"Kinderanhänger sind ergonomischer als Lastenräder"

Foto: Croozer

Croozer-Geschäftsführer Andreas Gehlen spricht im SAZbike-Interview über den rückläufigen Markt für Fahrradanhänger, über Sicherheitsaspekte und darüber, welche Konzepte derzeit besonders gefragt sind.

SAZbike: Herr Gehlen, wie hat sich der Markt für Kinderanhänger in den vergangenen drei Jahren entwickelt?

Andreas Gehlen: Wir haben den Eindruck, dass der Anhängermarkt sich in den letzten drei Jahren (23, 24, 25) ähnlich rückläufig entwickelt hat wie der E-Bike Markt: von dem hohen Corona Peak in 21,22 sind wir zurück auf ein Vor-Coronaniveau, wobei in 23 und 24 der Markt auch durch erhebliche Überbestände von Fahrradanhängern mit entsprechendem Preisdruck belastet war.

SAZbike: Welche Anhänger-Konzepte funktionieren aktuell besonders gut? Warum?

Gehlen: Im Vergleich zu Lastenfahrrädern, die entweder über eine Box mit einem Aufbau oder als Long-Tails mit extra langem Gepäckträger mit oder ohne Kindersitze verfügen, sind Anhänger i.d.R. geräumiger und ergonomischer bezogen auf die Sitze und deren Komfort.

"Die Ängste sind faktisch unbegründet."

Andreas Gehlen, Managing Director bei Croozer

SAZbike: Können Sie dafür ein Beispiel aus Ihrem Sortiment nennen?

Gehlen: Unser Top-Modell ist die Yuuna, ein Fahrradanhänger, der sich durch einfaches Einsetzen bzw. Herausnehmen von Sitz- oder Transportmodulen als Kinderanhänger, kombinierter Kinder und Transportanhänger (Eine Seite Kind, andere Seite Gepäck oder Hund) oder als reiner Transportanhänger mit einem Volumen von über 200l nutzen lässt.
Hochwertige Bezugsstoffe aus dem Automobilbereich absorbieren Schweiß im Sommer und wärmen im Winter und integrierte Verschattungssyteme sind besonders im Sommer und für die ganz Kleinen ein riesiges Plus. Eine lastabhängige selbstadaptierende Federung, die mitgelieferter Buggyfunktion sorgen für Sicherheit, Komfort und Flexibilität zu einem moderaten Preis.

"Fahrradanhänger gehören zu den Lastenrädern, nicht zu den Kinderrädern."

Andreas Gehlen, Managing Director bei Croozer

Mit unserem jetzt gelaunchten Modell Lykke bieten wir außerdem ein völlig neues Faltkonzept an, mit dem der Anhänger seitlich auf knappe 40 cm Breite gefaltet werden und im gefalteten Zustand geschoben werden kann, also ideal für Eltern in der Stadt, die den Anhänger nun wie einen Kinderwagen schmal im Hausflur abstellen können.

Foto: Croozer

SAZbike: Sie sprechen bereits das Thema Sicherheit an. Welche Rolle spielen Sicherheitsfeatures heute im Kaufentscheid? Welche Features sind besonders gefragt?

Gehlen: Stiftung Warentest und andere Testinstitute können sich leider auch nach mehr als 20 Jahren trotz seriöser Studien nicht von dem Vorurteil lösen, dass Anhänger gefährlich sind, mindestens gefährlicher als Lastenfahrräder, nur weil man sie hinter sich herzieht und den Anhänger (und die Kinder) dabei nicht mehr im Blickfeld hat.

Anhänger haben eine sehr stabile Fahrgastzelle und werden im Falle einer Kollision mit einem KFZ meist nur weggeschubst und nicht überrollt, was immer noch viele Menschen befürchten. Die Anprall-Energie wird dabei zum größten Teil über Bewegungsenergie abgebaut und die Kinder verbleiben gut geschützt in der Fahrgastzelle. Stürzt der Fahrer, bleibt der Anhänger trotzdem stehen.

"Anhänger sind geräumiger und ergonomischer."

Andreas Gehlen, Managing Director bei Croozer

Kurzum: Die Ängste, die viele Menschen haben, sind faktisch unbegründet, selbst der ADAC hat mehrfach festgestellt, dass der Transport von Kindern in einem Fahrradanhänger trotz vieler emotionaler Bedenken die sicherste Transportform für Kinder mit dem Fahrrad ist.

SAZbike: Wie wichtig sind Multifunktionskonzepte (Radanhänger + Buggy/Jogger?

Gehlen: Unserer Kenntnis nach sehr. Wie beim Fahrrad entwickeln sich die Funktionen bei Fahrradanhängern ständig weiter: Multifunktionalität als Anhänger und Kinderwagen ist Standard, ebenso wie Sitz- und Liegekomfort, UV- und Wetterschutz, Federung, Beleuchtung und ergonomische Anpassungen durch verstellbare Schiebebügel etc. Hinweis: das ist aber nicht erst seit gestern so, sondern seit mindestens 10 Jahren)

SAZbike: Gibt es klare Preisgrenzen, bei denen Kaufentscheidungen kippen?

Gehlen: Auch hier bestimmen Emotionen über die Preiswürdigkeit, weniger Fakten: Fahrradanhänger von etablierten Marken bieten ein sehr hohes Funktions- und Qualitätsniveau zu sehr fairen Preisen. Sehr gute Fahrradanhänger im Preisbereich zwischen 1.000 und 1.500 Euro gelten als teuer, bieten aber eine enorme Flexibilität und Funktionalität, die mit jedem Lastenrad mithalten kann, insbesondere, wenn man kleine Kinder hat und mit denen auch zu Fuß unterwegs sein will.

"Von dem hohen Corona-Peak sind wir zurück auf Vor-Coronaniveau."

Andreas Gehlen, Managing Director bei Croozer

Croozer bietet zudem allen Kunden eine 3-jährige Vollgarantie und eine 10-jährige Garantie auf alle Rahmen- und Strukturelemente an. So ist es keine Seltenheit, dass Kunden mit unseren Anhängern 10 Jahre und mehr unterwegs sind. Warum ein solcher Qualitätsanhänger teuer sein soll im Vergleich zu einem E-Bike, was 3.500 bis 5.000 Euro kostet, erschließt mir nicht.

SAZbike: Worauf sollten Händler bei der Sortimentsgestaltung achten? Welche Fehler beobachtet ihr häufig?

Gehlen: Fahrradanhänger - auch Kinderfahrradanhänger - sind Transport- und Mobilitätsangebote für alle Menschen, die mehr als eine Aktentasche oder einen Rucksack mit dem Fahrrad transportieren wollen. Was mir absolut nicht einleuchtet und ich für einen strategischen Fehler bei der Sortimentspräsentation (nicht der Auswahl) halte, ist, dass Fahrradanhänger immer bei Kinderfahrrädern in Läden präsentiert werden, statt bei den Lastenfahrrädern.
Es geht ja nicht um die Entscheidung, kaufe ich ein Kinderrad oder einen Fahrradanhänger, sondern es geht um die Frage, kann ich meinen Transportbedarf (Kinder, Hunde, Einkauf, etc.) besser, flexibler und wirtschaftlicher mit einem Fahrradanhänger oder mit einem Lastenfahrrad lösen? Für beides gibt es gute Argumente, da beide Konzepte eine gute Lösung sein können. Also würde ich sie an einem Ort zusammen präsentieren.

SAZbike: Herr Gehlen, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Werner Müller-Schell.

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