Fahrrad-Leasing wird vom Benefit zum Baustein der Mobilitätsstrategie

Fahrrad-Leasing zählt inzwischen zu den gefragtesten Zusatzleistungen von Arbeitgebern. Zwei aktuelle Studien zeigen zugleich: Sein Potenzial entfaltet das Dienstrad vor allem dann, wenn es in ein standortgerechtes Mobilitätskonzept eingebunden wird.
Fahrrad- und E-Bike-Leasing hat sich in deutschen Unternehmen von einem Angebot für besonders fahrradaffine Beschäftigte zu einer etablierten Zusatzleistung entwickelt. Im aktuellen Benefits-Report von Allianz Pension Partners belegt das Dienstrad Platz vier der beliebtesten betrieblichen Benefits – hinter Betriebsrente, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Gesundheitsleistungen. Seit der vorherigen Befragung habe sich die Beliebtheit von Fahrrädern bei Unternehmen und Beschäftigten verdoppelt.
Zu diesem Ergebnis passt die Studie "Reinventing Corporate Mobility" von PWC Deutschland und dem Institut für Mobilität der Universität St.Gallen. Sie betrachtet das Fahrrad nicht allein als Personal-Benefit, sondern als Bestandteil eines umfassenderen betrieblichen Mobilitätsmanagements. Demnach gehört das Leasing von Firmenrädern in Deutschland bereits zu den verbreiteten Mobilitätsangeboten: 47 Prozent der befragten Beschäftigten gaben an, dass ihr Arbeitgeber Fahrrad-Leasing anbietet. Unter den Lösungen, auf die Unternehmen künftig verstärkt setzen wollen, liegt das Dienstrad-Leasing mit 77 Prozent an erster Stelle.

Alltagstauglichkeit stärkt die Nachfrage
Die wachsende Bedeutung des Dienstrads lässt sich zunächst mit seiner unmittelbaren Nutzbarkeit erklären. Anders als viele betriebliche Zusatzleistungen kann das geleaste Fahrrad sowohl auf dem Arbeitsweg als auch in der Freizeit eingesetzt werden. Hinzu kommen je nach Modell finanzielle Vorteile sowie ergänzende Leistungen wie Versicherung, Wartung oder Service.
Für Arbeitgeber erfüllt das Fahrrad-Leasing damit mehrere Funktionen. Es kann die Positionierung im Wettbewerb um Fachkräfte unterstützen, gesundheitsbezogene Angebote ergänzen und Beschäftigten eine Alternative zum eigenen Auto eröffnen. Nach Angaben von Allianz Pension Partners wollen vier von zehn befragten Unternehmen ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. 38 Prozent planen, arbeitgeberfinanzierte Benefits künftig strategischer auszurichten.
Die PWC-Studie ordnet diese Entwicklung in einen größeren Zusammenhang ein. Beruflich bedingte Fahrten stehen demnach für 41 Prozent der Verkehrsleistung in Deutschland. 62 Prozent der Arbeitswege werden weiterhin mit dem Auto zurückgelegt. Mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen des Personenverkehrs entfällt laut Studie auf arbeitsbezogene Mobilität. Unternehmen stehen daher nicht nur unter dem Druck, attraktive Angebote für Beschäftigte zu schaffen, sondern auch Emissionen, Kosten und regulatorische Anforderungen systematischer zu berücksichtigen.

