SAZbike 12/2026: Zwischen Werkstatt und Reel

Eine große SAZbike-Analyse zeigt, wie der Fachhandel Social Media einsetzt – und was Instagram & Co den Betrieben tatsächlich bringen. Zudem beleuchtet die neue Ausgabe die Accell-Insolvenz, wachsende Spannungen beim Dienstrad-Leasing sowie Ergonomie als festen Bestandteil einer Kaufberatung.
Wer heute ein Fahrradgeschäft betritt, hat sich häufig schon vorher informiert: auf Instagram, Youtube, in Online-Shops oder auf anderen digitalen Kanälen. Für den stationären Fachhandel stellt sich damit zunehmend die Frage, wie er bereits in dieser frühen Phase der Kaufentscheidung sichtbar werden kann.
Eine SAZbike-Umfrage unter 156 Fahrradhändlerinnen und Fahrradhändlern zeigt dabei ein differenziertes Bild. 37,2 Prozent der befragten Betriebe nutzen soziale Netzwerke regelmäßig, weitere 34 Prozent zumindest gelegentlich. Gleichzeitig ist fast jeder dritte Betrieb aktuell nicht auf Social Media aktiv. Unter den genutzten Plattformen dominieren Facebook und Instagram deutlich. Als größte Hürde nennen die aktiven Händlerinnen und Händler vor allem fehlende Zeit. Bei Betrieben ohne eigene Social-Media-Kanäle spielt daneben mangelndes Personal beziehungsweise fehlendes Know-how eine wichtige Rolle.
Was guter Content für den Fachhandel leisten kann
Die Analyse geht deshalb über die reine Bestandsaufnahme hinaus. Sie untersucht, welche Inhalte funktionieren, wie sich Social Media mit überschaubaren Ressourcen in den Betriebsalltag integrieren lässt und welche Ziele für einen regionalen Händler überhaupt sinnvoll sind. Das Beispiel des Frankfurter Händlers Karl von Drais zeigt unter anderem, dass Reichweite nicht allein von Unternehmensgröße und Marketingbudget abhängt. Entscheidend sind eine klare Zuständigkeit, regelmäßige Inhalte und eine Ansprache, die über reine Produktinformationen hinausgeht.
Ergänzt wird der Schwerpunkt durch ein Interview mit Felix Kuffner. Der frühere Marketingmanager von Fazua und heutige Youtuber betreibt den Kanal "Felix testet Bikes" mit knapp 60.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Im Titelthema der neuen Ausgabe gibt Kuffner seine Einschätzung zur Online-Präsenz des Fahrradhandels ab.
Accell: Was die Neuordnung für den Handel bedeutet
Das neue Heft beschäftigt sich ebenfalls mit der Lage bei Accell. Nachdem mehrere niederländische Gesellschaften des Konzerns insolvent sind, befinden sich Accell Germany, Winora Staiger, Ghost-Bikes und E. Wiener Bike Parts in Deutschland in vorläufiger Eigenverwaltung.
In der Ausgabe 12/2026 wird analysiert, welche strukturellen Ursachen hinter der Entwicklung stehen und welche Optionen sich für die deutschen Gesellschaften ergeben. Für den Fachhandel ist dabei weniger entscheidend, unter welchem Eigentümer die Marken künftig geführt werden. Im Tagesgeschäft geht es vor allem um Lieferfähigkeit, Ersatzteilversorgung, Garantiefragen und stabile Serviceprozesse.
Leasing und Ergonomie: Wo der Handel Geld verdient
Der Fokus-Teil handelt von zwei Themen, die unmittelbar die Wirtschaftlichkeit des Fachhandels betreffen. Beim Dienstrad-Leasing nimmt die neue Ausgabe die weiterhin hohe Nachfrage auf Kundenseite in den Blick und thematisiert gleichzeitig die Kritik vieler Händlerinnen und Händler an Provisionen, uneinheitlichen Prozessen und der Werkstattvergütung.
Acht Leasing-Anbieter erläutern, welche Veränderungen sie planen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der zum 1. September startende Leasing-Check von Zukunft Fahrrad und Dibike. Er soll die Vorabprüfung von Serviceberechtigungen vereinfachen, ersetzt jedoch nicht die unterschiedlichen Prozesse der einzelnen Anbieter.
Die zweite Analyse widmet sich der Fahrradergonomie. Vermessung, Einstellung und die Auswahl geeigneter Kontaktpunkte werden dabei nicht nur als Beratungsleistung betrachtet, sondern auch als wirtschaftliche Chance.
Der zentrale Ansatz: Statt Beschwerden vorschnell mit einem neuen Sattel oder anderen Griffen zu beantworten, sollten Händlerinnen und Händler Rahmengeometrie, Sitzposition, Einsatzzweck und individuelle Anatomie gemeinsam betrachten. Ein strukturierter Prozess inklusive Nachkontrolle kann Beratungskompetenz sichtbar machen, Reklamationen vermeiden und zusätzliche Kundenkontakte schaffen.
Zwei Branchentermine im Blick
Auch die anstehenden Veranstaltungen nehmen in der neuen Ausgabe Raum ein. Vom 30. August bis 1. September feiert das SAZbike Testival präsentiert von Linexo im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen Premiere. Rund 40 Marken bringen Fahrräder, Antriebe und Komponenten mit. Das Konzept setzt bewusst auf Probefahrten, Schulungen und persönliche Gespräche. Das Streckennetz rund um das Stadion ermöglicht Tests vom Urban-Bike über Gravel- und Rennräder bis zum Mountainbike.
Nur wenige Tage später folgt vom 4. bis 6. September das zweite Bike & Co-Orderfestival in Kassel. Nach 4.800 Besucherinnen und Besuchern bei der Premiere rechnen die Veranstalter 2026 mit mehr als 5.000 Gästen. Zusätzliche Hallen schaffen mehr Ausstellungsfläche, zugleich wird das von SAZbike unterstützte Bühnenprogramm ausgeweitet.
Abgerundet wird die neue Ausgabe durch zwei weitere Interviews. Im Gespräch mit Andrea Straniero, Geschäftsführer von Pendix, steht ein neues Motorensystem im Fokus, welches auf dem SAZbike Testival präsentiert von Linexo gezeigt wird.
Zusammen mit Fachhändler Torsten Hieke und VSF-Geschäftsführer Uwe Wöll soll außerdem ergründet werden, warum sich die Erfa-Arbeit auszahlt. Im Mittelpunkt stehen der kennzahlenbasierte Betriebsvergleich, gegenseitige Betriebsbesuche und der vertrauliche Austausch über Themen wie Sortiment, Personalkosten, Lieferanten oder Leasing.