SAZbike 11/2026: Die ungeklärte Messezukunft

Die neue SAZbike beleuchtet die Neuordnung der Messelandschaft, zieht Bilanz nach der Eurobike 2026 und richtet den Blick auf bislang unterschätzte Marktpotenziale, neue Technologien, Produktionskonzepte und Veranstaltungsformate.
Die Zukunft der großen Fahrradmessen ist offener denn je. Wenige Wochen nach einer deutlich verkleinerten Eurobike steht die Branche vor einem Terminkalender, der für 2027 gleich drei Veranstaltungen innerhalb von acht Tagen vorsieht: die Eurobike in Frankfurt, das Bike & Co-Orderfestival in Kassel und die neue Towards Tomorrow – European Bike Show in Köln. Die SAZbike Ausgabe 11/2026 ordnet diese Entwicklung ein und fragt, was der Wettbewerb der Standorte für Industrie, Handel und den gemeinsamen Branchentreffpunkt bedeutet.
Frankfurt, Köln und die Frage nach der Leitmesse
Das Titelthema blickt zunächst zurück auf die Eurobike 2026. Die Fachbesucherzahl hat sich gegenüber dem Vorjahr etwa halbiert, zahlreiche bekannte Unternehmen verzichteten auf einen eigenen Stand. Zugleich boten die entstandenen Freiräume anderen Marktteilnehmern eine größere Bühne. Besonders sichtbar wurde dabei das gewachsene Selbstbewusstsein asiatischer Anbieter, die in Frankfurt mit neuen Antrieben, Fahrzeugkonzepten und Technologien auftraten. Die Ausgabe zeichnet deshalb nicht nur das Bild einer geschrumpften Messe, sondern auch das einer Branche, in der sich Kräfteverhältnisse verschieben.
Ab 2027 will sich die Eurobike als kompaktere, reine B2B-Veranstaltung neu positionieren und nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Gleichzeitig bereiten der ZIV und die Koelnmesse mit der Towards Tomorrow eine konkurrierende Plattform vor. Unterstützt wird das Kölner Projekt unter anderem von den großen Handelsverbänden und mehreren Unternehmen der Fahrradwirtschaft.
Damit verdichtet sich die Messesaison im September 2027 auf eine Woche. Die neue Ausgabe untersucht, welche Interessen hinter den unterschiedlichen Konzepten stehen, welche Erwartungen Handel und Industrie an eine Leitmesse richten und weshalb trotz sinkender Ausstellerzahlen weiterhin ein ausgeprägtes Bedürfnis nach persönlichem Austausch besteht.
Kundinnen als unterschätztes Marktpotenzial
Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich Frauen als Zielgruppe des Fahrradhandels. Ausgangspunkt ist eine Studie von Women in Cycling Germany und dem IFH Köln. Demnach stellen Frauen zwar rund die Hälfte der Bevölkerung, ihr Anteil am Umsatz des deutschen Fahrradmarkts liegt jedoch deutlich darunter. Besonders groß ist die Differenz bei Bekleidung, Reparaturen und weiteren Serviceleistungen.
Der Beitrag zeigt, weshalb die Ursachen nicht allein bei Sortimenten oder Produktfarben zu suchen sind. Auch Beratung, Ansprache, Ladenkonzepte und die Zusammensetzung der Teams spielen eine Rolle. Für den Fachhandel eröffnet sich damit ein Wachstumsfeld, das weniger von neuen Produktkategorien als von einem genaueren Blick auf bestehende Kundinnen abhängt.
Technik zwischen Vision und Serienreife
Die Eurobike bot in diesem Jahr vor allem eine Bühne für die Zukunft des Fahrrads. Das neue Heft stellt Konzeptstudien, Prototypen und technologische Ansätze vor, die zeigen, wohin sich dieses entwickeln könnte. Dazu gehören neue Antriebskonzepte, alternative Batterietechnologien, digitale Assistenzsysteme und ungewöhnliche Fertigungsverfahren. Nicht jede Idee dürfte in der gezeigten Form in Serie gehen. Interessant ist vielmehr, welche einzelnen Lösungen später in alltagstauglichen Produkten wiederkehren könnten.
Es wird unter anderem diskutiert, wie gutes Fahrraddesign entsteht. Ergänzend beschäftigt sich die Ausgabe mit digital gesteuerter Produktion, transparenteren Fertigungsprozessen, Nearshoring und agilen Lieferketten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Hersteller schneller auf schwankende Nachfrage reagieren und internationale Märkte zuverlässiger beliefern können.
Sharing, Handel und neue Veranstaltungsformate
Auch das Potenzial von Bike-Sharing wird aus Branchensicht betrachtet. Die neue Ausgabe untersucht, welche Faktoren über die Nutzung kommunaler Systeme entscheiden und weshalb Bahnhöfe, Verfügbarkeit und eine passende Flottensteuerung eine zentrale Rolle spielen. Für den Fachhandel ist dabei relevant, dass Sharing Menschen an das Fahrrad heranführen kann, die bislang kein eigenes Rad genutzt haben.
Den Blick über die klassische Fachmesse hinaus richtet ein Interview mit Vera Profanter, Projektleiterin bei Brixen Tourismus. Sie erläutert das Konzept der erstmals im September stattfindenden Bike Festa Südtirol. Die Veranstaltung verbindet Produktpräsentationen und Testmöglichkeiten mit Touren, Kulinarik, Kultur und Angeboten für Familien. Damit soll das Fahrrad nicht isoliert als Sportgerät, sondern als Bestandteil von Mobilität und Lebensstil präsentiert werden.