Brandbrief von Ingenieursverband 09.05.2023, 10:27 Uhr

Deutschland gehen die Ingenieure aus

Der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) beklagt wachsenden Mangel an Ingenieuren und Ingenieurinnen. Die Lösung sei qualifizierte Einwanderung.
Deutschlands Mangel an Ingenieuren und Ingenieurinnen wächst.
(Quelle: Shutterstock / Gorodenkoff)
Der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) hat in seinem neuesten Ingenieurmonitor auf die dramatische Lage auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen hingewiesen. Der Monitor zeigt, dass es in Deutschland 170.300 offene Stellen für Ingenieure gibt. Bauingenieure, Informatiker und Elektrotechnikingenieure werden besonders gesucht. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl der offenen Stellen im Ingenieurwesen um 21,6 Prozent zu. Der Fachkräftemangel wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verschärfen, da die Zahl der Studienanfänger in ingenieurwissenschaftlichen Kernfächern, Maschinenbau oder Elektrotechnik, in den letzten Jahren massiv abnimmt. 
„Ohne eine starke Zuwanderung von ausländischen Fachkräften bekommen wir die Lücke auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und Ingenieurinnen nicht mehr geschlossen“, so Dieter Westerkamp, VDI-Bereichsleiter „Technik und Gesellschaft“ zu den Ergebnissen des neuesten Ingenieurmonitors. 
„Der Fachkräftemangel kann bereits heute nicht annähernd abgedeckt werden und die Situation wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen“, so Dieter Westerkamp. „Im Studienjahr 2016 betrug die Zahl der MINT-Studierenden im ersten Hochschulsemester bundesweit noch rund 143.400 und sank stark auf 125.600 im Studienjahr 2022 ab. In den kommenden Jahren ist folglich mit einem deutlichen Rückgang der Absolventenzahlen zu rechnen“, bekräftigt Prof. Dr. Axel Plünnecke vom IW in Köln diese Entwicklung.

Großer Mangel bei Energie- und Elektrotechnik

Den Ernst der Lage unterstreicht er so: „Setzt man die Anzahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im vierten Quartal 2021 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 387 offene Stellen. Im vierten Quartal 2022 stieg diese Engpasskennziffer auf 471 – ein deutlicher Zuwachs, jedoch eine Engpassrelation unter dem Rekordwert des zweiten Quartals 2022 mit 492. Dabei unterscheiden sich die Engpässe deutlich zwischen den Berufen: die größten Engpässe bestehen bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik, vor den Ingenieurberufen Bau/Vermessung/Gebäudetechnik und Architektur. An dritter Stelle folgen die Informatikerberufe. Auch in allen anderen Ingenieurberufen bestehen im vierten Quartal 2022 Engpässe. Besonders stark sind die Engpässe in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Energie- und Elektrotechnik gestiegen.“
Vor diesem Hintergrund begrüßt Dieter Westerkamp, dass Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Zuwanderungskriterien und die bürokratischen Hemmnisse entschärften will „Es ist ein erster wichtiger Schritt. Deutschland muss sich fit machen für den weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe“, sagt Westerkamp. 
Dieter Westerkamp weist darauf hin, dass diese Entwicklung den Technologie- und Innovationsstandort Deutschlands gefährdet. „Nur mit einer qualifizierten Zuwanderung können wir Wohlstand und zukünftiges Leben und Arbeiten in Deutschland sichern.“


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