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Eurobike vs. Towards Tomorrow: Der große Fakten-Check für 2027

Lieber SAZbike Leser,

in den letzten zwei Wochen wurden die Konzepte für die veränderte Eurobike und die Towards Tomorrow – European Bike Show präsentiert. Sofort gab es danach online Stimmen, die beide Messen wegen ihrer Kosten und Konzepte kritisierten. Dabei haben sie offenbar nicht verstanden, was eine erfolgreiche Messe ausmacht.

Ein Aussteller setzt gerne einen großen Teil seines Budgets für einen Messeauftritt ein. Die Bedingung: Am Ende steht die Bilanz, dass sich jeder Euro gelohnt hat, weil die selbst gesteckten Ziele erreicht wurden. Für Besucherinnen und Besucher ist es vor allem das Zeit-Investment, das sich dann gelohnt hat, wenn man einen Mehrwert für sich und den eigenen Betrieb nach Hause nimmt.

Die beiden Messen wetteifern nun mit ihren Konzepten um die Gunst dieser beiden Zielgruppen. Der Wettbewerb zwischen ihnen sorgt dafür, dass beide ihr Bestes geben müssen, um sich durchzusetzen. Das ist gut für die Branche, weil die letzten Jahre von einer bleiernen Unzufriedenheit gegenüber Messen geprägt waren. Einige Händlerinnen und Händler haben daher gar keine B2B-Messen mehr besucht.

SAZbike hat den Verantwortlichen beider Messen jeweils den gleichen Fragenkatalog geschickt. In diesem Premium Newsletter präsentieren wir die Ergebnisse, damit sich jeder selbst ein Bild von den Möglichkeiten machen kann. Am Ende trifft jeder Aussteller selbst seine Entscheidung für das richtige Messekonzept, und jede Einzelperson entscheidet auf der Besucherseite für sich, welche Messe einen Besuch lohnt.

Viele Grüße
Alexander Schmitz
Chefredakteur SAZbike

Alexander Schmitz

Chefredakteur, SAZbike

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Foto: Shutterstock, gece333

Eurobike 2027 und Towards Tomorrow – European Bike Show im Vergleich: Auf einen Blick

Eurobike 2027Towards Tomorrow
Termin
30. Juni bis 2. Juli 2027
6. bis 8. September 2027
Ort
Frankfurt, Hallen drei, vier, fünf plus Agora als Freigelände
Köln, Hallen sechs, sieben, neun plus Freigelände
Fläche
40.000 bis 50.000 Brutto-Quadratmeter Hallenfläche plus Freigelände
Keine offizielle Angabe. Nach Redaktionswissen liegt die Hallenfläche in Köln bei knapp über 50.000 Quadratmetern
Preis je Quadratmeter
194 Euro regulär, 164 Euro als Frühbucherpreis bis 31. Oktober 2026
235 Euro regulär, 190 Euro als Frühbucherpreis bis 10. November 2026
Reichweite
440 Millionen Kontakte in der Messewoche 2026, 13,5 Milliarden kumuliert pro Jahr laut Media Monitoring
Keine Prognose

Konzept & Termin

Towards-Tomorrow-Director Diana Dréan
Foto: Koelnmesse

Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Eurobike-Show-Director Matthias Pietsch beschreibt die Messe als Treffpunkt für die gesamte globale Cycling- und Ecomobility-Branche. Sein Anspruch: "Die Eurobike ist neutral, technologieoffen." Hersteller, Komponentenmarken, Händler, Distributoren, Technologieanbieter und Zulieferer sollen hier ihre Geschäftspartner treffen.

Towards-Tomorrow-Director Diana Dréan grenzt sich bewusst vom Begriff der klassischen Messe ab: "Wir sprechen bei der Towards Tomorrow – European Bike Show nicht über eine weitere neue Messe." Ihr Anspruch ist eine gemeinsame Business-Plattform der Fahrradwirtschaft, die neben Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten, Zubehör und Bekleidung auch Geschäftsmodelle wie Leasing, Bikesharing, Refurbishment und Versicherungen einschließt.

"Die Towards Tomorrow wird ein neuer internationaler Fixpunkt für die Fahrradbranche – europäisch verankert, international ausgerichtet und gemeinsam mit der Branche entwickelt", sagt Dréan.

Warum dieser Termin?

Pietsch begründet den Termin Ende Juni bis Anfang Juli mit dem etablierten Zeitfenster der internationalen Branche und dem Ziel, Überschneidungen im globalen Messekalender zu vermeiden. Ergänzt wird das Programm um einen Preview Day am Dienstagnachmittag.

Dréan führt den Septembertermin auf eine konkrete Forderung aus der Branche zurück: "Der Termin im September war vor allem ein Wunsch des Handels und der Branche." Sie verweist auf den 10-Punkte-Plan der Verbände, in dem dieser Wunsch festgehalten wurde. Dieser Plan wurde von ZIV und Zukunft Fahrrad formuliert und war Teil der Verhandlungen mit Fairnamic, bevor es zum Bruch kam. Als weitere Begründung nennt Dréan, dass rund 70 Prozent des jährlichen Ordervolumens bereits vor September getätigt werden, die Messe liege damit am Ende einer wichtigen Orderphase.

