
Werkstätte-Test, Siegel, Shitstorm - wer definiert Servicequalität im Fahrradhandel?

Die bundesweite Bestenliste "Top Werkstatt/Fachhändler" der Fachmagazine Bike, Tour und Mybike hat große Wellen geschlagen. Auslöser ist ein Ranking, das auf mehr als 600.000 Online-Bewertungen basiert, per KI ausgewertet wurde und nun bundesweit "die besten Werkstätten" küren will. Was als datengetriebene Orientierung für Verbraucher gedacht ist, hat in der Branche allerdings einen handfesten Streit ausgelöst.
Denn Bewertungen sind Meinungen, keine Messungen. Sie erfassen Stimmung, nicht Substanz. Wer Servicequalität ernsthaft vergleichen will, muss reale Werkstattvorgänge prüfen: Diagnose, Ausführung, Beratung, Reklamationsverhalten. Dafür braucht es Stichproben, definierte Kriterien und nachvollziehbare Tests. Ein Score aus Sternen ersetzt das nicht - auch dann nicht, wenn er wissenschaftlich klingt.
Hinzu kommt die fehlende Vergleichbarkeit: Online-Handel, Filialketten und inhabergeführte Werkstätten landen in einer Liste. Das verzerrt Ergebnisse. Vollends unglücklich wird es dort, wo aus dem Ranking ein kaufbares Siegel wird. Schaden entsteht keiner sofort. Aber Vertrauen schon - und das ist im Servicegeschäft die härteste Währung.
Im aktuellen SAZbike Premium-Newsletter schauen wir deshalb genauer hin.

Rückruf wegen Gabelriss: Specialized ruft alle Turbo-Como-SL-Modelle zurück

Specialized hat alle Pedelec-Modelle der Reihe Turbo Como SL 4.0 und 5.0 zurückgerufen. Grund ist ein mögliches Ermüdungsversagen im Gabelschaftrohr, das zu einem Bruch und damit zu einem Sturz führen kann. Betroffen sind sämtliche Como-SL-Modelle, die seit 2021 verkauft wurden, unabhängig von Baujahr oder Antriebsvariante. Besitzerinnen und Besitzer sollen ihre Räder nicht weiterfahren und die Specialized-Website regelmäßig auf neue Informationen prüfen.
Laut Specialized arbeitet das Unternehmen mit der US-Verbraucherschutzbehörde CPSC an einer Lösung. Ein überarbeiteter Reparatur- oder Austauschplan soll nach Unternehmensangaben in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.
Der Schweinfurter Prüf-Experte Ernst Brust von Velotech bewertet den Rückruf als "konsequent und zwingend notwendig". Aus sicherheitstechnischer Sicht sei das Vorgehen richtig, da ein Bruch der Gabel ohne Vorwarnung eintrete und "in der Regel zu einem schweren Sturz führt". Zugleich verweist Brust auf ein tieferliegendes Problem der Branche: "Nach deutschem und europäischem Produktsicherheitsrecht ist das gesamte Fahrrad - nicht einzelne Komponenten - Gegenstand der Sicherheitsbewertung."
Die Prüfung einzelner Bauteile wie Rahmen oder Gabel könne keine Aussage über die Dauerfestigkeit des kompletten Fahrzeugs treffen. Der aktuelle Fall zeige, dass die Dauerbelastung eines Pedelecs erheblich höher sei als die eines konventionellen Fahrrads. Höhere Massen, stärkere Bremskräfte und intensivere Nutzung führten zu zusätzlichen zyklischen Lasten, die bei Konstruktion und Prüfung berücksichtigt werden müssten.
Brust sieht in dem Rückruf auch eine Chance für die Industrie: "Hersteller sollten ihre Entwicklungs- und Prüfprozesse stärker an den realen Einsatzbedingungen moderner Pedelecs ausrichten. Entscheidend ist die Sicherheit des verwendungsfertigen Produkts - nicht nur einzelner Teile."

Yamaha Ebike Systems stellt Führung neu auf

Die Yamaha Motor Ebike Systems GmbH mit Sitz in Berlin hat ihre Führungsstruktur neu geordnet. Geschäftsführerin Yuki Doi leitet das Unternehmen künftig gemeinsam mit ihren Stellvertretern Dr. Daniel Wolde-Giorgis und Naoya Igo.
Zum 1. Februar 2026 übernimmt zudem Jan Jochens, zuvor CEO des E-Bike-Herstellers Waldbike, die operative Leitung der Abteilung Vertrieb und Marketing. Er folgt auf Alexander Baumann, der das Unternehmen zum 31. Januar verlässt.
Mit der Neuausrichtung will Yamaha Ebike Systems die Integration der früheren Brose Antriebstechnik GmbH & Co. KG weiter vorantreiben. Die Berliner Tochtergesellschaft der Yamaha Motor Company war im August 2025 aus der Übernahme der Brose-Antriebssparte hervorgegangen.
Yuki Doi gehört seit der Übernahme zur Geschäftsführung. Sie bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung bei Yamaha Motor mit, vor allem in der Unternehmensplanung und im internationalen Personalmanagement. Ihr Stellvertreter Dr. Daniel Wolde-Giorgis verantwortet künftig Forschung, Entwicklung und den operativen Betrieb.
Neu im Führungsteam ist Naoya Igo, der seit dem 1. Januar 2026 die Vertriebs- und Marketingfunktionen verbessert und die unternehmensweite Integration begleitet. Igo war zuvor mehr als zehn Jahre im E-Bike-Bereich von Yamaha tätig.
"Mit Naoya Igo und Jan Jochens setzen wir auf Führungskräfte mit tiefem Branchenverständnis und praktischer Erfahrung", erklärt Yuki Doi. "Beide werden unsere Marktposition in Europa weiter stärken."

By, Schulz ernennt Christian Heymanns zum Head of Development

Zum Jahresbeginn hat die By, Schulz GmbH ihr Management erweitert. Christian Heymanns übernimmt die Leitung der Entwicklungsabteilung und verantwortet künftig die strategische und operative Weiterentwicklung des Produktportfolios.
Der erfahrene Branchenkenner bringt fast 20 Jahre Erfahrung in Einzel-, Großhandel und Industrie mit. Zuletzt leitete er bei Messingschlager die Entwicklung von E-Bikes und Komponenten. Dort prägte er innovative Lösungen und sammelte umfangreiche Erfahrung in der Führung internationaler Teams.
"Mein Ziel ist es, die Produktentwicklung strategisch weiter auszurichten und gemeinsam mit dem Team innovative Lösungen zu entwickeln, die den Anforderungen des Marktes von morgen gerecht werden", sagt Heymanns.
CEO Markus Schulz ergänzt: "Mit seiner Erfahrung und seinen Produktkenntnissen ist Christian mein Wunschkandidat. Wir freuen uns auf die gemeinsame Weiterentwicklung der Marke."
By, Schulz entwickelt seit 2002 Fahrrad- und E-Bike-Komponenten "Made in Germany". Das Unternehmen ist bekannt für praxisnahe Produkte mit Fokus auf Ergonomie, Komfort und Qualität.