Österreichischer Fahrradmarkt 2025: Gravel- und Kinderfahrräder treiben die Nachfrage

Die österreichische Fahrradindustrie hat 2025 rund 389.000 Räder an den Fachhandel verkauft. Während der Gesamtmarkt stabil bleibt, wachsen Gravelbikes, Kinder- und Jugendräder sowie Trekking-/SUV-E-Bikes deutlich.
Die Fahrradindustrie hat 2025 rund 389.000 Fahrräder an den österreichischen Sport- und Fahrradfachhandel verkauft. Das entspricht einem Minus von 1,7 Prozent gegenüber 2024. Es handelt sich dabei ausdrücklich um Sell-in-Zahlen (Hersteller an Handel), nicht um Endkundinnen- und Endkunden-Verkäufe.
Nach den intensiven Abverkäufen 2024 habe sich die Lagerstandssituation im Fachhandel stabilisiert. 2025 seien Abverkaufsmaßnahmen nur noch punktuell nötig gewesen. Das geht aus den Zahlen des VSSÖ und der Arge Fahrrad hervor.

Gravelbikes legen stark zu
Den stärksten Zuwachs verzeichnet 2025 die Gravel-Kategorie. Insgesamt wurden in Österreich 28.844 (E-)Gravelbikes verkauft, ein Plus von 48,3 Prozent gegenüber 2024. Bei den nicht elektrischen Modellen (Gravel und Cyclocross) weisen die Zahlen einen Anstieg um 74 Prozent auf rund 24.000 Stück aus.
Zudem steigt laut Branchenangaben die Dynamik im Einsteigersegment; die Nachfrage verteilt sich gleichmäßig auf Männer und Frauen. Der Anteil der Gravel-Bikes am Dropbar-Markt (Räder mit Rennlenker) liegt demnach inzwischen bei 57 Prozent.
"Der Gravel-Boom zeigt, wie vielfältig das Fahrrad heute genutzt wird. Menschen suchen Erlebnisse, wollen draußen unterwegs sein, Zeit miteinander verbringen und gleichzeitig sportlich aktiv bleiben. Diese Entwicklung ist ein starkes Signal dafür, dass das Fahrrad ein zentraler Baustein einer modernen und vielseitigen Mobilität ist", erklärt Hans-Jürgen Schoder, Sprecher der Arge Fahrrad.
Kinder- und Jugendräder: Plus im Volumen, Nachfrage nach Qualität
Auch Kinder- und Jugendräder wachsen 2025 deutlich. Der Absatz stieg um 9 Prozent auf rund 64.000 Stück. Mehr als die Hälfte entfällt auf Kinderfahrräder bis 20 Zoll: In dieser Größenklasse wurden rund 37.000 Räder verkauft, ein Plus von 15,9 Prozent.
Eltern legen zunehmend Wert auf Qualität, was sich insbesondere rund um das Ostergeschäft, der traditionellen Hochsaison für Kinderfahrräder, positiv bemerkbar machte. Die Verkäufe in diesem Zeitraum entwickelten sich 2025 laut Daten überdurchschnittlich gut.

Politische Rahmenbedingungen beeinflussen Absatz
Rückgänge zeigen sich dort, wo Förderungen reduziert wurden. 2025 wurden 7.119 E-Lastenräder verkauft (-5 Prozent). Innerhalb des Segments sinken Modelle für den Kindertransport auf 3.890 Stück (-25 Prozent), während Lastentransport-Modelle auf 3.229 Stück zulegen (+37 Prozent). E-Falträder gehen auf 2.582 Stück zurück (-25 Prozent). Bei nicht elektrischen Modellen liegen Lastenräder bei 283 Stück (-37 Prozent) und Falträder bei 2.978 Stück (-57 Prozent).
Österreich eine E-Bike-Nation
Der E-Bike-Anteil am Gesamtabsatz liegt 2025 erneut bei 57 Prozent, bei Erwachsenenrädern bei rund 69 Prozent (Höchststand). Insgesamt werden 222.730 E-Bikes ausgewiesen. Wachstumstreiber sind vor allem Trekking-/SUV-E-Bikes mit 101.174 verkauften Rädern (+18 Prozent). Die Kategorie decke ein breites Einsatzspektrum ab - vom Arbeitsweg bis zu Touren auf Schotter- und Waldwegen - und kombiniere Komfort, Sicherheit und Vielseitigkeit.

Fachhandel: Beratung, Werkstatt, Lagerabbau
Parallel zur Stabilisierung im Volumen steigt der Gesamtumsatz 2025 leicht auf 1,097 Mrd. Euro (+3,9 Prozent) - erstmals seit vier Jahren wieder. Umsatztreiber bleiben E-Bikes: Mit 867 Mio. Euro entfallen 79 Prozent des Umsatzes auf E-Bike-Verkäufe.
Die Zahlen unterstreichen: Kundinnen und Kunden investieren bewusst in qualitativ hochwertige Fahrräder - und nutzen dafür zunehmend den stationären Fachhandel. Der Absatz der Hersteller an den Fachhandel ist 2025 gestiegen, während jener an andere Vertriebskanäle außerhalb des Fachhandels rückläufig war. Gerade bei technisch anspruchsvollen Produkten wie E-Bikes bleibt kompetente Beratung ein entscheidender Faktor.
Die Marktsituation im Jahr 2025 war für einzelne Händler dennoch herausfordernd, und die Dynamik variierte regional und betrieblich. Nach den intensiven Abverkäufen in der Saison 2024 hat sich die Lagerstandssituation stabilisiert. Im Jahr 2025 fanden nur noch punktuell Abverkaufsmaßnahmen statt, was zu einer deutlichen Entspannung der Restlagersituation am Markt führte. Darüber hinaus zeigt sich eine klare strukturelle Entwicklung hin zu Qualität, Service und professioneller Werkstattkompetenz.
Michael Nendwich, Sprecher des Sportartikelhandels (WKÖ) und Geschäftsführer des VSSÖ, fasst zusammen: "Wir sehen, dass Kundinnen und Kunden gezielt Fachkompetenz suchen - sei es beim E-Bike-Kauf oder beim Service in der Werkstatt."