Trendforum Retail 2026: Handel als sozialer Kitt

Zwei Tage, 150 Teilnehmende, sechs Locations: Das Trendforum Retail in Frankfurt am 30. September und 1. Oktober drehte sich um die Frage, wie Handel Flächen zu Orten macht. Die Antwort lautet mit Authentizität, nicht mit kopierten Konzepten.
Bei der neunten Auflage des Trendforum Retails konnte auch das Fahrrad seine Stärken ausspielen. Am Mittag des ersten Tages stieg eine kleine Gruppe im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach auf Rose-Räder und fuhr zur Skyline Plaza nach Frankfurt. Der Ride Out war der ungewöhnlichste Transfer des Trendforums. Veranstalter Daniel Schnödt nennt ihn ein gutes Bild für das, was der Handel gerade braucht: nicht stehen bleiben.
Das zweitägige Event war am Vormittag des ersten Tages im Main-Taunus-Zentrum gestartet. Die Trendtour führte weiter in die Skyline Plaza und ins Myzeil. Dort ging es um die Transformation der ECE Marketplaces. Dazu kamen neue Stores und Konzepte, etwa von Ansons's, Lloyd, Stenders und dem Hut Styler sowie der neu gestaltete Hugendubel. Den ersten Tag beschloss ein gemeinsames Kochen bei Fissler unter dem Motto „Vergangene Pfade. Neue Genüsse“.
Am zweiten Tag wurde es strategisch. Kai Hudetz eröffnete mit einer Keynote zur Lage im Einzelhandel und zu den Aussichten. Philipp Beck fragte, wie Orte magnetisch werden, Oliver Janz zeigte konkrete Einsatzfelder für KI. Franziska Ebisch (Another Cotton Lab), Andreas Schaller (Lloyd), Tim Kälberer (Anson's) und Melanie Merz (Sport 2000) berichteten, wie intensiv sie an ihren Marken arbeiten, unabhängig von den Startbedingungen. Dr. Johannes B. Berentzen setzte mit dem Thema Erlebnis pro Quadratmeter den Schlusspunkt. Durch den Konferenztag führten Josefine Ulrich und Prof. Dr. Stephan Rüschen.
Community ja, aber nicht für alle
Der Begriff Community fiel in Frankfurt oft. Mehrere Teilnehmende hielten danach fest: Community ist wichtig, aber nicht automatisch das richtige Modell für jede Marke. Konzepte zu kopieren, nur weil sie anderswo funktionieren, führt nicht zum Erfolg. Entscheidend ist Authentizität. Händlerinnen und Händler müssen bewusst festlegen, worauf sie sich fokussieren, ob auf Community, Showroom, Erlebnis oder Service, und das dann konsequent umsetzen. Den einen Weg gibt es nicht. Einen klaren Bedarf an Relevanz schon.
Schnödt formuliert es als These: „Der Handel ist der soziale Kitt von Innenstädten.“ Das gelte, wenn Läden Räume schaffen, in denen sich Menschen begegnen, wenn Beratung wieder Persönlichkeit bekommt und wenn aus einem Store ein Ort wird, an den man nicht nur zum Einkaufen geht.

Impulse für den Fahrradhandel
Mehrere Beiträge lassen sich direkt auf Fahrradgeschäfte übertragen. Robert Duchstein, Geschäftsführer der Buchhandlung Reuffel, zeigte, wie ein lokales Unternehmen junge Menschen als Personal gewinnt: mit zwei Musikvideos, die auf Social Media viral gingen. Cleverer Einfall statt großem Budget.
Paul Kirchbichler und Mattis Klöpper vom Hamburger Start-up Spreat wollen stationäre Geschäfte in lokale Marktplätze verwandeln. Ihr Versprechen: „Du willst wachsen, aber deine Hände sind gebunden? Neues Sortiment kostet Kapital, weitere Geschäftsmodelle und Formate sind schwer zu integrieren? Mit Spreat wird dein Store zum physischen Marktplatz. Du kannst leicht neue und spannende Marken auf deine Fläche bringen, zusätzliche Dienstleistungen anbieten – kuratiert und passend für deine Fläche ohne Einkaufsrisiko & Kapitalbindung. Das Ergebnis: Du wirst wieder freier, flexibler und bist erfolgreich.“
Wie es weitergeht
Das Trendforum geht in die Verlängerung. Am 4. und 5. November steht in München die nächste Trendtour an. Dazwischen erscheint alle 14 Tage ein neuer Podcast der Trendakademie. Drei Formate, eine Idee: Handel nicht nur beobachten, sondern verstehen, erleben und gemeinsam weiterdenken. Im nächsten Jahr findet das Trendforum Retail dann am 29. und 30. September erneut in Frankfurt statt.