Accell Germany und Tochtergesellschaften beantragen Insolvenz in Eigenverwaltung

Nach dem gescheiterten Verkaufsprozess der Accell Group haben Accell Germany und drei deutsche Tochtergesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Die Geschäftsbetriebe sollen fortgeführt und die deutschen Aktivitäten aus der internationalen Gruppe herausgelöst werden. Ziel ist eine Investorenlösung.
Die Accell Germany GmbH mit Sitz in Sennfeld hat am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Gleiches gilt für die Fahrrad- und E-Bike-Hersteller Winora Staiger GmbH und Ghost-Bikes GmbH sowie den Teile- und Zubehörgroßhändler Engelbert Wiener Bike Parts GmbH. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober gesichert.
Die Eigenverwaltung soll den Unternehmen ermöglichen, die Sanierung bei laufendem Geschäftsbetrieb unter Aufsicht des Gerichts selbst zu steuern. Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger begleitet die Gesellschaften als Generalbevollmächtigter. "Die Eigenverwaltungsverfahren geben uns die Möglichkeit, die Sanierung der deutschen Gesellschaften unter schwierigen Marktbedingungen strukturiert anzugehen", sagt Mucha. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus bestellt.
"Die Einleitung der Eigenverwaltungsverfahren ist ein wichtiger Schritt, um die deutschen Gesellschaften der Accell Group nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden, Partnern und den Sanierungsexperten werden wir die Chancen dieses Verfahren konsequent nutzen, um unsere Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung zu schaffen", erläutert Joost van Schaik, Geschäftsführer von Accell Germany.
Hintergrund ist die anhaltend schwierige Lage des Fahrradmarktes nach dem pandemiebedingten Boom. Trotz umfangreicher finanzieller Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 gelang dem Unternehmen keine nachhaltige Sanierung. Ein daraufhin eingeleiteter strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell Group ist zum Monatswechsel endgültig gescheitert.
Infolgedessen hat die Accell Group weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge gestellt, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.