
Fahrradhandel im Umbruch: IFH-Experte warnt vor der No-Growth-Zone

In SAZbike 1/26 analysiert IFH-Köln-Experte Ralf Deckers die strukturellen Veränderungen im Fahrradhandel. Seine Diagnose ist klar: Das Wachstum der Branche hat seinen Zenit überschritten - und die Zukunft verlangt Krisenfestigkeit statt Expansion.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Thesen und Empfehlungen von Ralf Deckers gibt's in der heutigen SAZbike-Topnews.

Neue DIN 31067: Klare Regeln für serielle Hybrid-Pedelecs

Mit der DIN 31067 liegt erstmals eine verbindliche technische und rechtliche Grundlage für serielle Hybrid-Pedelecs vor. Die Norm definiert, wann kettenlose, generatorbasierte Antriebe als Fahrräder gelten - und schafft damit Rechtssicherheit für Hersteller und Prüfinstitute.
Serielle Hybrid-Pedelecs (SH-EPAC) übertragen die Tretleistung nicht mechanisch, sondern über einen Generator elektrisch an den Antrieb. Diese Technologie war bisher rechtlich uneindeutig. Laut DIN 31067 gelten SH-EPACs als Fahrräder, wenn sie die EPAC-Grenzwerte erfüllen: 250 Watt Nenndauerleistung, Unterstützung bis 25 km/h und keine Motorhilfe ohne aktives Pedalieren.
Neu ist die Systembewertung: Nicht nur der Motor, sondern das gesamte Antriebssystem - inklusive Generator, Elektronik und Wirkungsgrad - fließt in die Leistungsprüfung ein. Damit sollen rechnerische Tricks ausgeschlossen werden.
Zudem schreibt die Norm Maßnahmen gegen Manipulation vor. Steuerung und Sensorik müssen sicher gegen Eingriffe geschützt sein, sicherheitsrelevante Funktionen wie Anfahrverhalten müssen nachweislich den Performance Level c (PLr c) erfüllen.
"Die DIN 31067 setzt dort an, wo bisher Grauzonen bestanden haben", sagt Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mikromobilität. "Sie ermöglicht neue Antriebskonzepte, ohne die grundlegenden Regeln des Fahrradverkehrs aufzuweichen."
Damit steht der Branche ein klares Regelwerk zur Verfügung, das Innovation fördert, aber den Rahmen des Fahrradrechts wahrt. Serielle Hybrid-Pedelecs werden damit rechtlich klassischen EPACs gleichgestellt.

Belgien mit Rekordjahr bei Speed-Pedelecs - Deutschland bleibt zurück

2025 war für Belgien ein Rekordjahr bei Speed-Pedelecs. Laut der Mobilitätsföderation Traxio wurden 23.681 schnelle E-Bikes registriert, davon 14.058 neue und 9.623 gebrauchte. Damit übertraf Belgien den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2022. Der Markt wuchs um 2,6 Prozent, angetrieben durch ein starkes Leasing-Geschäft, das inzwischen 62,4 Prozent aller Neuzulassungen ausmacht.
Die meisten Speed-Pedelecs sind in Flandern unterwegs: 97,5 Prozent der Neuregistrierungen entfallen auf diese Region. Ostflandern verzeichnete dabei mit 5.534 Fahrzeugen ein Plus von 34,6 Prozent. Im französischsprachigen Landesteil bleibt die Nachfrage gering - dort liegt der Marktanteil bei rund 1,2 Prozent. Hauptgründe sind schwächere Radinfrastruktur, geringere Verkehrsbelastung und Konkurrenz durch E-Bikes und Roller im 30-km/h-Verkehr.
Auch der Gebrauchtmarkt legte kräftig zu: Mit 9.623 registrierten S-Pedelecs stieg die Zahl um 24 Prozent gegenüber 2024. Viele Leasing-Räder werden nach Vertragsende an Privatpersonen weiterverkauft. Gebrauchte Speed-Pedelecs machten 2025 bereits 40,6 Prozent aller Registrierungen aus.
In Deutschland bleibt die Fahrzeugklasse dagegen eine Randerscheinung. Laut ZIV hielten Speed-Pedelecs 2024 einen stabilen Anteil von rund 0,5 Prozent am E-Bike-Absatz, das entspricht etwa 10.000 verkauften Fahrzeugen. Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor. Branchenkenner erwarten keine deutliche Veränderung: Die Nutzung wird durch restriktive Vorgaben wie Helmpflicht, Kennzeichen- und Versicherungspflicht sowie durch fehlende Radwegnutzung weiterhin begrenzt. Auch das Sicherheits- und Akzeptanzempfinden spielt eine Rolle.
Während Belgien zeigt, dass Leasing und steuerliche Förderung das Segment vorantreiben können, bleibt der deutsche Markt klein. Ohne regulatorische Anpassungen dürfte das auch so bleiben.

Nach Rebirth-Übernahme: Zweiter Gründer verlässt Führung von Cowboy

Beim belgischen E-Bike-Hersteller Cowboy geht die Neuordnung weiter. Nach der Übernahme durch die französische Rebirth Group Ende 2025 verlässt nun auch Mitgründer und Technikchef Tanguy Goretti die operative Leitung. Er wechselt in den Vorstand und soll das Unternehmen künftig als Berater unterstützen.
Bereits im Dezember hatte CEO und Mitgründer Adrien Roose Cowboy verlassen. Damit sind beide Gründer des 2017 gestarteten Start-ups nicht mehr im Tagesgeschäft aktiv. Goretti hatte als Chief Technology Officer maßgeblich die Entwicklung der vernetzten Cowboy-Bikes verantwortet, die unter anderem mit Auto-Unlock, AdaptivePower und Crash Detection Branchenstandards setzten.
Nach der Übernahme will der neue Eigentümer Rebirth die Produktion stabilisieren. Seit Januar läuft die Montage wieder an, die neue Doppelspitze aus Kjell Fastré und Oliver Barleben soll operative Prozesse und Lieferketten ordnen. Das Duo plant, bis Ende Februar alle ausstehenden Bestellungen abzuarbeiten und das Rückrufprogramm auf Deutschland und Dänemark auszuweiten.
Cowboy hatte in den vergangenen Jahren hohe Verluste verzeichnet. Laut belgischen Medien summierten sich die Fehlbeträge seit der Gründung auf rund 123 Millionen Euro, während Investoren etwa 150 Millionen Dollar in das Start-up gesteckt haben. Die neue Führung soll nun den Neustart des Unternehmens sichern.