Ghost wird abgewickelt, E. Wiener Bike Parts sucht weiter Investor

Für Ghost Bikes ist das Aus besiegelt: Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird der Geschäftsbetrieb eingestellt. Bei E. Wiener Bike Parts läuft der Vertrieb dagegen weiter, während die Suche nach einem Investor andauert. Für andere Teile der Accell Group wurden bereits Lösungen gefunden.
Der 2. November hat einige Fragen zur Zukunft der deutschen Accell-Gesellschaften beantwortet. Für die Ghost-Bikes GmbH (Waldsassen) fiel die Antwort negativ aus: Es fand sich kein tragfähiges Angebot für den Mountainbike-Spezialisten mit 33-jähriger Geschichte. Beim Teile- und Zubehörvertrieb E. Wiener Bike Parts (Sennfeld) bleibt die Zukunft dagegen offen.
Ghost stellt Geschäftsbetrieb ein
In einer Garage gründeten Uwe Kalliwoda und Klaus Möhwald einst Ghost Bikes. 2008 gewann Sabine Spitz auf einem Ghost in Peking Olympia-Gold im Mountainbike. Nun sollen die Restbestände an Fahrrädern mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens en bloc an einen Händler verkauft werden. Anschließend wird der Geschäftsbetrieb in Abstimmung mit den gesicherten Gläubigern geordnet eingestellt. Betroffen sind die noch 53 Beschäftigten.
Für Fachhändler ist wichtig: Einzelbestellungen bei Ghost sind seit der Insolvenzeröffnung nicht mehr möglich. Seit der Wiederaufnahme des Geschäfts Anfang September hatte die Eigenverwaltung noch Räder aus den vorhandenen Beständen an den Fachhandel verkauft und dankt den Händlern ausdrücklich für ihre Unterstützung. Laut Sachwalter Stefan Debus lag am Ende kein Angebot vor, das die Gläubiger besser gestellt hätte als ein geordneter Abverkauf der Bestände.
„Ich bedauere es sehr, dass sich trotz intensiver Bemühungen keine Fortführungslösung für die Ghost-Bikes GmbH ergeben hat. Uns bleibt nur, den Betrieb geordnet herunterzufahren. Ich hoffe, dass alle Mitarbeitenden des Unternehmens schnell eine neue Anstellung finden können“, erklärt der Sanierungsexperte und Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger (Stuttgart). Er ist für die Dauer des Eigenverwaltungsverfahrens als Generalbevollmächtigter in das Unternehmen eingetreten.
„Ghost Bikes ist eine Traditionsmarke mit treuen Kundinnen und Kunden. Es schmerzt mich, dass wir für das Unternehmen keine Zukunftslösung finden konnten. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen in Waldsassen für ihren Einsatz“, bedauerte Joost van Schaik für die Geschäftsführung der Ghost-Bikes GmbH das Ende des Unternehmens.
E. Wiener Bike Parts führt Geschäftsbetrieb fort
Auch für die Engelbert Wiener Bike Parts GmbH gibt es bislang keinen Investor. Anders als bei Ghost läuft der Vertrieb von Fahrradteilen und Zubehör, vor allem unter der Marke XLC, auch nach der Verfahrenseröffnung weiter, und die Kunden werden aus dem umfangreichen Lagerbestand beliefert. Im vorläufigen Verfahren ist es gelungen, den Betrieb zu stabilisieren und die Belieferung wieder aufzunehmen. Derzeit arbeiten dort 168 Beschäftigte. In einem international gesteuerten Investorenprozess wurden zahlreiche Interessenten angesprochen und verschiedene Fortführungsoptionen geprüft, ein Abschluss liegt bislang nicht vor.
Das Ziel bleibt, den Betrieb zeitnah auf einen Investor zu übertragen. Die maßgeblichen Gläubiger tragen diesen Kurs mit, wie die Eigenverwaltung mitteilt, und über das Ergebnis des Prozesses will sie zu gegebener Zeit informieren. Sachwalter Debus sagt: „Ziel ist eine Investorenlösung, die für die Gläubiger zum bestmöglichen Ergebnis führt. Mit der Eröffnung des Verfahrens kann der Investorenprozess jetzt mit Nachdruck vorangetrieben werden.“
Accell Group findet erste Investorenlösungen
Hintergrund: Beide Gesellschaften hatten am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt die Eigenverwaltung beantragt, die Verfahren wurden am 1. November eröffnet. Die Accell Group, die 2022 mehrheitlich von KKR übernommen wurde, kämpft seit dem Ende des Fahrradbooms mit einer anhaltenden Absatz- und Preiskrise. Ein Verkaufsprozess für die gesamte Gruppe scheiterte, in vielen Ländern wurden Insolvenzanträge gestellt.
Für Teile des Konzerns gibt es bereits Lösungen: Der Investor Dutech, in der Branche durch die Übernahmen von Prophete, New Cycle und Onomotion bekannt, hat direkt und über einen Ableger die niederländischen Aktivitäten mit Batavus, Koga und Carqon übernommen, zuletzt am 30. Oktober auch Winora und Haibike in Deutschland. Sparta gehört mittlerweile zu Tenways, Tunturi zu Helkama. Offen ist noch die Zukunft von Lapierre.