Nach einem Quartal Zollpflicht: China-Plattformen verlieren über 40 Prozent Marktanteil

Der gemeinsame Marktanteil von Shein, Temu und Ali Express in Deutschland sinkt von 5,3 auf 3,1 Prozent. Seit dem Wegfall der Zollfreigrenze bricht ihr Umsatz um mehr als ein Drittel ein, meldet der BEVH.
Der Marktanteil der drei größten chinesischen Online-Plattformen in Deutschland ist binnen eines Quartals deutlich geschrumpft: Im zweiten Quartal 2026 lag er für Shein, Temu und Ali Express noch bei 5,3 Prozent, im dritten Quartal sind es 3,1 Prozent. Das entspricht einem relativen Rückgang von mehr als 40 Prozent. Die Zahlen stammen aus der Verbraucherbefragung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH), die laut Verband erstmals belastbare Daten seit dem Ende der Zollfreigrenze liefert.
Auch die Umsätze gingen stark zurück: Gegenüber dem Vorjahresquartal sanken sie um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro. Seit Juli ist jede Sendung aus Drittstaaten grundsätzlich zollpflichtig, die bisherige Freigrenze von 150 Euro ist entfallen. Für Kleinsendungen bis 150 Euro fallen drei Euro pro Warengruppe an, ab November kommen pauschal zwei Euro Bearbeitungsgebühr hinzu.

Heimischer Handel profitiert nicht
„Den margenschwachen Niedrigpreisprodukten aus Asien setzen die höheren Abgaben deutlich zu“, sagt Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des BEVH. Zölle allein reichten aber nicht aus. Die EU müsse die Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen.
Heimische Händler profitieren vom Rückzug der Plattformen bislang nicht. „Das rasante Wachstum von Temu und Shein in Deutschland ist ins Stocken geraten. Damit sinken auch die Umsätze im Gesamtmarkt, ohne dass hiesige Anbieter von der Schwäche asiatischer Wettbewerber profitieren konnten“, so Mulyk.
Der Online-Handel insgesamt wuchs im dritten Quartal nur noch um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro (inklusive Umsatzsteuer, nicht inflationsbereinigt) und lag damit unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent im September. Mulyk verweist auf steigende Energiepreise und sinkende Einkommenserwartungen.
Während Kleidung (plus 4,9 Prozent), Schuhe (plus 6,4 Prozent) und Hobby- und Freizeitartikel (plus 5,1 Prozent) wuchsen, gingen Elektronik und Telekommunikation (minus 4,6 Prozent) sowie Möbel, Lampen und Dekoration (minus 5,2 Prozent) zurück.