Miese Noten, Fehler im Test 04.07.2019, 12:30 Uhr

Taschenhersteller sauer auf Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat in Ausgabe 6/2019 Fahrradtaschen getestet. Vier Taschen wurden schlecht benotet, weil die Warentester darin Schadstoffe gefunden haben wollen. Einige Hersteller zweifeln die Ergebnisse an.
Der Test war in der Juni-Ausgabe.
(Quelle: SAZbike )
Besonders betroffen waren die Hersteller Basil, Haberland und New Looxs. Deren Taschen waren in den Einzelkategorien mit „Sehr gut“ bis „Ausreichend“ bewertet worden, hatten bei der Benotung der Schadstoffe jedoch mangelhaft abschnitten. Die Noten für Schadstoffe fließen bei einer mindestens ausreichenden Bewertung nur zu fünf Prozent in die Gesamtnote ein. Wird eine Tasche in der Schadstoffkategorie jedoch mit „Mangelhaft“ bewertet, so führt dies zur Abwertung der Gesamtnote auf „Mangelhaft“, die Schulnote der Schadstoffbewertung, etwa 5,3, wird dabei als Gesamtnote ausgewiesen. Egal, wie gut die Tasche sonst ist. Warentest begründet diese Strenge mit der krebserregenden oder fortpflanzungsschädlichen Wirkung einiger Schadstoffe.
Basil: Stiftung Warentest räumt Fehler ein
Der niederländische Hersteller Basil erklärt, dass Stiftung Warentest zwar vor dem Test auf die Schadstoffprüfung hingewiesen habe, aber nur mitgeteilt habe, dass diese Teilnote nur zu fünf Prozent in das Gesamturteil einfließe. Vor allem aber habe ein von Basil beauftragtes, unabhängiges Prüfinstitut gar keine entsprechend hohen DEHP-Schadstoffwerte in der Fahrradtasche festgestellt. Zu diesen unterschiedlichen DEHP-Werten haben sich die Warentester bisher nicht geäußert.
Im Übrigen hätten die Testexperten eingeräumt, dass es bei den ausgewiesenen DPHP-Werten zu einem Übertragungsfehler gekommen sei. Hierzu hätten die Tester allerdings trotz mehrfacher Aufforderung keinen entsprechend korrigierten Prüfbericht vorgelegt. Die Niederländer behaupten außerdem, es gebe keine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass DPHP gesundheitsschädlich sei und es existiere auch kein Verbot dieser Chemikalie. Die im Testbericht verwendete Formulierung „reprotoxisch“ könne aber so verstanden werden, dass DPHP als schädlicher Stoff dargestellt werde. Nachdem Basil die Stiftung Warentest hierauf angesprochen habe, habe diese mitgeteilt, dass ausschließlich der Nachweis von DEHP zu dem mangelhaften Urteil geführt habe und DPHP lediglich erwähnt wurde, was aber allein jedoch nicht zum „Mangelhaft“ geführt hätte. Darum hat Basil die Stiftung zu einer Korrektur und Überarbeitung der veröffentlichten Testergebnisse aufgefordert. In einem ersten Antwortschreiben habe die Stiftung Warentest laut Basil Fehler eingeräumt und Korrekturen angekündigt. Unklar bleibt, warum die Taschen überhaupt auf DPHP geprüft worden sind, wenn dieses doch unschädlich ist.
Haberland: Stiftung Warentest verweigert Herausgabe der Untersuchungsberichte
Auch die niedersächsische Traditionsmarke Haberland (Gnarrenburg) reagiert auf den Test. Deren Tasche „Ha Zwo O“ war besonders stark von der Abwertung durch die Schadstoffprüfung betroffen: Mit fünfprozentiger Schadstoffbewertung hätte die Gesamtnote eine 2,2 ergeben. Durch die Abwertung wegen der mangelhaften Schadstoffbewertung jedoch stürzte die Note auf 5,5 ab. Haberland ist darum aktiv geworden: Nachdem die Stiftung Warentest dem Hersteller auf dessen Initiative hin mitgeteilt habe, an welchen Einzelteilen der Taschen welche Schadstoffen festgestellt worden seien, sei dies an die Lieferanten weitergeleitet worden, damit diese entsprechend reagieren können. Auch eigene Maßnahmen in der Qualitätskontrolle kündigen die Niedersachsen an. Nicht nachvollziehbar sei jedoch, dass die Stiftung Warentest sich weigert, die Untersuchungsberichte der beauftragten Prüfinstitute herauszugeben. Als Begründung nennen die Warentester den Schutz dieser Institute: Man wolle vermeiden, dass Anbieter sich bei Nachfragen zur Bewertung an die Prüfinstitutionen direkt wenden.
New Looxs tauscht Lieferanten aus
Der niederländische Hersteller New Looxs, in Deutschland vertrieben von Paul Lange & Co., erklärt, man habe als Konsequenz aus dem Test den Stofflieferanten für die betroffene „Sport Messenger Bag“ gewechselt. Bei Nachtests durch ein unabhängiges, internationales Prüfinstitut sei der europäische Reach-Standard, eine Verodnung für Chemikalien, erfüllt worden. Da die Stiftung Warentest den strengeren, deutschen GS-Standard heranziehe, habe man die betroffenen Produkte auch nach diesem Standard testen lassen. In Folge dessen werde noch ein Stoffteil in einer Seitentasche ausgetauscht. Die aktuelle Produktionsserie dieses Modells erfülle aber alle Anforderungen des europäischen Reach-Standards.
Die Stiftung Warentest teilt dazu mit, man habe nach wie vor keinen Zweifel an der Objektivität der Methodik, der sachkundigen Vornahme der durchgeführten Analysen und der Richtigkeit der ermittelten Messergebnisse. Ein ausführlicherer Bericht folgt in der kommenden SAZbike-Ausgabe, Nummer 13/2019.



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