Manipulationsschutz bei E-Bikes: ECI fordert EU-weites Verkaufsverbot für Tuning-Kits

Der europäische Branchenverband ECI verlangt ein EU-weites Verkaufsverbot für Tuning-Kits und eine strengere Marktüberwachung, gerade im Online-Handel. Zugleich legt er Herstellern nach eigenen Angaben erstmals einen detaillierten technischen Maßstab für wirksamen Manipulationsschutz vor.
Die European Cycling Industries (ECI) hat am 29. September in Brüssel ein Manifest für einen sicheren und regelkonformen EU-Markt vorgestellt, das sich an EU-Kommission, Europäisches Parlament und Mitgliedstaaten richtet. Parallel erneuert der Verband, der 2025 aus der Fusion von Conebi und Cycling Industries Europe hervorgegangen ist, die Selbstverpflichtung der Branche gegen E-Bike-Tuning und veröffentlicht ein Positionspapier.
Vier Forderungen an die EU
Neben dem Verkaufsverbot für Tuning-Kits fordert das Manifest eine europäische Datengrundlage zu den Folgen nicht konformer E-Bikes für Verkehrssicherheit und Wirtschaft, eine konsequente Durchsetzung der Marktüberwachung auch im Online-Handel sowie Investitionen in Kontrollen vor Ort und die Ausstattung der Behörden.
Über Online-Marktplätze gelangten häufig Produkte von Anbietern außerhalb der EU zu Verbrauchern, ohne dass in der EU jemand für deren Konformität verantwortlich gemacht werden könne, begründet die ECI.
Was als Stand der Technik gilt
Als Stand der Technik beim Manipulationsschutz nennt das Positionspapier kryptografisch geprüfte Software-Updates mit Schutz gegen das Aufspielen älterer Versionen, eine gegenseitige Authentifizierung von Motor, Steuerung und Akku sowie Plausibilitätsprüfungen des Geschwindigkeitssignals anhand weiterer Werte wie Trittfrequenz oder Motordrehzahl. Nicht ausreichend sind demnach Einstellungen, die Nutzer per App oder Servicemenü ändern können, Freischaltungen über Tastenkombinationen oder Standard-PINs und unsignierte Firmware.
„Die Selbstverpflichtung von 2021 hat festgeschrieben, dass diese Branche Tuning nicht akzeptiert“, sagt ECI-CEO Paul Walsh. Das Papier gebe Herstellern einen konkreten Maßstab für die Entwicklung und Behörden sowie Normungsgremien einen Referenzpunkt, um zu beurteilen, „ob ein System tatsächlich geschützt ist oder es nur zu sein scheint“.
Normen in Überarbeitung
In der Pflicht sieht die ECI vor allem die Antriebshersteller. Als Problem benennt das Papier auch Tuning-Angebote einzelner Händler und freier Werkstätten. Parameter ändern sollen nur System- und Fahrradhersteller sowie von ihnen autorisierte Händler und Servicepartner, und das nur bei technischer Notwendigkeit.
Die E-Bike-Norm EN 15194 wird an die Maschinenverordnung angepasst, inklusive Cybersicherheitsanforderungen mit Bezug zum Manipulationsschutz; die Veröffentlichung ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Parallel läuft eine tiefere Revision auf Basis der CEN/TS 17831:2023.