Fahrrad und ÖPNV: Radweganbindung bleibt Schwachstelle

Der ACE hat bundesweit 193 kleinere Bahnhöfe und Haltestellen auf ihre Fahrradfreundlichkeit untersucht. Während die Abstellmöglichkeiten vielerorts überzeugen, zeigen sich Defizite bei der Radweganbindung und bei Zusatzangeboten wie Ladeboxen, Reparaturstationen oder Leihrädern.
Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr können sich gerade im ländlichen Raum ergänzen: Das Rad übernimmt die Strecke bis zum Bahnhof, Bus oder Bahn anschließend den längeren Teil des Weges. Wie gut diese sogenannte Bike+Ride-Kombination abseits der Metropolen funktioniert, hat der Auto Club Europa (ACE) in einem bundesweiten Fahrradabstellcheck untersucht.
Zwischen Mitte März und August 2026 nahmen ehrenamtliche ACE-Teams insgesamt 193 kleinere Bahnhöfe und Haltestellen unter die Lupe. Bewertet wurden die Standorte in den Kategorien Stellplatz, Lage und Anbindung sowie Sicherheit. Zusatzpunkte gab es unter anderem für Ladeboxen für E-Bike-Akkus, Leihfahrräder und Sauberkeit.
Die Gesamtbilanz fällt differenziert aus. Nach der ACE-Auswertung bieten 79 Prozent der untersuchten Standorte gute bis sehr gute Bedingungen für den Umstieg vom Fahrrad auf den öffentlichen Nahverkehr. Die Übersicht des Clubs weist 15 Prozent der Standorte als „sehr gut“ und 65 Prozent als „gut“ aus; 17 Prozent erreichen ein befriedigendes Ergebnis, drei Prozent werden als nicht ausreichend eingestuft.

Radweganbindung bleibt Schwachstelle
Den größten Handlungsbedarf sieht der ACE beim Weg zum Bahnhof. An 45 Prozent der getesteten Standorte wurden Defizite bei der Anbindung an das Radwegenetz festgestellt. Teilweise fehlten direkte oder ausreichend sichere Verbindungen. Damit entscheidet nicht nur die Qualität der Abstellanlage darüber, ob Bike+Ride im Alltag praktikabel ist, sondern bereits die Erreichbarkeit des Bahnhofs mit dem Fahrrad.
Bei drei Prozent der untersuchten Bahnhöfe und Haltestellen bewerteten die Tester die Voraussetzungen insgesamt als nicht ausreichend. Am unteren Ende der Auswertung liegen Eichstätt und Hagelstadt in Bayern mit jeweils null Punkten sowie Hattorf in Niedersachsen mit einem Punkt.
Abstellanlagen schneiden deutlich besser ab
Bei den eigentlichen Fahrradparkmöglichkeiten ergibt sich ein anderes Bild. An jeweils 89 Prozent der Standorte fanden die Tester freie beziehungsweise sichere Stellplätze vor. Nach Angaben des ACE waren die Anlagen in vielen Fällen so ausgeführt, dass Fahrräder stabil abgestellt und angeschlossen werden können.
Auch bei weiteren grundlegenden Kriterien erreicht ein großer Teil der Standorte hohe Quoten: 93 Prozent verfügen über einen festen Untergrund, 88 Prozent der Abstellanlagen sind beleuchtet und 83 Prozent bieten einen Witterungsschutz. Bei 78 Prozent bewertete der ACE zudem die Sauberkeit im Bereich der Fahrradstellplätze positiv.
Zunehmend verbreitet sind abgeschlossene oder besonders geschützte Lösungen. An 35 Prozent der untersuchten Bahnhöfe gibt es bereits Fahrradboxen oder ein Fahrradparkhaus. Solche Angebote gewinnen insbesondere mit Blick auf höherpreisige Fahrräder und Pedelecs an Bedeutung, weil sie den Schutz vor Diebstahl, Beschädigungen und Witterung verbessern können.

Ladeangebote, Reparatur und Verleih bislang selten
Deutlich weniger verbreitet sind ergänzende Services. Reparaturstationen fanden die Tester lediglich an 16 Prozent der Standorte. Ladeboxen für Pedelec-Akkus waren an 13 Prozent vorhanden, Leihfahrräder sogar nur an neun Prozent.
Dass eine umfassendere Ausstattung auch an kleineren Standorten möglich ist, zeigt der Bahnhof Murnau in Südbayern. Mit 13 Punkten erreichte er als einziger getesteter Standort die Höchstwertung. Zu den dort registrierten Angeboten zählen eine Reparaturstation, Videoüberwachung, Ladeboxen für Pedelec-Akkus und ein Fahrradverleih. Mit jeweils 12,5 Punkten folgen Augustfehn in Niedersachsen und Bogen in Niederbayern.
Infrastruktur muss als Gesamtsystem funktionieren
Der Fahrradabstellcheck macht damit vor allem deutlich, dass gute Stellplätze allein nicht ausreichen. Aus Sicht des AEC müssen müssen sichere Radwege zum Bahnhof, leicht zugängliche und geschützte Abstellanlagen sowie der öffentliche Nahverkehr ineinandergreifen, um einen funktionierenden Bike+Ride-Verkehr zu gewährleisten.