Eurobike-Show-Director Matthias Pietsch
Foto: Fairnamic

Zielgruppen

Welche Unternehmen sollen als Aussteller gewonnen werden?

Pietsch nennt Fahrrad- und E-Bike-Marken, Anbieter leichter Elektrofahrzeuge, Komponentenhersteller, Technologie- und Antriebsanbieter, Dienstleister, Produzenten und Zulieferer als Zielgruppe. Sein Anspruch: die gesamte Wertschöpfungskette von klassischen Fahrradprodukten bis zu neuen Mobilitäts- und Logistiklösungen abzubilden.

Dréan benennt neben Herstellern und Marken von Fahrrädern, E-Bikes, Rahmen, Komponenten, Antrieben, Zubehör, Bekleidung und Helmen auch Unternehmen aus Leasing, Bikesharing, Refurbishment, Versicherungen, Werkstatt, After-Sales, digitalen Lösungen und Logistik. Auch Großhändler, Importeure und Distributoren sollen als Aussteller angesprochen werden.

Welche Besucher sollen erreicht werden?

Pietsch will Entscheider aus Industrie, Handel, Distribution, Einkauf und Produktmanagement erreichen, ebenso Akteure aus Mobilität, Technologie, Politik und Medien. Sein Zusatz: "Dabei zählt für uns nicht allein die Zahl der Besucher, sondern vor allem die Qualität und Internationalität der Geschäftskontakte."

Dréan stellt den Fachhandel klar in den Mittelpunkt: Inhaber, Geschäftsführer, Einkäufer, Produkt- und Category-Manager sowie Verantwortliche in Handelsgruppen, Einkaufsverbänden und im Vertrieb. Dazu kommen internationale Fachhändler und Distributoren, Politik und kommunale Vertreter sowie Presse und Creator.

Welche Rolle spielen deutsche und europäische Fachhändler und deren Personal?

Pietsch ordnet den Handel als "eine unserer Besuchergruppen" ein und richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an Inhaber und Geschäftsführer, sondern auch an Einkäufer sowie Verkaufs- und Werkstattpersonal.

Dréan benennt den Fachhandel als "wichtigen Teil der Messe" und nennt drei Partner: Bike & Co und der VSF unterstützen die neue Messe ausdrücklich, die ZEG integriert dafür sogar ihre eigene Messe in die Towards Tomorrow – European Bike Show. Alle Aussteller der neuen Messe haben zudem die Möglichkeit unbegrenzt Einladungen auszusprechen und so Händlerinnen und Händlern einen kostenfreien Eintritt zu ermöglichen.

Zahlen & Kosten

Foto: Fairnamic

Aussteller und Fläche 2027

Pietsch nennt eine konkrete Flächenspanne von 40.000 bis 50.000 Brutto-Quadratmetern in den Hallen, ohne eine Ausstellerzahl als Zielmarke zu setzen: "Bei der Ausstellerzahl setzen wir bewusst keine quantitative Zielmarke." Die Eurobike konzentriert sich künftig auf die Hallen drei, vier und fünf, dazu kommt die Agora als Freigelände.

Dréan lehnt eine Zahl für die Premiere ausdrücklich ab: "Bei einer neuen Messe wäre es aus unserer Sicht unseriös, heute schon eine genaue Zahl von Ausstellern oder Quadratmetern zu nennen." Für 2027 sind die Hallen sechs, sieben und neun vorgesehen, mit den doppelgeschossigen Hallen vier und fünf sowie der Passage vier/fünf als Erweiterungsoption für die Zukunft. Nach Redaktionsrecherche liegt die maximal mögliche Hallenfläche in Köln für 2027 bei knapp über 50.000 Quadratmetern.

Preis je Quadratmeter

Bei der Eurobike gilt ein regulärer Preis von 194 Euro pro Quadratmeter, bis zum 31. Oktober 2026 zahlen Aussteller im Early Bird 164 Euro. Pietsch beziffert das als Preisvorteil von 20 Prozent gegenüber der diesjährigen Eurobike.

Bei der Towards Tomorrow liegt der Preis für jede Standform bei 190 Euro pro Quadratmeter, gültig für frühe Buchungen bis zum 10. November 2026. Danach sind es 235 Euro je Quadratmeter.

Zusatzkosten

Pietsch beziffert konkret: ein obligatorisches Medienpaket Classic für 585 Euro netto, ein Umweltbeitrag von 3,50 Euro sowie ein AUMA-Beitrag von 0,60 Euro, jeweils pro Quadratmeter. Kosten für Standbau, Strom, Wasser und weitere technische Services kommen je nach Leistung hinzu, optionale erweiterte Medienpakete stehen zusätzlich zur Verfügung.

