Einzelhandel im Umbruch 14.11.2022, 11:40 Uhr

Umsatz in Innenstadtläden sinkt

Der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung, Büchern, Spielwaren und Elektronik erfährt teils deutliche Umsatzeinbußen gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019. Fahrradgeschäfte wurden nicht gesondert erfasst.
Der Online-Handel steigert seinen Umsatz deutlich schneller als der stationäre Einzelhandel.
(Quelle: Statistisches Bundesamt)
Corona-Pandemie, Lieferengpässe, Inflation: Die Einzelhändler in den Einkaufsstraßen der deutschen Innenstädte stehen momentan vor großen Herausforderungen – und müssen entsprechend deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sank etwa der Umsatz des stationären Einzelhandels mit Bekleidung in den Monaten Januar bis September 2022 gegenüber demselben Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 real um 11,0 Prozent. Auch in anderen typischerweise in Innenstädten vertretenen Ladengeschäften zeigt sich eine ähnliche Entwicklung: So ging der Umsatz im Einzelhandel mit Büchern preisbereinigt um 21,0 Prozent zurück, der Umsatz im Einzelhandel mit Spielwaren sank um 17,5 Prozent. Etwas geringer fielen die Umsatzrückgänge im Handel mit Unterhaltungselektronik (minus 7,4 Prozent) und Schuhen (minus 4,9 Prozent) aus. Nur der Einzelhandel mit Schmuck und Uhren konnte seine Umsätze real um 17,8 Prozent steigern.
Die Umsatzeinbußen der für die Innenstädte typischen Läden dämpfen die Entwicklung des stationären Einzelhandels insgesamt. Die Einzelhandelsunternehmen mit Verkaufsräumen setzten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 gegenüber denen des Jahres 2019 preisbereinigt 3,0 Prozent mehr um.

Online-Handel mit deutlich höherem Umsatzwachstum

Eine große Konkurrenz für den stationären Einzelhandel stellt der Online-Handel dar – und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Im Vergleich zu den leichten Umsatzsteigerungen des stationären Einzelhandels (plus 3,0 Prozent) fällt das Umsatzplus im Online- und Versandhandel von Januar bis September 2022 gegenüber demselben Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 mit real 31,2 Prozent deutlich größer aus. 
Auch im Zehn-Jahres-Vergleich zeigt sich der anhaltende Boom des Online-Handels: Zwar erhöhte der stationäre Einzelhandel seine Umsätze in den Jahren von 2011 bis 2021 preisbereinigt um 10,3 Prozent, blieb mit diesem Zuwachs aber deutlich unter dem der Online-Konkurrenz. Diese konnte ihre Umsätze im selben Zeitraum mehr als verdreifachen und verzeichnete ein reales Umsatzplus von 221,7 Prozent.

Passantenzahlen auf Einkaufsstraßen unter Vor-Corona-Niveau

Als Indikator für den Besuch der Einzelhandelsgeschäfte vor Ort kann die Passantenfrequenz in den Innenstädten hierzulande dienen. Diese ist nach verschiedenen Pandemie-bedingten Einbrüchen in den Jahren 2020 und 2021 in den vergangenen Monaten wieder gestiegen. Das zeigt eine experimentelle Auswertung des Statistischen Bundesamtes von Daten des Unternehmens hystreet.com. So waren im Oktober 2022 durchschnittlich 12,2 Prozent mehr Passanten auf den Einkaufsstraßen der fünf größten deutschen Städte unterwegs als im Vorjahresmonat. Das Niveau von 2019 wurde jedoch nicht erreicht: Im vergangenen Monat lagen die Passantenzahlen um 6,6 Prozent unter dem Wert von Oktober 2019.

Zahl der Ladengeschäfte im Einzelhandel rückläufig

Ein verändertes Kaufverhalten und steigende Betriebskosten können Gründe dafür sein, dass es in Deutschland immer weniger Ladengeschäfte gibt. Während die Unternehmen des stationären Einzelhandels 2019 noch rund 403.000 Ladengeschäfte führten, waren es 2020 knapp 385.600 – ein Rückgang von 4,3 Prozent. Dass diese Abnahme nicht allein auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruht, zeigt sich beim Blick auf die langfristige Entwicklung: Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Ladengeschäfte um 10,2 Prozent. Im Jahr 2010 hatte es bundesweit noch rund 429.500 solcher Geschäfte gegeben.
Im Einzelhandel insgesamt stiegen die Umsätze dagegen, wie das Statistische Bundesamt vor wenigen Tagen erklärte. Besonders der Fahrradhandel profitierte.


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