„Anschluss erreichen“: Konferenz in Berlin rückt Radparken, E-Scooter und Fußverkehr an Bahnhöfen in den Fokus

Am 19. und 20. Mai 2026 diskutieren Kommunen, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin über die Mobilität am und um den Bahnhof herum. Bei „Anschluss erreichen“ geht es um Radparken, geteilte Mikromobilität und den Fußverkehr. Der ADFC formuliert in diesem Zuge Erwartungen an Bahn und Bund.
Wie gut Menschen den ÖPNV nutzen können, entscheidet sich oft auf den Wegen zum und vom Bahnhof. Vor diesem Hintergrund findet am 19. und 20. Mai 2026 in den Design Offices Berlin Humboldthafen (nahe Hauptbahnhof) die Konferenz „Anschluss erreichen – Die Konferenz für Radparken, E-Scooter und Fußverkehr“ statt. Ziel ist es, Anschlussmobilität funktional, inklusiv und zukunftsfähig zu gestalten – mit Blick auf Flächenkonkurrenz, Qualitätsanforderungen sowie politische und finanzielle Rahmenbedingungen.
Keynotes, Fachforen, Workshops – plus Exkursionen
Das Programm setzt auf politische Einordnung und fachliche Vertiefung. Geplant sind Keynotes, Panels, parallele Fachforen sowie Workshops. Exkursionen führen zu Bahnhofsvorplätzen und Fahrradparkanlagen in Berlin und Brandenburg, um Beispiele aus der Praxis zu diskutieren – inklusive aktueller Herausforderungen bei Planung, Betrieb und Förderung von Infrastruktur zum Fahrradparken. Ergänzend ist eine Ausstellung vorgesehen; außerdem werden Ideen aus einem vorgeschalteten Hackathon zur Anschlussmobilität präsentiert.
Zu den angekündigten Speakerinnen und Speaker zählen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Dr. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO AG, Prof. Stefanie Bremer (Hochschule Bremen) und Özlem Ünsal, Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung der Freien Hansestadt Bremen.
Adressiert werden politische Entscheidungstragende und Verwaltungen auf kommunaler Ebene, Bundes- und Landesverwaltungen sowie Förderstellen, Aufgabenträger des ÖPNV und Verkehrsverbünde, Planungsbüros, Betreiber, Unternehmen und Verbände sowie Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Inhaltlich geht es unter anderem um Fahrradparken als Infrastrukturaufgabe, sichere und übersichtliche Bahnhofsvorplätze, Barrierefreiheit und Orientierung, die Integration geteilter Mikromobilität sowie unterschiedliche Anforderungen in Stadt und Land.

ADFC | Dirk Michael Deckbar
ADFC: Rad-Bahn-Kombination „so bequem wie Autofahren“
Im Vorfeld der Konferenz bezieht der ADFC Position und verknüpft die Debatte um Bahnhofsumfelder mit konkreten Forderungen. Dr. Caroline Lodemann, Bundesgeschäftsführerin des ADFC, sieht vor allem bei Stellplätzen, Fahrradmitnahme und Angeboten für die letzte Meile Defizite.
Die Mitnahmekapazitäten für Fahrräder im Nah- und Fernverkehr sind beschränkt und unkomfortabel“, sagt Lodemann. Aus Sicht des Verbands müsse die Rad-Bahn-Kombination deutlich attraktiver werden und „so bequem wie Autofahren“ funktionieren.
Der ADFC verweist auf Branchenanalysen, wonach an Bahnhöfen rund eine Million Fahrradabstellplätze und etwa 1.000 Fahrradparkhäuser fehlen. Zugleich kritisiert der Verband die Finanzierung: Das 2023 gestartete Programm „Fahrradparken an Bahnhöfen“ sei mit 55 Millionen Euro unterdimensioniert und zudem nach 2027 nicht fortgesetzt. Zusätzlich betont Lodemann betriebliche Anforderungen: Fahrradparkhäuser müssten über gute Radwege erreichbar und „durchgängig geöffnet“ sein.
Als zweite Stellschraube nennt der ADFC die Fahrradmitnahme in Zügen. Nach Angaben des Verbands zeigt der Fahrrad-Monitor 2025: 62 Prozent der Radfahrenden halten die Mitnahme im Nah- und Regionalverkehr für wichtig; 48 Prozent seien mit dem Angebot unzufrieden. Im Fernverkehr halten es 46 Prozent für wichtig, 66 Prozent bewerten das Angebot negativ. Lodemann fordert, die Mitnahme müsse so selbstverständlich werden „wie das Mitführen eines Koffers“.