Mobiler Prüfstand soll Tuning bei Verkehrskontrollen nachweisen

Die Dresdner EMEC-Prototyping GmbH entwickelt einen mobilen, KI-gestützten Prüfstand, mit dem Polizei und Prüforganisationen manipulierte Elektrofahrräder direkt bei Verkehrskontrollen erkennen sollen. Das System soll ab Sommer 2027 verfügbar sein.
Ob ein Pedelec getunt wurde, lässt sich bei einer Verkehrskontrolle bislang nicht hinreichend nachweisen. Die EMEC-Prototyping GmbH aus Dresden arbeitet deshalb an einem mobilen Prüfstand, der Manipulationen KI-gestützt erkennen und Prüfergebnisse direkt vor Ort liefern soll. Nach Angaben des Unternehmens passt das kompakte System in ein Einsatzfahrzeug und ist in wenigen Minuten aufgebaut.
Tuning vor allem in der Lieferbranche
Die Gewerkschaft der Polizei geht laut Manager Magazin von bis zu zehn Prozent manipulierten Pedelecs auf deutschen Straßen aus. Dabei handelt es sich um eine Schätzung. Den Fahrern drohen Bußgelder und der Verlust des Versicherungsschutzes, gefährdet sind zudem Fußgänger und andere Radfahrer.
Verbreitet ist das Tuning offenbar in der Lieferbranche: In einer Studie der TU Dresden im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) gaben sieben Prozent der befragten Lieferfahrer an, ihr Rad für mehr Tempo getunt zu haben. Weitere vier Prozent hatten es für einen mopedähnlichen Betrieb ohne Trittunterstützung umgebaut.
Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und Zukunft Fahrrad haben sich in einem Schreiben an Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas gewandt. Sie fordern, sichere und legale Elektrofahrräder als Arbeitsmittel in die Arbeitsschutzbestimmungen aufzunehmen. Zugleich warnen die Verbände vor steigenden Unfallrisiken und einem Imageschaden für das E-Bike durch illegales Tuning.
Alle gängigen Fahrzeugtypen in einem Gerät
Der Prüfstand soll nicht nur Pedelecs testen können. Entwicklungsziel ist es, E-Bikes, S-Pedelecs, Lastenräder und E-Scooter mit einem System zu prüfen. Das Gerät befindet sich derzeit in der Entwicklung und soll ab Sommer 2027 verfügbar sein.
Das Vorhaben wird vom Freistaat Sachsen gefördert und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Den Zuwendungsbescheid hat EMEC-Prototyping von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) erhalten.
Das Unternehmen, das seit 2010 Produkte und Prüfstände unter anderem für Elektrofahrräder, Powertools und elektrische Kleinfahrzeuge entwickelt, erweitert damit sein Portfolio in den Bereichen Prüftechnik, Testsysteme und Sonderanlagenbau.