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BMV-Bericht zeigt Nutzen von Investitionen in den Radverkehr

Foto: Adobe Stock | Mikael Damkier

Das Bundesverkehrsministerium zieht eine Zwischenbilanz seiner Radverkehrsförderung. Der neue Wirkungsbericht zeigt, wie Investitionen in Infrastruktur Verkehrssicherheit, Stadtentwicklung, Wirtschaft und Tourismus beeinflussen.

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat einen neuen Wirkungsbericht zur Radverkehrsförderung veröffentlicht. Unter dem Titel "Ein Gewinn auf vielen Wegen" bündelt die Publikation Fakten, Projektergebnisse und Beispiele aus Deutschland. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Wirkung die Bundesförderung in Kommunen, ländlichen Räumen, im Alltag der Menschen sowie für Wirtschaft, Tourismus und Rettungswesen entfaltet.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ordnet den Radverkehr dabei nicht allein als verkehrspolitisches Thema ein. "Radverkehr wirkt weit über den eigentlichen Verkehrsbereich hinaus. Er stärkt Gesundheit, Wirtschaft, soziale Teilhabe und eine klimafreundliche Stadtentwicklung", sagt Schnieder. Ziel des Berichts sei es, nicht nur einzelne Projekte aufzulisten, sondern deren konkrete Auswirkungen vor Ort sichtbar zu machen: "mehr Sicherheit, bessere Wege, lebendigere Orte und eine Mobilität, die allen etwas bringt – Radfahrern, Autofahrern und Fußgängern".

Förderprogramm "Stadt und Land" im Fokus

Ein Schwerpunkt des Berichts ist das Sonderprogramm "Stadt und Land". Mit dessen Unterstützung entstanden in den vergangenen Jahren neue Radwege, Brücken für den Fuß- und Radverkehr, entschärfte Knotenpunkte sowie sichere Abstellanlagen. Nach Angaben des BMV wurden entsprechende Projekte im Durchschnitt innerhalb von 19 Monaten umgesetzt.

Die Förderung kommt laut Bericht nicht nur Großstädten zugute. 39,2 Prozent der geförderten Projekte liegen im ländlichen Raum, 40 Prozent im urbanen Raum und 20,8 Prozent im Stadt-Umland-Bereich. Damit soll das Programm sowohl kommunale Netze in Städten verbessern als auch Verbindungen außerhalb der Ballungsräume stärken.

Auch bei der Verkehrssicherheit verweist das Ministerium auf messbare Effekte. Moderne, getrennte und ausreichend breite Radverkehrsanlagen könnten das Unfallrisiko um bis zu 30 Prozent reduzieren. Gefördert wurden unter anderem Maßnahmen an Kreuzungen, Brücken und Unterführungen sowie Abstellinfrastruktur an Schulen, Bahnhöfen und zentralen Wegen.

Foto: BMV

Wirtschaftliche Bedeutung der Fahrradbranche

Für die Sportartikel- und Fahrradbranche ist der Bericht auch deshalb relevant, weil das BMV die volkswirtschaftliche Rolle des Fahrrads betont. Rund 490.000 Menschen arbeiten demnach in der Fahrradwirtschaft oder in Branchen, die Umsatz durch das Fahrrad erzielen, etwa im Fahrradtourismus. Das Ministerium spricht von jedem 100. Arbeitsplatz in Deutschland, der direkt oder indirekt mit dem Fahrrad verbunden ist.

Hinzu kommt die Bedeutung des E-Bikes. Laut Bericht sind in Deutschland rund 17 Millionen Pedelecs im Umlauf. Die Fahrradproduktion ist mittelständisch geprägt; mehr als 100 Unternehmen produzieren Komponenten oder komplette Fahrräder. Der Bericht stellt die Branche damit nicht nur als Teil der Mobilitätswirtschaft dar, sondern auch als Standortfaktor für Industrie, Handel, Tourismus und Arbeitgeberattraktivität.

Auch Dienstrad-Leasing wird als Treiber genannt. 2025 boten demnach 342.000 Unternehmen ihren Beschäftigten die Möglichkeit, ein Dienstrad zu leasen. Rund 2,4 Millionen Beschäftigte nutzen ein Leasing-Rad regelmäßig. Das BMV verweist in diesem Zusammenhang auf gesundheitliche Effekte und mögliche Einsparungen durch weniger Krankheitstage.

Beispiele aus Kommunen und ländlichen Räumen

Der Wirkungsbericht stellt mehrere Praxisbeispiele vor. In Neckarsulm (Baden-Württemberg) wurde mit Bundesmitteln eine Fuß- und Radverkehrsbrücke über die Sulm neu gebaut, die Teil eines Schulwegs ist. In Tettnang am Bodensee entstanden am Schulzentrum Manzenberg mehr als 1.100 neue Fahrradabstellplätze. In Passau wurde mit dem Georgsbergtunnel eine neue Verbindung für Fuß- und Radverkehr eröffnet.

Auch ländliche Räume spielen eine zentrale Rolle. In Landau in der Pfalz wurden Wirtschaftswege für den Radverkehr saniert und gemeinsam mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen nutzbar gemacht. Im Landkreis Harz wurde eine frühere Kreisstraße zur Fahrradstraße umgebaut, die auch landwirtschaftlicher Verkehr nutzen darf. Solche Beispiele sollen zeigen, wie Radverkehrsförderung bestehende Infrastruktur weiterentwickeln kann, ohne zusätzliche Flächen stark zu versiegeln.

Foto: BMV

Förderung bis 2030 verstetigt

Als erzählerisches Element nutzt der Bericht die fiktive Begleitfigur Laura, ein elfjähriges Mädchen. Sie steht für Kinder, Familien und andere Gruppen, die besonders auf sichere, verständliche und zugängliche Infrastruktur angewiesen sind. Das BMV spricht in diesem Zusammenhang vom "Laura-Test": Infrastruktur soll so geplant werden, dass sie auch für Kinder sicher und nachvollziehbar nutzbar ist.

Der Bund will die Radverkehrsförderung weiterführen. Das Programm "Stadt und Land" wird bis 2030 verstetigt. In dieser Legislaturperiode stehen laut Ministerium Fördermittel von 1,6 Milliarden Euro bereit. Bis 2029 sollen insgesamt rund vier Milliarden Euro in den Radverkehr fließen, darunter Mittel für kommunale Infrastruktur, Radwege an Bundesstraßen und den radverkehrsfreundlichen Ausbau an Bundeswasserstraßen.

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