Diskussion um illegale E-Bikes: Werden die Fatbikes zum Problem für die Radbranche?

Schnelle, teils manipulierte oder falsch klassifizierte E-Bikes sorgen zunehmend für Diskussionen. Im Fokus stehen Sicherheitsrisiken, Marktüberwachung und die Frage, wie die Fahrradbranche mit Fahrzeugen umgehen soll, die technisch längst über ein klassisches Pedelec hinausgehen.
Die Debatte um sogenannte illegale Fatbikes gewinnt an Fahrt. Gemeint sind dabei häufig elektrisch angetriebene Zweiräder mit breiten Reifen, die deutlich schneller als ein reguläres Pedelec fahren können oder sich mit wenigen Handgriffen beziehungsweise per Software entsperren lassen. Gerade in Großstädten und im Lieferverkehr geraten solche Fahrzeuge zunehmend in den Fokus. Die Wirtschaftszeitschrift Manager Magazin etwa berichtet von einer wachsenden Zahl manipulierter E-Bikes und verweist auf steigende Sicherheitsbedenken innerhalb der Branche.
Dabei ist bereits die Begrifflichkeit problematisch. Ein Fatbike ist zunächst lediglich eine Fahrradbauform mit besonders breiten Reifen und keine eigene rechtliche Fahrzeugklasse. Ein solches Modell kann also vollkommen regelkonform sein. Entscheidend ist vielmehr, wie der elektrische Antrieb funktioniert, welche Geschwindigkeiten erreicht werden und ob die gesetzlichen Voraussetzungen eines Pedelecs eingehalten werden.
Auch deshalb greift die öffentliche Diskussion über ein mögliches Fatbike-Verbot zu kurz. Der Sachverständige Ernst Brust, öffentlich bestellt und vereidigt für Mikromobilität, warnt davor, Bauart und Rechtsstatus gleichzusetzen. Aus seiner Sicht liegt das Kernproblem weniger bei der Reifenbreite als bei Fahrzeugen, die als Fahrrad oder Pedelec verkauft werden, technisch aber Eigenschaften eines Kraftfahrzeugs besitzen.
Tuning oder schon ab Werk nicht konform?
Für die Branche ist dabei eine wichtige Unterscheidung entscheidend: Einerseits gibt es regelkonforme Pedelecs, die nachträglich manipuliert werden. Andererseits kommen Fahrzeuge auf den Markt, die bereits im Auslieferungszustand die Voraussetzungen eines Pedelecs nicht erfüllen, aber dennoch als E-Bike oder Fahrrad angeboten werden.
Genau dieser zweite Fall verschiebt die Debatte vom Nutzer hin zur Lieferkette. Dann geht es um Import, Deklaration, Online-Handel und Marktüberwachung. Das Manager Magazin beschreibt zugleich einen Trend zu softwarebasiertem Tuning, das äußerlich kaum noch zu erkennen ist. Für Polizei, Werkstätten und Sachverständige wird damit die technische Kontrolle schwieriger.
Auch für die Fahrradbranche ist das relevant. Zu schnelle oder falsch klassifizierte Fahrzeuge können Sicherheitsprobleme verschärfen und zugleich das Image regulärer E-Bikes belasten. Verbände und Marktteilnehmer fordern deshalb vor allem strengere Kontrollen von Importen, Online-Angeboten und Tuning-Lösungen. Im Raum stehen zudem stärkere Pflichten für Plattformbetreiber und Händler.
Statt pauschaler Bauartverbote dürfte die zentrale Frage daher lauten, wie nicht konforme Fahrzeuge frühzeitig aus dem Markt gehalten werden können. Denn nicht jedes Fatbike ist problematisch – wohl aber jedes Zweirad, das als Fahrrad verkauft wird, obwohl seine technischen Eigenschaften längst in eine andere Fahrzeugklasse gehören.