Dienstrad allein verändert noch kein Mobilitätsverhalten
In beiden Untersuchungen ergibt sich allerdings auch eine Einschränkung: Eine hohe Beliebtheit macht Fahrrad-Leasing noch nicht automatisch zu einem wirksamen Mobilitätskonzept. Ob Beschäftigte das Rad tatsächlich für den Arbeitsweg nutzen, hängt unter anderem von Standort, Entfernung, Infrastruktur, Arbeitszeiten und der Anbindung an andere Verkehrsmittel ab.
Die PWC-Studie unterscheidet deshalb zwischen physischen Infrastrukturen, Verkehrsmitteln und unterstützenden digitalen Systemen. Zum Fahrradangebot gehören damit nicht nur Leasing-Verträge, sondern auch sichere Abstellanlagen, Umkleiden, Duschen, Reparaturmöglichkeiten, Ladepunkte für E-Bikes oder die Einbindung in Mobilitätsbudgets und Buchungsplattformen.
Der betriebliche Nutzen entsteht vor allem durch die Kombination dieser Bausteine. Ein Dienstrad kann an einem urbanen Bürostandort mit guter Radwege- und ÖPNV-Anbindung eine andere Wirkung entfalten als an einem ländlichen Produktionsstandort mit Schichtbetrieb und langen Pendeldistanzen. Dort können E-Bikes zwar den Aktionsradius erweitern, bleiben aber häufig auf ergänzende Angebote wie Fahrgemeinschaften, Shuttle-Verbindungen oder ein angepasstes Parkraummanagement angewiesen.
"Ob eine Mobilitätslösung passt, hängt stark vom spezifischen Kontext ab", sagt Prof. Dr. Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Mobilität an der Universität St.Gallen.
"Unternehmen verschenken Potenzial, wenn sie ihre Standorte zu isoliert betrachten oder Mobilität bei strategischen Themen wie Nachhaltigkeit und Arbeitgeberattraktivität nicht ausreichend mitdenken."
Erst dann ließe sich systematisch ableiten, welche Lösungen wirksam und realistisch umsetzbar seien.
Vom Einzelangebot zum Mobilitätsmix
Damit verschiebt sich auch die Rolle des Fahrrad-Leasings. Es bleibt ein vergleichsweise leicht verständlicher und sichtbarer Benefit, kann zugleich aber als Einstieg in eine breiter angelegte Mobilitätsstrategie dienen. Voraussetzung ist, dass Unternehmen zunächst die tatsächlichen Wege ihrer Beschäftigten analysieren und daraus passende Angebote ableiten.
Die PWC-Untersuchung beschreibt dafür drei typische Unternehmensprofile. Urbane Dienstleistungsunternehmen profitieren demnach eher von Mobilitätsbudgets, ÖPNV-Angeboten und Mikromobilität. Bei autoorientierten Produktionsstandorten stehen dagegen Flottenelektrifizierung, Fahrgemeinschaften und Parkraummanagement stärker im Vordergrund. Flottenintensive Unternehmen benötigen wiederum andere Kombinationen aus Fahrzeugmanagement, Shuttle-Angeboten und digitalen Steuerungssystemen.
Für das Fahrrad bedeutet das: Seine Relevanz ist hoch, aber nicht überall gleich. In Städten kann es eine zentrale Alternative für kurze und mittlere Arbeitswege sein. In suburbanen oder ländlichen Regionen kann insbesondere das E-Bike die Reichweite erhöhen und die Lücke zwischen Wohnort, Bahnhof und Arbeitsplatz schließen. In beiden Fällen steigt die Nutzungschance, wenn Leasing, Infrastruktur und weitere Mobilitätsangebote aufeinander abgestimmt sind.

Arbeitgeberattraktivität und Nachhaltigkeit greifen ineinander
Beide Studien machen deutlich, dass sich Personalpolitik und Mobilitätsmanagement zunehmend überschneiden. Das Dienstrad wird von Beschäftigten als Zusatzleistung wahrgenommen, erfüllt aus Unternehmenssicht aber zugleich Anforderungen aus Nachhaltigkeit, Gesundheitsförderung und Kostensteuerung.
"Corporate Mobility ist ein Pflichtthema als strategischer Hebel für Nachhaltigkeit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit", erklärt Steffen Leffler, Partner und Head of Mobility Consulting bei PWC Deutschland. Unternehmen sollten deshalb nicht isoliert über Einzelmaßnahmen nachdenken, sondern über integrierte Konzepte.
Für die Fahrradbranche eröffnet diese Entwicklung zusätzliche Perspektiven. Mit wachsender Verbreitung des Dienstrad-Leasings steigt nicht nur die Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes. An Bedeutung gewinnen auch Serviceverträge, Versicherungslösungen, digitale Verwaltung, Ladeinfrastruktur und betriebliche Fahrradabstellanlagen. Gleichzeitig dürfte der Anspruch an Anbieter wachsen, sich in komplexere Mobilitätsplattformen und Benefit-Systeme integrieren zu lassen.
Das Dienstrad hat damit einen festen Platz unter den Arbeitgeberleistungen erreicht. Der nächste Entwicklungsschritt liegt jedoch weniger in der bloßen Ausweitung des Leasing-Angebots als in seiner Einbettung in standort- und bedarfsgerechte Mobilitätskonzepte.
Methodik
Der Benefits-Report 2025/2026 von Allianz Pension Partners untersucht betriebliche Zusatzleistungen aus Sicht von Unternehmen und Beschäftigten. Für die Auswertung wurden mehr als 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Fach- und Führungskräfte aus über 160 Unternehmen befragt.
Die Studie "Reinventing Corporate Mobility" von PWC Deutschland und dem Institut für Mobilität der Universität St.Gallen basiert auf Literatur- und Dokumentenanalysen sowie 35 leitfadengestützten Interviews in Deutschland und der Schweiz. Befragt wurden Mobilitätsverantwortliche aus Unternehmen, Mobilitätsdienstleister und Berater. Die Ergebnisse wurden in einem mehrstufigen Verfahren zu einer Struktur organisatorischer Merkmale und betrieblicher Mobilitätslösungen verdichtet. Ergänzend greift die Publikation auf frühere Erhebungen zurück, darunter eine Befragung von 618 Beschäftigten in Deutschland zu bestehenden Mobilitätsangeboten.