Analyse des NRW-Waldgesetz-Entwurfs: Zehntausende Kilometer Bike-Strecken gefährdet

Ein Gesetzentwurf in NRW könnte das Radfahren im Wald auf viele Wege nur noch per Ausnahme erlauben. Laut des deutschen Tech-Unternehmens Piloteers wären 59.853 Kilometer schmale Waldwege potenziell betroffen – mit Folgen für ausgeschilderte Routen, touristische Angebote und die Nachfrage im Bike-Markt.
Der Entwurf zum Landeswaldgesetz in Nordrhein-Westfalen sorgt in der Radbranche für Unruhe. Hintergrund: Künftig könnten zahlreiche Waldwege nicht mehr unter eine allgemeine Erlaubnis fallen, sondern nur noch nach Einzelfreigaben befahrbar sein. Eine Auswertung von Piloteers beziffert das potenziell betroffene Netz auf 59.853 Kilometer schmale Waldwege. Damit steht nicht nur ein Thema für Mountainbike- und Gravel-Communitys im Raum, sondern auch ein Standortfaktor für Tourismusregionen, Handel und Hersteller.
Aus Branchensicht wäre vor allem die Planungssicherheit für touristische Radrouten betroffen. Piloteers verweist darauf, dass 3.128 Kilometer heute nachweislich befahrener Abschnitte außerhalb des amtlichen Radverkehrsnetzes liegen und damit rechtlich weniger „abgesichert“ sind, falls sich die Regeln ändern. Zusätzlich verlaufen rund 760 Kilometer des amtlichen Radverkehrsnetzes auf Wegen, die nach dieser Lesart künftig nicht mehr automatisch freigegeben wären. Für Destinationen könnte das bedeuten: Umleitungen, neue Beschilderung, Pflege- und Abstimmungsaufwand – und im Zweifel Lücken in bestehenden Angeboten.
Auch das Geschäft entlang der Strecken kann indirekt unter Druck geraten. Wenn zentrale Waldpassagen wegfallen oder nur noch nach Freigabe nutzbar sind, sinkt die Attraktivität von Tourenprodukten, geführten Angeboten und Events, die auf zusammenhängende Strecken angewiesen sind. Für den Fachhandel sind Destinationen und Routen ein wichtiger Frequenz- und Beratungstreiber – vom MTB-Hardtail über E-Bikes bis zu Teilen, Verschleiß und Bekleidung. Hersteller wiederum kalkulieren Kampagnen, Events und Produktpositionierungen oft über Regionen wie Sauerland, Eifel oder Bergisches Land, in denen laut Auswertung besonders viele betroffene Wegabschnitte liegen.
Piloteers betont zudem, dass es nicht nur um „Singletrails“ gehe: Der heute befahrene Bestand auf schmalen Wegen liege überwiegend in einer Breite von 2 bis 3,5 Metern; sehr schmale Pfade machten nur einen kleinen Anteil aus. Das verschiebt die Diskussion aus Sicht der Branche weg vom reinen Trail-Thema hin zur Frage, welche Alltags- und Tourenverbindungen im Wald praktisch noch nutzbar bleiben.