Rückgang von fünf Prozent in 2020 16.03.2021, 08:47 Uhr

Private Haushalte konsumieren deutlich weniger

Die Deutschen haben im Pandemie-Jahr 2020 ihre privaten Konsumausgaben so stark zurückgefahren wie seit 1970 nicht mehr. Erst die Einführung der reduzierten Mehrwertsteuer sorgte ab Juli für Kaufanreize.
Die Konsumausgaben der Deutschen sanken im Jahr 2020.
(Quelle: Pixabay)
Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts anlässlich des Weltverbrauchertags am 15. März, gingen die Ausgaben der deutschen Bevölkerung im Inland im Jahr 2020 um 4,6 Prozent beziehungsweise 5 Prozent (preisbereinigt) im Vergleich zum Vorjahr zurück. Einen derart starken Rückgang gab es seit 50 Jahren nicht mehr. Das Statistische Bundesamt nennt ebenso einen wichtigen Unterschied zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009: Damals war der private Konsum weniger beeinträchtigt und hatte dadurch eine stabilisierende Wirkung auf die deutsche Volkswirtschaft.
Insbesondere in der ersten Jahreshälfte verzeichneten die Konsumausgaben in beinahe allen Bereichen einen Rückgang. Während die Ausgaben für Reisen mit dem Flugzeug, dem Bus und der Bahn im Jahresverlauf weiter zurückgingen (1. Halbjahr -28,6 Prozent; 2. Halbjahr -38,6 Prozent), stieg beispielsweise die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen nach einem Rückgang im 1. Halbjahr 2020 um 20 Prozent im 2. Halbjahr um 9,9 Prozent. Ein Grund für den Anstieg sehen die Statistiker auch in der Mehrwertsteuersenkung im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung.
Im 2. Halbjahr 2020 stieg im Rahmen der Mehrwertsteuersenkung die Nachfrage nach langlebigen Gebrauchsgütern anderer Branchen. So zeigte sich zum Beispiel auch in den Konsumausgaben der privaten Haushalte für Möbel sowie elektrische Haushaltsgeräte ein Anstieg von 6,9 Prozent im 2. Halbjahr 2020 (1. Halbjahr plus 1,7 Prozent). Branchenübergreifend gingen die Konsumausgaben für langlebige Güter im 1. Halbjahr um 8,5 Prozent zurück, im 2. Halbjahr stiegen sie um 7,8 Prozent. Auf die Käufe kurzlebiger Gebrauchsgüter wie beispielsweise Bekleidung und Schuhe hatte die Mehrwertsteuersenkung hingegen keinen nennenswerten Effekt. Diese Käufe waren auch im 2. Halbjahr rückläufig, wenngleich auch nicht so deutlich wie im 1. Halbjahr 2020. Für Dienstleistungen gaben die privaten Haushalte in den beiden Halbjahren 2020 in einem vergleichbaren Umfang weniger Geld aus.
Entgegen dem allgemeinen Rückgang der privaten Konsumausgaben haben die privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2020 für Nahrungsmittel und Getränke 6,3 Prozent mehr ausgegeben als 2019. Die Ursachen dafür verortet das Statistische Bundesamt darin, dass mehr von zuhause gearbeitet, auf Vorrat gekauft und durch den Lockdown im Gastgewerbe weniger auswärts gegessen wurde. Das Gastgewerbe hat der Lockdown jedoch besonders getroffen: Die Konsumausgaben für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen fielen um 33,2 Prozent.


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