Anzeige
Anzeige
Anzeige

Aufgehört zu fallen, noch nicht im Steigen: die aktuellen Branchenzahlen

Lieber SAZbike Leser,

Null von 69 Industrievertretern halten die Lage der Fahrradbranche derzeit für "sehr gut". Mit dieser Zahl im Hinterkopf öffnet heute in Frankfurt die Eurobike.

Wir haben im Mai mehr als 160 Händlerinnen und Händler sowie rund 70 Unternehmen aus der Industrie befragt und die Ergebnisse mit den aktuellen Zahlen von Shimano, Giant und Bike24, der neuen ifo-Konjunkturprognose vom 18. Juni und der VDZ-Lageeinschätzung zur Messe abgeglichen.

Die Kurzfassung passt auf einen Bierdeckel: Die Branche hat aufgehört zu fallen. Sie steigt aber noch nicht. Was das konkret heißt, in fünf Punkten im heutigen SAZbike Premium Newsletter.

Viele Grüße
Alexander Schmitz
Chefredakteur SAZbike

Alexander Schmitz

Chefredakteur, SAZbike

Anzeige
Foto: KI-generiert mit ChaptGPT

1. Handel und Industrie driften in der Stimmung auseinander

Der auffälligste Befund steckt im Vergleich. Der Handel beurteilt die Lage des eigenen Betriebs überwiegend freundlich: 52 Prozent sagen gut oder sehr gut, weitere 42 Prozent immerhin befriedigend, nur gut 6 Prozent negativ. Die Industrie blickt deutlich skeptischer auf die Gesamtbranche, 45 Prozent nennen die Lage schwierig oder sehr schwierig, und die Bestnote vergibt niemand.

Ein Teil der Lücke ist methodisch erklärbar, schließlich bewertet der Handel den eigenen Laden und die Industrie die ganze Branche. Den Rest erklärt die Werkstatt. Und der VDZ stützt das Bild: Nach seiner Lageeinschätzung zur Eurobike startete der Fachhandel verhalten ins Jahr, der Mai fiel gegenüber dem Vorjahr eher schwächer aus, kumuliert liegt die Tendenz auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Ergebnis geringfügig unter 2025. Stabil auf gedrücktem Niveau, das ist die ehrliche Überschrift.

Die Marge ist das gemeinsame Problem, nicht die Nachfrage

Bei den drängendsten Herausforderungen rücken Handel und Industrie eng zusammen. Für die Industrie ist Preisdruck und Margenerosion mit 68,8 Prozent konkurrenzlos das Topthema. Im Handel führen der allgemeine Kostendruck (50,9 Prozent) und die Herstellerkonditionen samt Margendruck (44,7 Prozent). Es ist dieselbe Wunde, nur von zwei Seiten betrachtet.

Wie sehr die Marge klemmt, zeigt das obere Ende der Kette. Shimano meldete für das erste Quartal 2026 im Fahrradgeschäft einen fast stabilen Umsatz, das operative Ergebnis sackte aber um 46,3 Prozent ab. Der größte Teil davon geht auf einen Sondereffekt im Vorjahr, höhere Kosten und den Wechselkurs zurück, nicht auf einen Nachfrageeinbruch. Für das Gesamtjahr plant Shimano im Rad-Segment mit nahezu konstantem Umsatz und einem um 9 Prozent niedrigeren Ergebnis. Übersetzt: Der Umsatz hält, die Marge schrumpft. Auflösen lässt sich das nicht über Schuldzuweisungen zwischen den Handelsstufen, sondern nur über Volumen. Erst wenn der Absatz anzieht, bekommt die ganze Kette wieder Luft.

Der ZIV arbeitet derweil weiter an der Planung seiner eigenen Leitmesse, die im Herbst 2027 stattfinden soll. Dadurch könnte sie ebenfalls im September und somit in kurzem Abstand zur Eurobike liegen.

3. Die Nachfrage wandert ins Netz und in die Werkstatt

Rückläufige Nachfrage nennen rund 37 Prozent auf beiden Seiten. Spürbar, aber kein Absturz, und vor allem verdeckt die Zahl eine Verschiebung. Bike24 steigerte den Umsatz im ersten Quartal um 21,9 Prozent, das Geschäft mit kompletten Rädern sogar um 27,2 Prozent. Giant, der weltgrößte Hersteller, drehte seine Monatsumsätze von tiefroten Werten zu Jahresbeginn bis zu einem Plus von 5,8 Prozent im Mai. Wo der eine wächst, sorgt sich der andere, und 27,3 Prozent der überwiegend stationären Händler nennen die Online-Konkurrenz als Problem. Beide Befunde gehören zusammen.

Die zweite Richtung ist die Werkstatt. Der VDZ sieht die Nachfrage nach Werkstattleistungen weiter wachsend und verweist auf den alten Branchensatz, das erste Rad verkaufe der Laden und das zweite die Werkstatt. Hinter dem Spruch steckt Substanz: In Deutschland stehen rund 90,6 Millionen Räder im Bestand, davon 17,2 Millionen E-Bikes, die gewartet werden wollen. Und ein Argument für die Fläche liefert der Verband gleich mit, der Fachhandel hält am Fahrradverkauf in Stück weiterhin einen Marktanteil von 91 Prozent. Bemerkenswert ist außerdem, welche Segmente die Korrektur gut überstehen: Bei allen Arten von Gravelrädern deuten sich bereits wieder knappe Bestände an, wovon auch der lange schwache Rennradbereich profitiert.

