Betrug im E-Commerce: 93 Prozent der Online-Shops betroffen

Fast alle Online-Shops in Deutschland hatten bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen zu tun. Das zeigt eine Umfrage von BEVH und CRIF. Knapp die Hälfte der Händler meldet einen Anstieg, 15 Prozent beziffern ihre Jahresverluste auf mehr als 100.000 Euro.
Betrug im Online-Handel bleibt ein Dauerthema: 93 Prozent der Shops in Deutschland waren laut einer Umfrage des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) und des Informationsdienstleisters CRIF bereits von Betrug oder Betrugsversuchen betroffen.
An der Befragung vom 1. Juni bis 14. August 2026 beteiligten sich 76 Händler. 48 Prozent von ihnen berichten, dass die Risiken im vergangenen Jahr weiter gestiegen sind, bei 37 Prozent blieb die Lage auf hohem Niveau unverändert. 15 Prozent verzeichneten weniger Fälle als zuvor.
Identitätsbetrug an erster Stelle
Am häufigsten nennen die Händler Identitätsbetrug (75 Prozent), gefolgt von manipulierten Namens- und Adressdaten (67 Prozent) und komplett falschen Identitäten (55 Prozent). Sechs von zehn Unternehmen erleben, dass Kunden den Erhalt der Ware abstreiten.
Von Eingehungsbetrug, bei dem trotz fehlender Zahlungsfähigkeit oder -bereitschaft bestellt wird, waren 57 Prozent betroffen. Account Takeover, also die Nutzung fremder Kundenkonten, nennen 56 Prozent. Return Fraud mit leeren Retourenpaketen (47 Prozent) und Switch Fraud mit vertauschten Artikeln (42 Prozent) gewinnen laut Umfrage an Bedeutung.
Schäden teils im sechsstelligen Bereich
15 Prozent der Unternehmen verlieren pro Jahr mehr als 100.000 Euro durch Betrug, bei 45 Prozent sind es zwischen 10.001 und 100.000 Euro. Ein Viertel kommt auf weniger als 5.000 Euro. 32 Prozent hatten bei einer einzelnen Bestellung einen Schaden von mehr als 2.500 Euro.
Martin Große-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BEVH, ordnet ein: „Die Anzahl der Betrugsfälle im gesamten Zahlungsverkehr liegt im Promille-Bereich. Wenn es zum Betrug kommt, werden die Schäden aber größer.“
Prävention meist kombiniert
75 Prozent der Befragten setzen bereits Betrugserkennung ein, weitere 9 Prozent planen entsprechende Investitionen. 93 Prozent dieser Unternehmen kombinieren manuelle und automatisierte Verfahren. Schwierig bleibt die Wahl passender Maßnahmen sowie das Erkennen neuer Betrugsmuster (jeweils 69 Prozent).
Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, sieht ein „Hase-und-Igel-Spiel“ zwischen Händlern und Betrügern: „Künstliche Intelligenz wird die Komplexität des Phänomens und diesen Wettlauf noch weiter verschärfen.“