Radverkehr wächst nur langsam – Ausbau und Förderung zeigen erste Wirkung

Foto: Zukunft Fahrrad
Zukunft Fahrrad sieht Fortschritte in der Zwischenevaluation des Nationalen Radverkehrsplans - bei Förderung, Personal und Infrastruktur. Bei Nutzung und Sicherheit bleibt Deutschland jedoch deutlich hinter den bis 2030 gesetzten Zielen zurück.
Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad bewertet die Zwischenevaluation des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 als gemischte Bilanz. Nach Ansicht des Verbands zeigen Förderprogramme, zusätzliche Stellen in den Verwaltungen und der Ausbau der Infrastruktur erste Wirkung. Das zentrale Ziel, deutlich mehr Menschen für das Fahrrad zu gewinnen, ist bislang jedoch nicht erreicht.
Der Nationale Radverkehrsplan soll Deutschland bis 2030 zum Fahrradland entwickeln. Vorgesehen ist unter anderem, die täglich mit dem Rad zurückgelegte Strecke gegenüber 2017 von 112 auf 224 Millionen Kilometer zu verdoppeln. Die durchschnittliche Länge eines Radwegs soll zugleich von 3,7 auf sechs Kilometer steigen.
Nach den von Zukunft Fahrrad ausgewerteten Ergebnissen der Studie „Mobilität in Deutschland“ erhöhte sich die Verkehrsleistung des Radverkehrs zwischen 2017 und 2023 allerdings lediglich um 5,4 Prozent. Positiver entwickelte sich der Arbeitsweg: In diesem Bereich legte die Verkehrsleistung um elf Prozent zu. Der Verband führt dies auch auf den wachsenden Markt für Dienstradleasing und dessen Einbindung in die betriebliche Mobilität zurück.
Mehr Geld und Personal für den Radverkehr
Fortschritte erkennt Zukunft Fahrrad insbesondere bei den politischen und administrativen Voraussetzungen. Die Investitionen von Bund, Ländern und Kommunen stiegen von 2021 bis 2024 auf rund 14 Euro je Einwohner und Jahr. Damit wird die Zielgröße des NRVP von 30 Euro zwar weiterhin deutlich verfehlt, der Mittelabfluss nahm im Evaluationszeitraum jedoch spürbar zu.
Auch der Personalbestand in den zuständigen Behörden wuchs. Die Zahl der besetzten Radverkehrsstellen bei Bund und Ländern erhöhte sich zwischen 2021 und 2024 um 32 Prozent. Auf Bundesebene wurden die Kapazitäten mehr als verdoppelt. Die Evaluation wertet dies als wichtige Voraussetzung, um Förderprojekte zu planen und umzusetzen.
Beim Ausbau der Infrastruktur wurden seit 2021 entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen mehr als 1.800 Kilometer Radwege ergänzt. Hinzu kommen nach Angaben von Zukunft Fahrrad rund 3.300 Kilometer über das Sonderprogramm „Stadt und Land“. Der Verband fordert, das Programm langfristig und mit ausreichenden Mitteln fortzuführen.
Sicherheitsziel deutlich verfehlt
Kritisch fällt die Bewertung beim Thema Verkehrssicherheit aus. Der NRVP sieht vor, die Zahl der getöteten Radfahrenden bis 2030 gegenüber 2019 um 40 Prozent zu senken. Eine Trendwende ist bislang nicht erkennbar: Sowohl 2019 als auch 2024 kamen jeweils 445 Radfahrerinnen und Radfahrer ums Leben.
Zukunft Fahrrad fordert deshalb durchgängige und sicher gestaltete Netze, die sich an den Bedürfnissen von Kindern und anderen besonders gefährdeten Gruppen orientieren. Handlungsbedarf sieht der Verband zudem bei Frauen, älteren Menschen und Haushalten mit niedrigem Einkommen, deren Fahrradnutzung zuletzt zurückging. Die Zwischenevaluation nennt sichere Netze, mehr Teilhabe und bessere Datengrundlagen als zentrale Aufgaben für die zweite Hälfte der NRVP-Laufzeit.