Neuer Gegenwind kommt von der Konjunktur und der Verbraucherstimmung

Das ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose am 18. Juni leicht angehoben und erwartet für 2026 und 2027 jeweils ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent. Die Erholung steht aber unter Vorbehalt. Im zweiten Quartal pausiert sie, die Wirtschaft stagniert vorübergehend, ohne in eine Rezession zu fallen. Verantwortlich sind zwei gegenläufige Kräfte: Der Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts dämpft das Wachstum in beiden Jahren um jeweils 0,4 Prozentpunkte, während die expansive Finanzpolitik je 0,5 Prozentpunkte beisteuert. Allein der Kaufkraftverlust durch teurere Energie summiert sich auf rund 34 Milliarden Euro, die Inflation bleibt 2026 mit 2,9 Prozent hartnäckig.

Für die Branche ist das relevanter, als es klingt. Zwar gilt sie als wenig konjunkturabhängig, doch der VDZ warnt mit Blick auf die Verbraucher: Der HDE verweist in seinem Konsumbarometer vom Mai auf eine sich stark eintrübende Verbraucherstimmung, die sich auch in einer nachlassenden Bereitschaft zu Leasingfinanzierungen zeigen könnte. Wer also auf den großen Nachholschub setzt, sollte vorsichtig kalkulieren.

5. Die Bereinigung läuft noch, aber der Boden scheint erreicht

Dass die Korrektur nicht vorbei ist, zeigen die Insolvenzen des Jahres: Sympatex im Januar, Ampler im Mai, dazu Stellenstreichungen bei Canyon und der Umbau des Accell-Standorts Heerenveen. Die andere Hälfte der Geschichte stimmt versöhnlicher, denn viele Marken der Pleitewelle seit 2024 sind zurück, von YT über Hibike bis Nukeproof. Auch die Lager entspannen sich.

Der VDZ bestätigt, dass die hohen Überbestände der Vorjahre weiter reduziert wurden, ohne schon eine betriebswirtschaftlich angemessene Lagerumschlagsgeschwindigkeit zu erreichen. Zusammen mit der Giant-Wende und der angehobenen ifo-Prognose verdichten sich die Signale, dass der Tiefpunkt hinter uns liegt

Du willst mehr hiervon?

Dann jetzt den PREMIUM NEWSLETTER abonnieren.

Er liefert dir jede Woche:

✅ Tiefgreifende Marktanalysen und Trendprognosen
✅ Exklusive Interviews mit Branchenexpertinnen und -experten
✅ Strategische Einordnung aktueller Entwicklungen
✅ Kompakte Aufbereitung – in nur 10 Minuten Lesezeit

Was das jetzt bedeutet

Die Branche befindet sich im Wartestand. Der Handel hält sich über den Service stabil, die Industrie kämpft an der Marge, die Nachfrage verteilt sich neu, und die Konjunktur liefert bestenfalls einen kleinen Schubs. Gesucht wird Orientierung, und genau die soll von den Messen kommen. Ob die veränderte Eurobike, die neue ZIV-Messe 2027 und die starken Hausmessen diese Rolle ausfüllen, ist die Leitfrage der kommenden Tage. Die ausführliche Analyse mit allen Umfragegrafiken liest du in der aktuellen SAZbike 10/2026.

Wie läuft bei Dir das Geschäft dieses Jahr bislang? Was denkst Du über die aktuelle wirtschaftliche Situation der Branche? Teile Deine Gedanken mit uns auf LinkedIn!

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Vertragsdetails: SAZbike Premium Newsletter Probe-Abonnement

Mit Beginn deines Abonnements erhältst du den Premium Newsletter der SAZbike. Zusätzlich stehen dir vergangene Premium Newsletter bis zur Kündigung des Abonnements als Premium-Artikel zur Verfügung. Bei Kündigung erlischt der Zugang zum Ende des Bezugszeitraums.

Das kostenlose Abonnement gilt für einen Monat. Das Angebot geht automatisch in das Jahresabo Newsletter über, wenn es nicht bis spätestens 7 Tage vor Ende des Aktionszeitraums schriftlich gekündigt wird. Der jährliche Bezugspreis beträgt dann 59,88 € (inkl. MwSt., Schweiz: CHF 65.88). Dein Jahresabo ist auch monatlich kündbar. Bei vorzeitiger Kündigung des bereits abgerechneten Bezugszeitraums erhältst du den Betrag der Restlaufzeit zurückerstattet.

Bei den Premium Newslettern handelt es sich um persönliche Exemplare, die mit einer digitalen Signatur versehen sind. Eine Weitergabe dieser Premium Newsletter sowie des Zugangs zu den Premium-Artikeln ist nicht erlaubt. Das kostenlose Abonnement gilt für einen Monat.

Das Angebot gilt für Erstbesteller und ist einmalig pro Kunde einlösbar.

Im Rahmen deines Abonnements kann der Verlag dir weitere Verlagsangebote und Beilagen per Post zusenden. Dies kannst du jederzeit widerrufen.

Kundenservice:
Kundenservice EBNER MEDIA GROUP
Telefon: +49 731 88005–8205
E-Mail: kundenservice@ebnermedia.de
Brienner Straße 45 a-d
80333 München

Verlag:
Ebner Media Group GmbH & Co. KG
Olgastraße 121/1 – 89073 Ulm