem sogenannten Co-Branding ausgegeben wird. Diese Karte enthält neben der Girocard-Funktion ein weiteres System der US-Anbieter. Dazu Binnebößel: „Die meisten Banken aus dem Sparkassen- und Volksbankenbereich haben sich für diese kundenfreundliche Variante entschieden. Andere Banken müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie dies nicht tun.“

Susa Schreiner
Autor(in) Susa Schreiner


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