Bei der Towards Tomorrow kostet das obligatorische Marketingpaket, das eine unbegrenzte Anzahl Besuchercodes umfasst, 1.490 Euro. Die Energiekosten betragen 22 Euro je Quadratmeter, die AUMA-Gebühr 0,60 Euro je Quadratmeter.

Beteiligungsformate

Neben dem klassischen Stand bietet die Eurobike laut Pietsch das Premium Package (schlüsselfertiger Messestand ab 20 Quadratmetern), die neue Beteiligungsform "Your Business Base" für geschützte Meetingräume (ab 9.000 Euro für zwölf Quadratmeter für Frühbucher), Start-up Areas in Sports & Performance und Ecomobility sowie die Ecomobility Highlights.

Bei der Towards Tomorrow zählt Dréan fertige Standlösungen, Themenbereiche, Sponsoring, Bühnenformate und Testflächen auf. Sponsoring reicht von digitaler Signage über Bühneninhalte bis zu Gastronomieflächen, dazu kommen der Boulevard of Innovations und der Walk of Services.

Reichweite & Programm

Foto: Towards Tomorrow

Mediale Reichweite

Pietsch verweist auf konkrete Media-Monitoring-Zahlen: 440 Millionen Kontakte in der Messewoche 2026, 13,5 Milliarden kumulierte Reichweite pro Jahr.

Dréanl lehnt eine Prognose für 2027 ab: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es wie in eine Glaskugel schauen." Stattdessen beschreibt sie eine Kommunikationsstrategie über Fachmedien, Wirtschaftspresse, Linkedin, Newsletter, Podcasts, Social Media und Creator, gemessen an Medienresonanz, digitaler Reichweite und Interaktion, auch bei kleineren Zielgruppen.

Networking- und Matchmaking-Formate

Die Eurobike baut laut Pietsch ihr bestehendes digitales Networking-Tool weiter aus, ergänzt um kuratierte Austauschformate, Summits, Partnerveranstaltungen sowie die Meetingräume von "Your Business Base". Das Cycle Cafe bleibt als Networking-Zone bestehen. Details zum Programm für 2027 kündigt Pietsch für die kommenden Monate an.

Dréan plant unter anderem eine Branchenparty für die gesamte Community sowie Executive-Formate für internationale Top-Entscheider. Sie betont zusätzlich einen bewussten Community-Gedanken: "Eine gute Messe braucht auch ein bisschen den Charakter eines Lagerfeuers."

Rahmenprogramm

Pietsch kündigt Konferenzen, Panels und Awards an, die konsequent auf Fachbesucher und Aussteller ausgerichtet sind, mit Fokus auf Markt- und Zukunftsthemen sowie Innovationen der Branche.

Dréan plant Bühnen und Content Hubs, Masterclasses, Workshops sowie politische und wirtschaftliche Dialogformate, ergänzt um den Walk of Services, den Boulevard of Innovations und Test Areas. Beim Kick-off in Köln präsentierte die Koelnmesse dazu auch erfolgreiche Konzepte von anderen Messen, die übertragen werden sollen.

Erfolgsmessung

Pietsch lehnt eine einzelne Kennzahl ab: "Wir messen den Erfolg nicht an einer einzelnen Zahl." Neben Aussteller-, Flächen- und Fachbesucherzahlen zählt für ihn, ob Aussteller die richtigen internationalen Geschäftspartner treffen und ob die Branche die Eurobike als zentralen B2B-Treffpunkt in Europa wahrnimmt.

Auch Dréan verzichtet auf eine einzelne Zahl: "Der Erfolg wird für uns nicht daran gemessen, wie groß die Messe ist, sondern wie relevant sie für die Branche ist." Als Kriterien nennt sie die Präsenz der richtigen Marken und Händler, gute Gespräche und Kontakte sowie die Frage, ob auf der Messe die Themen diskutiert werden, die die Branche bewegen.

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Fazit

Der Vergleich der beiden Messen zeigt deutlich, wohin jeweils die Reise gehen soll. Bei einigen Punkten gibt es erwartungsgemäß Überschneidungen, bei anderen nicht.

Erste Unternehmen haben ihre Entscheidung für 2027 bereits getroffen und dies öffentlich auf Linkedin kommuniziert. Für potenzielle Aussteller gilt es nun, aus dieser Basis die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Fragen an die Messen sind dabei ausdrücklich empfohlen, ehe wichtige Entscheidungen getroffen werden. Auch der Austausch mit anderen Unternehmen ist hierzu ratsam.

Beide Veranstalter können sich nicht auf den bisher vorgestellten Informationen ausruhen, sondern müssen ihre Konzepte in den nächsten Wochen und Monaten mit Leben füllen.

Was denkst du über die beiden neuen Messekonzepte? Diskutiere mit uns und der Branche auf Linkedin!

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