Ifo Institut erwartet 0,8 Prozent Wachstum für 2026 und 2027

Die deutsche Konjunktur bleibt 2026 nach Einschätzung des Ifo Instituts schwach, wird aber durch höhere Staatsausgaben gestützt. Belastend wirken vor allem gestiegene Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts.
Das Ifo Institut rechnet für die deutsche Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um jeweils 0,8 Prozent. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass sich der Nahost-Konflikt entspannt und die Energiepreise wieder sinken.
"Während ein massiver Energiepreisschock durch den Nahost-Konflikt die Konjunktur bremst, stützt eine stark expansive Finanzpolitik das Wachstum. Die Wirtschaft steht konjunkturell im Zeichen gegensätzlicher Kräfte", sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Ifo Instituts.
Nach Berechnungen des Instituts mindert der Energiepreisschock das Wachstum 2026 und 2027 jeweils um 0,4 Prozentpunkte. Gleichzeitig tragen höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung jeweils 0,5 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Im laufenden zweiten Quartal dürfte die Erholung nach Einschätzung Wollmershäusers vorerst pausieren. "Die deutsche Wirtschaft wird vorübergehend stagnieren, nicht aber in eine Rezession fallen", erklärt er.
Der Preis der Stabilisierung ist laut Institut hoch. Das Finanzierungsdefizit des Staates soll von 2,8 Prozent im Jahr 2025 auf 4,1 Prozent 2026 und 4,9 Prozent 2027 steigen. Der Bruttoschuldenstand dürfte bis 2027 rund 68 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Zudem verliert Deutschland durch höhere Preise für importierte Energie in diesem und im kommenden Jahr rund 34 Milliarden Euro an Kaufkraft. Die Inflationsrate erwartet das Institut 2026 bei 2,9 Prozent und 2027 bei 2,7 Prozent.
Langfristig bleibt der Ausblick verhalten. Demografie und schwache Produktivität drücken das Potenzialwachstum laut Ifo Institut bis zum Ende des Jahrzehnts auf 0,1 Prozent.