VSF und Bike & Co: Kritik an unfairen Bedingungen bei Produktrückrufen

Der Verbund Service und Fahrrad (VSF) und die Bike & Co fordern angemessene Aufwandsentschädigungen für den Fachhandel bei Produktrückrufen. Werkstätten müssten oft kurzfristig handeln - und blieben dennoch auf den Kosten sitzen.
Produktrückrufe sollen Kundinnen und Kunden schützen, verursachen im Handel aber hohen Aufwand. Händlerinnen und Händler müssen betroffene Bauteile prüfen, Dokumentationen anfertigen und bei Bedarf Teile austauschen. Laut VSF und Bico erfolgt die Entlohnung dafür jedoch nicht kostendeckend.
"Der Handel hat eine Mitwirkungspflicht, erhält aber keine faire Vergütung", sagt Bico-Geschäftsführer Georg Wagner. Für Kontrollen an betroffenen Komponenten würden nur 15 Euro gezahlt, obwohl laut Arbeitswerteliste mehr als 70 Euro angemessen wären. Ein Austausch werde mit 50 Euro vergütet - realistisch seien etwa 125 Euro, so VSF-Geschäftsführer Uwe Wöll.
Rückruf ist kein Gewährleistungsfall
Die Verbände betonen, Rückrufe seien keine Gewährleistungsfälle. Die aktuelle Praxis, Leistungen zu "unterirdischen" Stundensätzen abzufordern, sei weder zeitgemäß noch wirtschaftlich tragfähig.
Wöll fordert: "Wenn nur der Handel den Schmerz spürt, ändert sich am Verfahren nichts. Das Risiko muss bei den Herstellern liegen."
Leitfaden für faire Verträge
VSF und ZIV haben im Dezember 2025 einen Leitfaden für Lieferverträge veröffentlicht. Dieser empfiehlt, Aufwandsentschädigungen transparent zu regeln und auf die branchenübliche Arbeitswerteliste zu stützen. Der empfohlene Mindeststundensatz liegt laut Leitfaden bei 60 Euro, um gestiegene Lohnkosten angemessen zu berücksichtigen.
Beide Verbände raten dem Fachhandel, bestehende Konditionen bei Rückrufen zu prüfen und nötigenfalls nachzuverhandeln. "Werkstätten dürfen beim Austausch nicht draufzahlen", betont Wagner.