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Comodule-Webinar mit Riese & Müller: Von den Daten zur Entscheidung

Comodule-CPO Sten Soomlais.
Foto: Comodule

Comodule, Riese & Müller und Veloretti diskutierten im Webinar "From Data to Decisions", wie Nutzungs- und Diagnosedaten aus vernetzten E-Bikes eingesetzt werden können – und warum sie in der Praxis oft noch nicht konsequent in Produkt- und Serviceentscheidungen einfließen.

Wie lässt sich Konnektivität im E-Bike von der Datensammlung zur Entscheidungsgrundlage entwickeln? Diese Frage stand im Webinar "From Data to Decisions" des IoT-Anbieters Comodule im Mittelpunkt. Gastgeber war Sten Soomlais, Chief Product Officer bei Comodule. Auf dem Podium sprachen Steffen Dautzenberg, Produktverantwortlicher für Konnektivität und digitale Dienste bei Riese & Müller, Julien van Winden, Produktmanager bei Veloretti, sowie Branchenberater Juansi Vivo.

Dautzenberg schilderte, dass die Vernetzung bei Riese & Müller nicht mit dem Ziel gestartet sei, möglichst viele Daten zu sammeln. Ausgangspunkt sei 2018 die Idee gewesen, ein Premium-E-Bike mit Versicherung und Rückholservice zu kombinieren, um Kunden zusätzliche Sicherheit zu bieten. Dieser Ansatz habe sich etabliert: Heute seien tausende vernetzte Räder in zehn europäischen Märkten in entsprechende Versicherungslösungen eingebunden.

Die daraus entstehenden Rohdaten werden laut Dautzenberg in einer unternehmenseigenen Cloud gesammelt. Als Größenordnung nannte er rund 100 Millionen Kilometer Fahrleistung aus vernetzten Rädern.

Veloretti begründete den Schritt zur Konnektivität mit der Positionierung im urbanen Designsegment und dem Direktvertrieb. Wer in diesem Markt antrete, müsse vernetzte Funktionen anbieten – Daten entstünden dann automatisch, seien aber nicht das primäre Ziel. Als Direktanbieter verfüge Veloretti zusätzlich über Informationen zu Kauf, Service und verbauten bzw. getauschten Teilen und könne diese grundsätzlich mit Nutzungsdaten zusammenführen. Entscheidend sei jedoch, die Quellen sinnvoll zu verknüpfen.

Lücke zwischen Daten und Umsetzung

In der Diskussion rückte schnell die Lücke zwischen Datenmenge und Umsetzung in den Fokus. Dautzenberg nannte als Beispiel eine durchschnittliche Fahrstrecke vernetzter Räder von rund fünf bis sechs Kilometern und stellte infrage, wie unmittelbar sich daraus Produktlogik ableiten lässt. Würde man "nur" nach Daten entwickeln, sähen Fahrräder "komplett anders" aus. Zudem fehle vielen Unternehmen noch Routine bei Auswertung und Deutung – bis hin zur Frage, ob Mittelwert oder Median betrachtet wird.

Juansi Vivo griff diese Diskrepanz auf und verwies auf den Trend zu immer größeren Akkus und stärkeren Motoren. Bei kurzen Alltagsfahrten seien kleinere Akkus häufig ausreichend, würden am Markt aber schnell als nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen. Er nannte als Beispiel, dass Akkus mit 600 Wattstunden inzwischen oft als "veraltet" gelten, obwohl bei typischen Pendelstrecken auch 350 bis 400 Wattstunden ausreichen könnten.

Für den Fachhandel betonte Dautzenberg, der Fachhändler bleibe die erste Anlaufstelle. Negative Effekte daraus, dass Marken über Apps und Dienste zusätzlichen Kundenzugang erhalten, sehe man nicht. Zugleich räumte er ein, dass Händler aktuell noch nicht unmittelbar von den gesammelten Daten profitieren. Als mögliches Zukunftsbild skizzierte er, dass Kunden ihre Fahrdaten über mehrere Jahre in die Beratung mitbringen könnten, um daraus im Geschäft gezieltere Empfehlungen abzuleiten.

Datenschutz ohne Hintertür

Beim Datenschutz beschrieben beide Marken ein striktes Zustimmungsprinzip. Riese & Müller erklärte, dass vernetzte Räder ohne Einwilligung keine Daten senden; auch ein Verzicht auf Ortung sei möglich – dann könne der Rückholservice allerdings nicht angeboten werden. Von "Hintertüren" könne keine Rede sein. Veloretti betonte, zusätzliche Rechte würden erst dann angefragt, wenn konkrete Auswertungen geplant seien; außerdem sei der Zugriff auf personenbezogene Zuordnungen intern stark begrenzt.

Konkrete Nutzenbeispiele nannte Riese & Müller vor allem im Zusammenhang mit Rückholung und Versicherung: In Einzelfällen seien Fahr- und Temperaturdaten als Beleg genutzt worden – etwa zur Rekonstruktion einer Diebstahlroute oder zur Prüfung eines gemeldeten Brandschadens.

Als Einstiegsstrategie empfahl Dautzenberg, zunächst mit einfachen Fragestellungen zu beginnen, um intern Verständnis und Interesse aufzubauen. Van Winden riet, klein zu starten, Auswertungen sauber zu erklären und nicht "alles auf einmal" zu analysieren – Daten seien eher "Brotkrumen" als fertige Lösungen. Beide verwiesen zudem auf knappe personelle Ressourcen als zentrale Hürde, wenn Daten über das Sammeln hinaus tatsächlich in Entscheidungen übersetzt werden sollen.

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