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Nachhaltige Messe: Riva zeigt, wie es ganz locker geht

Foto: @peakpixelcafe / Garda Dolomiti S.p.A

Die Fahrradbranche schmückt sich gern mit dem Label "Nachhaltigkeit", doch bei Messen treibt sie nicht wenigen Veranstaltern und Veranstalterinnen Schweißperlen auf die Stirn: Teuer, kompliziert, eine lästige Pflicht. Am Gardasee sieht man das entspannter. Wir haben mit Antonella Emanuelli, einer der Köpfe hinter dem Bike Festival Riva, gesprochen. Ihr Rezept gegen den Nachhaltigkeits-Druck: Ein Schuss italienische Leichtigkeit und etwas Hausverstand.

SAZbike: Antonella, in Deutschland diskutieren wir Nachhaltigkeit oft als schwere, teure Last. Warum sagst du: Das muss eigentlich gar nicht weh tun?

Antonella Emanuelli: Weil Nachhaltigkeit keine Zusatzaufgabe sein darf, die man oben drauf sattelt. Es ist einfach smarteres Design. Oft ist die nachhaltige Wahl auch die praktischste: Weniger Material, kein Müll, die vorhandene Infrastruktur nutzen.

Wir arbeiten zum Beispiel eng mit Designern zusammen, um Kommunikationselemente so zu bauen, dass wir sie über Jahre wiederverwenden können. Ein neuer Aufkleber hier, ein kleines Update da - statt jedes Mal alles neu zu produzieren.

SAZbike: Also eher Upcycling statt Wegwerf-Messebau?

Antonella Emanuelli: Genau! Wir nutzen zum Beispiel Holzkonstruktionen für unsere Stände oder Eingangstore, die ursprünglich für ganz andere Events gebaut wurden.

Holz lässt sich immer wieder neu erfinden und bearbeiten. Das spart Ressourcen und sieht am Ende auch noch viel hochwertiger aus als billiger Kunststoff.

"Was brauchen wir hier eigentlich wirklich?"

Antonella Emanuelli

SAZbike: Du bist ein Fan vom "Hausverstand". Wo verrennt sich die Branche da gerade?

Antonella Emanuelli: Manchmal suchen wir nach hochkomplexen, technischen Lösungen, bevor wir die einfachste Frage stellen: "Was brauchen wir hier eigentlich wirklich?"
Hausverstand bedeutet, vom echten Menschen auszugehen, von den realen Abläufen auf dem Gelände - nicht von einem theoretischen Modell.

SAZbike: Ein Beispiel sind eure Brunnen. Wie kriegst du die großen Brands dazu, auf ihre geliebten Plastikflaschen zu verzichten?

Antonella Emanuelli:: Indem wir die Perspektive ändern. "Premium" bedeutet heute nicht mehr Überfluss, sondern Qualität und Glaubwürdigkeit. Wenn wir als Veranstalter ein System mit gut erreichbaren, schicken Trinkbrunnen hinstellen, warum sollte dann noch jemand Wasser in Plastik kaufen? Das ist der logischste Weg. Wir servieren Getränke nur aus Fässern oder Mehrwegflaschen, auch bei den Rennen.

SAZbike: Und das klappt ohne Murren?

Antonella Emanuelli:: Absolut. Bei der Junior Trophy bekommt jedes Kind einen eigenen Event-Becher mit seiner Startnummer. Die Regel ist simpel: Kein Becher, kein Saft. Das ist eine kleine pädagogische Botschaft, aber sie funktioniert und schafft Bewusstsein für die Zukunft, ganz ohne Zeigefinger.

SAZbike: Du verbindest Nachhaltigkeit auch mit Inklusion und Barrierefreiheit. Wie passt das zusammen?

Antonella Emanuelli: Für uns ist das untrennbar. Beides bedeutet: Wir designen das Event rund um den Menschen. Ein Festival, das einfacher zu navigieren ist, klarer strukturiert und für jeden zugänglich - egal ob mit oder ohne Einschränkung - ist automatisch ein besseres und nachhaltigeres Event. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel ein Blindencafé vor Ort, um diese Themen erlebbar zu machen.

Foto: @peakpixelcafe / Garda Dolomiti S.p.A

SAZbike: Gab es dieses Jahr eine kleine Änderung, die einen überraschend großen Effekt hatte?

Antonella Emanuelli: Unsere Zusammenarbeit mit einer lokalen Sozial-Kooperative. Die nähen aus unseren alten Werbebannern coole Accessoires, die wir im Shop verkaufen. Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Kooperative.

Und wir haben 100 lokale Schüler vor Ort, die uns unterstützen. Die lernen die Branche kennen und viele arbeiten später fest bei uns. Das ist für mich echte soziale Nachhaltigkeit.

"Premium" bedeutet heute nicht mehr Überfluss, sondern Qualität und Glaubwürdigkeit.

Antonella Emanuelli

SAZbike: Bleibt bei so viel "Korrektheit" nicht die italienische Lebensfreude auf der Strecke?

Antonella Emanuelli: Im Gegenteil! Das ist ein großes Missverständnis. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, dass man weniger Spaß hat. Es bedeutet, Qualität bewusster zu schaffen.

Die Freude am Bike Festival kommt durch die Community, die Natur und das echte Erlebnis. Wenn man Nachhaltigkeit gut macht, fühlt sich das Event sogar echter und wertiger an.

SAZbike: Zum Schluss ein Blick auf die deutsche Messe-Debatte: Was ist dein Rezept, um ein Event zukunftssicher zu machen, ohne die Aussteller zu verschrecken?

Antonella Emanuelli: Wir sind keine reine Fachmesse in einer grauen Halle. Wir sind ein Erlebnis. Wenn es nur darum ginge, Produkte in einer Box zu zeigen, könnte das überall auf der Welt sein. Aber wir sind am Gardasee.

Die Kombination aus dieser Landschaft, der direkten Zugänglichkeit zu den Trails und der Gastfreundschaft ist unser Schutzschild. Wir feiern den Lifestyle - das macht uns zukunftssicher, ganz ohne das Budget oder den Spirit der Aussteller zu sprengen.

Das Interview führte Moritz Diethelm.

Das Bike Festival Riva findet vom 1. bis 3. Mai 2026 in Riva am Gardasee statt und umfasst mehr als 1.500 Testbikes sowie ein breit angelegtes Programm. Neben etablierten Formaten werden neue Angebote wie Sunrise- und Sunset-Rides sowie Overnight-Bikepacking integriert.

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