Erhöhtes Unfallrisiko 07.12.2021, 15:30 Uhr

Technische Geräte lenken Radfahrende im Straßenverkehr ab

Einer aktuellen Umfrage der Allianz-Versicherung zur Zweiradsicherheit zufolge lassen sich auch immer mehr Radfahrende im Straßenverkehr ablenken. Wie bei den Autofahrern sorgen Smartphone und Navi für die größte Ablenkung.
Vor allem junge Radfahrende sind häufig durch ihre Kopfhörer abgelenkt. 
(Quelle: Allianz)
„Ablenkung ist auch bei Fahrradfahrern ein Unfallrisiko. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass vor allem Kopfhörer und Displays am Lenker ein hohes Ablenkungspotenzial haben“, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. Eine aktuelle Umfrage des Allianz Zentrum für Technik (AZT) durch das Marktforschungsinstitut Ipsos Nürnberg macht deutlich, dass inzwischen bereits jeder vierte (27 Prozent) Kopfhörer oder Earplugs beim Fahren verwendet. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es bereits 71 Prozent. Das kann das Unfallrisiko um bis zu 52 Prozent erhöhen. 
Es droht hierbei nicht nur die Gefahr eines Unfalls, sondern auch ein Bußgeld. Die Nutzung elektronischer Geräte beim Führen eines Fahrzeugs regelt der sogenannte Handy-Paragraf StVO § 23 (1a). Dieser gilt auch für Radfahrer und Radfahrerinnen: jedes elektronische Gerät in der Hand ist verboten, die Bedienung von am Fahrrad fixierten Geräten ist den Verkehrsverhältnissen anzupassen. Verstöße werden mit 55 bis 100 Euro geahndet.

Aufmerksamkeit aufs Navi gerichtet

Neben den Kopfhörern sorgt die Navigation auf dem Handy häufig für eingeschränkte Aufmerksamkeit. Ein Viertel (27 Prozent) der befragten Fahrradfahrenden bestätigten, ein befestigtes Display zu nutzen, immerhin fast jeder zehnte sehr häufig oder häufig. „Statt auf die Straße geht der Blick immer wieder auf den elektronischen Helfer. Das lenkt deutlich vom Straßenverkehr ab und erhöht das Unfallrisiko um fast 40 Prozent“, sagt Haug.
Im Auto ist das Telefonieren am Steuer immer noch die größte Ablenkungsgefahr. Bei Fahrradfahrenden spielt diese Tätigkeit aber laut Umfrage noch eine eher untergeordnete Rolle. Nur knapp drei Prozent der Befragten gaben an, dass sie sehr häufig oder häufig auf dem Rad telefonieren oder texten. Die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sticht allerdings erneut hervor: Fast jeder Zweite schließt das Telefonieren (47 Prozent) und das Texten (45 Prozent) nicht aus, elf Prozent telefonieren, 15 Prozent texten sehr häufig oder häufig mit dem Handy in der Hand.

Autofahrende telefonieren mehr als Radfahrende

2016 veröffentlichte das AZT bereits eine Sicherheitsstudie zur Ablenkungsgefahr von Autofahrern und -fahrerinnen. Darin berichteten 60 Prozent der Autofahrenden, die in den zurückliegenden drei Jahren Unfälle hatten, dass sie ihr Mobiltelefon beim Fahren händisch genutzt hatten. Bei Fahrern und Fahrerinnen ohne Unfallerlebnis waren es nur 37 Prozent. Die Umfrage ergab zudem, dass jeder zweite Fahrende (46 Prozent) Handyverstöße begeht, darüber hinaus sind etwa drei Viertel der Befragten regelmäßig durch die Benutzung verbauter Technik im Fahrzeug abgelenkt (74 Prozent). 39 Prozent bedienen das Navi bei der Fahrt. 58 Prozent suchen oder bedienen die Radiofunktion über das Bordmenü. 15 Prozent aller Fahrer und Fahrerinnen tippen und knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) liest Textnachrichten mit dem Smartphone. Bei den Befragten bis 24 Jahren ist dies deutlich höher. So tippen 23 Prozent und lesen 27 Prozent während der Fahrt. 29 Prozent bestätigen, am Handy zu überprüfen, wer sich gemeldet hat. Auffällig: 52 Prozent werden beim Fahren durch telefonierende Mitfahrer abgelenkt.
Nach Expertenmeinung ist jeder zehnte Unfall mit Getöteten im Straßenverkehr auf Ablenkung zurückzuführen. 2015 starben fast 3.500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen, 256 davon, dass einer der Unfallbeteiligten alkoholisiert war. Deutlich mehr Personen (etwa 350) kamen durch Ablenkungsunfälle ums Leben.

Details zu den Studien

Für die Umfrage zur Nutzung elektronischer Geräte beim Fahrradfahren wurden durch das Marktforschungsinstitut Ipsos Nürnberg 1205 Telefoninterviews mit repräsentativ ausgewählten Radfahrenden durchgeführt. Die Auswertung erfolgte 2021 durch Dr. Jörg Kubitzki, Sicherheitsforscher im Allianz Zentrum für Technik (AZT). Alle Details gibt es hier.
Für die Verkehrssicherheitsstudie „Ablenkung durch moderne Informations- und Kommunikationstechniken und soziale Interaktion bei Autofahrern“ von Dr. Jörg Kubitzki und Prof. Dr. Wolfgang Fastenmeier, durchgeführt durch das AZT und den Instituten Mensch-Verkehr-Umwelt (MVU) und Makam Research wurden 1.600 Autofahrende in einer Repräsentativbefragung untersucht.



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