Industrie baut regional unterschiedlich stark Beschäftigung ab

Der Beschäftigungsabbau in der deutschen Industrie verläuft schleichend: Unternehmen entlassen vergleichsweise selten, besetzen frei werdende Stellen aber kaum noch nach. Eine IW-Studie zeigt, dass der Rückgang die Regionen sehr unterschiedlich trifft.
Der Strukturwandel in der deutschen Industrie schlägt sich zunehmend am Arbeitsmarkt nieder. Seit 2019 sind im Verarbeitenden Gewerbe rund 420.000 Arbeitsplätze weggefallen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erfolgt der Rückgang jedoch weniger über Entlassungen als über ausbleibende Nachbesetzungen.
Die Zahl der Stellenausschreibungen in der Industrie liegt demnach auf dem niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende. Gleichzeitig ist das Risiko, aus einer Industriestelle heraus arbeitslos zu werden, historisch niedrig. Der Beschäftigungsabbau verläuft damit schrittweise, trifft die Regionen aber sehr unterschiedlich.
Industriestarke Kreise, vor allem in Süddeutschland, hatten bis 2019 noch überdurchschnittlich viele Industriearbeitsplätze aufgebaut. Inzwischen geraten auch diese Standorte stärker unter Druck. Kronach, Kassel und das Altenburger Land stehen exemplarisch für diese Entwicklung: Auf Beschäftigungszuwächse zwischen 2014 und 2019 folgte von 2019 bis 2024 ein Rückgang.
Die regionale Spreizung nimmt zu. Erlangen verlor seit 2014 rund 34 Prozent seiner Industriearbeitsplätze, Gelsenkirchen knapp ein Drittel. Stuttgart legte im gleichen Zeitraum um mehr als ein Drittel zu. Den stärksten Zuwachs verzeichnete der Landkreis Oder-Spree, wo die Tesla-Fabrik in Grünheide die Industriebeschäftigung binnen weniger Jahre verdoppelte.
Eine kurzfristige Trendwende zeichnet sich nicht ab. Laut IW-Konjunkturumfrage vom April wollen 37 Prozent der Industrieunternehmen in diesem Jahr Personal abbauen, 14 Prozent planen Neueinstellungen.