Sinkende Einkommenserwartungen bremsen die Konsumstimmung

Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich im September spürbar eingetrübt. Vor allem die deutlich gesunkenen Einkommenserwartungen und eine höhere Sparneigung belasten den Ausblick. Die Anschaffungsneigung bleibt dagegen weitgehend stabil.
Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat im September einen deutlichen Rückschlag erlitten. Das Konsumklima des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) sinkt nach den Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher für Oktober um 3,8 Punkte auf -30,6 Punkte. Im Vormonat hatte der Indikator noch bei -26,8 Punkten gelegen. Verantwortlich für die Verschlechterung sind vor allem pessimistischere Einschätzungen der eigenen finanziellen Situation sowie eine gestiegene Bereitschaft zum Sparen.
Während die Verbraucherinnen und Verbraucher ihre persönliche Einkommensentwicklung deutlich kritischer bewerten, zeigen die Erwartungen an die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein leicht positives Signal. Die Konjunkturerwartungen steigen zum fünften Mal in Folge, wenn auch nur moderat. Die Entwicklung verdeutlicht damit eine zunehmende Differenz zwischen der Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage und der eigenen finanziellen Perspektive.
Energiepreise drücken auf Einkommenserwartungen
Der stärkste Einflussfaktor für die aktuelle Entwicklung des Konsumklimas ist die Einkommenserwartung. Der entsprechende Indikator verliert im September 16,7 Punkte und fällt auf -15,0 Punkte. Damit erreicht er den niedrigsten Stand seit April 2026, als die Befragten vor dem Hintergrund hoher Belastungen bereits besonders skeptisch auf ihre finanzielle Entwicklung blickten.
"Die Mehrheit der Haushalte rechnet damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft verringern werden", erklärt Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM. "Folglich sind sie skeptischer, was die künftigen Einkommensaussichten für die nächsten zwölf Monate betrifft."
Nach Einschätzung des NIM beeinflusst insbesondere die Sorge vor einem weiteren Verlust an Kaufkraft die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Die höheren Ausgaben für Energie wirken sich damit nicht nur unmittelbar auf die Haushaltsbudgets aus, sondern auch auf die Erwartungen für die kommenden Monate.

Sparneigung erreicht hohen Wert
Zusätzlich belastet eine zunehmende Sparneigung die Entwicklung des Konsumklimas. Der entsprechende Indikator steigt im September um 6,0 Punkte auf 21,5 Punkte. Ein ähnlich hohes Niveau wurde zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erreicht.
Die gestiegene Vorsicht zeigt sich laut NIM insbesondere bei Haushalten mit guter finanzieller Ausstattung. Dort sei offenbar der Wunsch ausgeprägt, die durch Inflation entstandenen Kaufkraftverluste beim vorhandenen Vermögen durch zusätzliches Sparen auszugleichen.
Anschaffungsneigung bleibt auf niedrigem Niveau
Die Bereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher, größere Anschaffungen zu tätigen, entwickelt sich dagegen vergleichsweise stabil. Der Indikator verliert im September lediglich einen Punkt und liegt nun bei -10,8 Punkten. Damit befindet er sich weiterhin knapp über dem Vorjahreswert von September 2025 (-11,6 Punkte).
Trotz der leichten Verbesserung gegenüber dem Vorjahr bleibt die Anschaffungsneigung jedoch auf einem niedrigen Niveau. Nach Angaben des NIM bewegt sie sich bereits seit mehr als drei Jahren in einem Bereich um die Marke von -10 Punkten.

Konjunkturerwartungen steigen weiter
Ein anderes Bild zeigt sich bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Konjunkturerwartungen der Befragten steigen im September um 0,5 Punkte auf -3,4 Punkte. Damit setzt sich der positive Trend fort: Der Indikator verzeichnet den fünften Anstieg in Folge.
Hintergrund ist unter anderem die bessere Entwicklung der deutschen Wirtschaft im ersten Halbjahr 2026 als zunächst erwartet. In der Folge haben Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das laufende und kommende Jahr angepasst und rechnen derzeit mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von jeweils gut einem Prozent für 2026 und 2027.
Für den Konsumsektor bleibt die Lage dennoch herausfordernd: Während die gesamtwirtschaftlichen Erwartungen vorsichtig optimistischer werden, wirken sich die Unsicherheiten rund um Kaufkraft und finanzielle Belastungen weiterhin auf die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher aus.
Methodik
Die aktuelle Analyse basiert auf rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Zeitraum vom 3. bis 14. September 2026 im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurden. Das NIM Konsumklima wird aus den drei Indikatoren Einkommenserwartung, Anschaffungsneigung und Sparneigung berechnet und dient als Frühindikator für die Entwicklung der privaten Konsumausgaben.