„Fahrradwirtschaft ankurbeln“ 30.11.2022, 09:20 Uhr

Frankreich will Fahrradnation werden

Die französische Regierung unterstützt ein Maßnahmenpapier zur Förderung des Radverkehrs und der nationalen Radverkehrswirtschaft. Schwerpunkte sind die Bereiche Herstellung, Verkauf und Reparatur, Fahrradlogistik sowie Radtourismus.
Frankreich will den Radverkehr und die nationale Fahrradwirtschaft verstärkt fördern.
(Quelle: Shutterstock / Delpixel)
Nachdem die französische Regierung im September die zweite Auflage ihrer nationalen Radverkehrsstrategie (französische Sprache) auf den Weg gebracht hat, unterstützt sie nun auch eine Koalition von Interessengruppen bei der Ausarbeitung eines Whitepapers (französische Sprache) zur Entwicklung der französischen Radverkehrswirtschaft. Die Ergebnisse dieses Prozesses wurden am 15. November vorgestellt.
Vier Minister aus verschiedenen Ministerien waren dabei anwesend, um ihre Unterstützung für das Vorhaben zu demonstrieren. Das Papier wurde auf Grundlage von Umfragen und eines Workshops ausgearbeitet, an dem die European Cyclists‘ Federation (ECF) gemeinsam mit dem Verband Cycling Industries Europe (CIE) teilnahm. Das formulierte Ziel ist, die Fahrradnutzung zu steigern und alle mit der Fahrradwirtschaft verbundenen Wirtschaftszweige wie Herstellung, Verkauf und Reparatur, Fahrradlogistik und Fahrradtourismus zu stärken, um Frankreich zu einer „weiteren Fahrradnation“ zu machen.

Neun konkrete Verpflichtungen

  • Schaffung einer Steuerungsstruktur, um alle relevanten Akteure zu bündeln und gemeinsame Projekte zu leiten
  • Einrichtung einer Datenbeobachtungsstelle zur Messung der Auswirkungen der Maßnahmen und zur Steuerung von Strategien und Projekten
  • Verlagerung und Ausweitung der innovativen, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Fahrradproduktion in Frankreich mit dem Ziel, die inländische Produktion bis 2030 auf zwei Millionen Fahrräder pro Jahr zu erhöhen
  • Förderung von Innovationen in der Branche, um die Bedürfnisse der Kunden und Nutzerinnen zu erfüllen und wettbewerbsfähiger zu werden
  • Erkennung des Bedarfs an Kompetenzen und Ausbildung, Entwicklung von Arbeitsplätzen und Stärkung der Attraktivität von Fahrradberufen
  • Förderung und Stärkung einer nachhaltigen, sozial verantwortlichen und lokal verankerten Produktion und Nutzung von Fahrrädern, insbesondere durch die Möglichkeit für jeden Bürger und jede Bürgerin, sein Fahrrad bis 2030 in weniger als 15 Minuten Entfernung von zu Hause reparieren zu lassen
  • Frankreich bis 2030 zum weltweit ersten Ziel für Fahrradtourismus zu machen
  • Förderung eines umfassenden Fahrrad-Ökosystems, insbesondere durch die Ausweitung einer sicheren Infrastruktur auf 100.000 Kilometer Radwege und die Bekämpfung des Fahrraddiebstahls durch die Bereitstellung von 20 Millionen sicheren Fahrradstellplätzen
  • Förderung der Akteure der Fahrradwirtschaft und ihrer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteile in Frankreich und in Europa

Vorbild für Europa?

Clément Beaune, französischer Verkehrsminister, erklärte: „Frankreich schreibt eine neue Seite in der Geschichte des Fahrrads, indem es Innovation und nachhaltiges Design kombiniert, um einen starken Wirtschaftszweig zu schaffen.“
„Investitionen in den Radverkehr zahlen sich aus – seit der Einführung unserer ersten nationalen Radverkehrsstrategie im Jahr 2018 hat Frankreich einen Boom bei der Nutzung des Fahrrads und beim Fahrradverkauf erlebt. Wir werden noch mehr Investitionen brauchen, um unsere Ziele der Dekarbonisierung des Verkehrs und des ökologischen Übergangs zu erreichen", so Christophe Béchu, Minister für ökologischen Wandel und territorialen Zusammenhalt.
Laut ECF könnte Frankreichs Ansatz zur Steigerung der Fahrradnutzung und aller damit verbundenen Wirtschaftssektoren als Vorbild für andere Länder, aber auch für die europäische Ebene dienen. Eine integrierte europäische Radverkehrsstrategie würde dazu beitragen, das Potenzial des Radverkehrs für Wachstum und Nachhaltigkeit in der gesamten Europäischen Union freizusetzen.


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