Myradl: München setzt auf Nextbike

Nach dem Ende des MVG-Radsystems startet München 2026 mit Myradl in die nächste Sharing-Generation. Stadt, MVV und Nextbike versprechen Ordnung, Technik und Integration - und wollen Fehler der Vergangenheit vermeiden.
München richtet sein Bikesharing neu aus. Nach rund zehn Jahren hat die Stadt das bisherige MVG-Rad im Herbst 2025 eingestellt. Der Betrieb durch die Münchner Verkehrsgesellschaft lief regulär aus. Ein nahtloser Übergang zum Nachfolgesystem scheiterte jedoch zunächst am Vergabeverfahren.
Das neue Konzept heißt My Radl und steht unter dem Dach des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Betreiber ist der Leipziger Anbieter Nextbike. Das Unternehmen gehört seit 2021 zum Berliner Mikromobilitätsanbieter Tier Mobility, der damit neben E-Scootern auch das Fahrradsegment abdeckt.
Rund 7.000 Räder sollen im gesamten Verbundgebiet verteilt werden, darunter klassische Räder und Pedelecs - mit klaren Abstellzonen, Integration in die MVV-App und stärkerer kommunaler Steuerung.
"Das neue System wird flächendeckend in den ÖPNV integriert, zugleich aber durch klar definierte Stellplatzpflichten gesteuert", teilte das Referat für Mobilität der Stadt München mit. Freies Abstellen soll künftig nur in Ausnahmefällen erlaubt sein.
Stadt und MVV: Integration statt Inselbetrieb
Die Stadt will das Sharing-Angebot enger mit dem Nahverkehr verzahnen. Der MVV kündigte an, die Buchung über eine einheitliche App zu ermöglichen:
"Das neue MVG-Rad wird vollständig in die bestehende MVV-App integriert, mit einheitlicher Registrierung und Abrechnung. Damit wird das Fahrrad zum gleichberechtigten Teil des öffentlichen Nahverkehrs."
Begleitend sollen bis 2027 rund 350 neue Stellplätze und Mobility-Hubs entstehen, an denen Rad, Bus und Bahn verknüpft werden.
Nextbike: Technik gegen alte Probleme
"Wir setzen auf Geofencing und Service-Teams, die den Bestand laufend prüfen" sagt Nextbike-Sprecherin Karoline Keybe. "Alle Räder verfügen über GPS-Module und manipulationssichere Schlösser. Parkverstöße werden automatisiert erkannt und sanktioniert."
Zudem baut Nextbike die Wartungslogistik aus: "Für München haben wir eine eigene Serviceflotte und Werkstattkapazitäten vorgesehen, um Ausfälle schnell zu beheben", so Keybe weiter.
ADFC: "Mehr Fahrräder ja - aber Platzprobleme bleiben"
Der ADFC München begrüßt den Neustart grundsätzlich, warnt aber vor bekannten Engpässen. "Grundsätzlich ist jedes zusätzliche Fahrrad im Stadtverkehr ein Gewinn. Entscheidend ist, dass Abstellflächen geschaffen werden - sonst verlagern sich die Probleme nur."
Auch Barrierefreiheit müsse gewährleistet bleiben: "Sharing darf keine neuen Barrieren schaffen, insbesondere nicht für mobilitätseingeschränkte Menschen."
Vom Obike-Debakel zur dritten Generation
Das chaotische Auftreten des Anbieters Obike 2018 gilt in München bis heute als Negativbeispiel. Damals standen Hunderte herrenlose Räder auf Gehwegen und in Grünanlagen. Seitdem hat die Stadt ihre Regeln verschärft und setzt nun auf klare Zuständigkeiten.
Mit Myradl versucht München, typische Schwächen früherer Modelle zu vermeiden - durch kommunale Steuerung, technische Kontrolle und Integration in bestehende Infrastruktur. Es entsteht eine dritte Generation des Bikesharings: öffentlich organisiert, digital vernetzt, operativ professionell.
Praxis-Test in München
Für die Branche ist München ein relevanter Testfall. Gelingt die Kombination aus lokaler Planung und digitaler Skalierung, könnte das Modell Vorbild für andere Großstädte werden.
Offen bleibt, ob Nutzerinnen und Nutzer das System als echten Mehrwert wahrnehmen und ob die geplanten Stellflächen rechtzeitig fertig werden. Entscheidend wird, dass Sharing-Angebote nicht mit privaten Rädern um knappen Raum konkurrieren - sondern Teil eines ganzheitlichen Verkehrskonzepts werden.