Aktuelle Quartalszahlen der Fahrradbranche: Europa auf Erholungskurs, Nordamerika hinkt hinterher

Shimano und Giant beschreiben in ihren aktuellen Geschäftszahlen ein ähnliches Bild: In Europa sind die Lager weitgehend abgebaut, der Absatz zieht an. In Nordamerika bremsen Zölle und Kaufzurückhaltung. Ganz einheitlich ist das Muster allerdings noch nicht.
Für Shimano lief der Sommer deutlich besser als der Jahresbeginn. Im dritten Quartal setzte der japanische Komponentenhersteller mit seiner Fahrradsparte umgerechnet etwa 552 Millionen Euro um, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach einem schwachen ersten Halbjahr liegt die Sparte damit nach neun Monaten 4,6 Prozent im Plus. Ganz aus eigener Kraft kommt das Wachstum allerdings nicht: Der schwache Yen hat die Zahlen spürbar aufgebessert. Seine Jahresprognose hat Shimano trotzdem angehoben.
Da Shimano seine Komponenten an Fahrradhersteller liefert, beobachtet das Unternehmen auch, wie sich deren Räder im Handel verkaufen. Und hier unterscheidet Shimano deutlich nach Regionen. In Europa sei der Abverkauf von Komplettfahrrädern solide. In Nordamerika verkauften sich die Räder dagegen schwach, weil die Konjunktur unsicher sei und die Zölle die Preise hochhielten.
Giant verdient wieder mehr pro Fahrrad
Ähnlich äußert sich Giant. Die Lagerbereinigung im europäischen Markt sei nahezu abgeschlossen, die Nachfrage habe sich mit den neuen Modelljahren deutlich erholt, schreibt der taiwanesische Hersteller. Den Konsum in den USA beschreibt Giant dagegen als zurückhaltend. Hinzu kommt ein Einfuhrverbot der US-Zollbehörde, das seit September 2025 für Räder und Teile aus Giants Werk in Taiwan gilt.
Beim Umsatz liegt Giant nach neun Monaten zwar noch 5,1 Prozent unter Vorjahr, im dritten Quartal ging es aber um 6,3 Prozent aufwärts. Deutlicher fällt die Verbesserung bei der Profitabilität aus: Die Bruttomarge stieg im ersten Halbjahr auf 22,3 Prozent, nach 19,1 Prozent im Vorjahr. Giant führt das auf gute Verkäufe des neuen Aero-Rennrads Propel, einen höheren Anteil der eigenen Marken und weniger Rabattaktionen zurück.

Neue US-Zölle seit Juli
Für das US-Geschäft bleiben die Zölle ein Belastungsfaktor. Nachdem der Supreme Court im Februar die bisherigen Zölle für unzulässig erklärt hatte, erheben die USA seit dem 24. Juli auf neuer Rechtsgrundlage Abgaben von 10 oder 12,5 Prozent auf Importe aus nahezu allen wichtigen Herstellerländern, darunter Taiwan, China, Vietnam und die EU. Für Fahrräder aus China können zusätzlich ältere Sonderzölle anfallen.
Mips und Fox als Gegenbeispiele
Nicht alle Unternehmen passen in dieses Muster. Der schwedische Helmtechnologie-Anbieter Mips wächst in Nordamerika sogar schneller als in Europa: Im dritten Quartal legte der Umsatz dort organisch um 32 Prozent zu, in Europa um 23 Prozent. Die Fahrradhelme verzeichneten das zwölfte Wachstumsquartal in Folge.
Zusätzlichen Schub bringt die Übernahme von Koroyd, einem Unternehmen aus Monaco, das Aufprallschutz-Technologie für Helme und Protektoren entwickelt.
Umgekehrt zeigt der US-Federungshersteller Fox Factory, dass die Erholung nicht überall ankommt. Fox hat seine Prognose für das dritte Quartal verfehlt und die Jahresziele gesenkt.
Als Hauptgründe nennt das Unternehmen schwache Zahlen der inzwischen verkauften Baseballmarke Marucci, eine Lieferstörung im Geschäft mit Federungen für Pick-ups und Geländefahrzeuge sowie Probleme beim Umbau von Fahrzeugen. Die Fahrradsparte spielte dabei eine kleinere Rolle, doch auch ihre Verkäufe blieben hinter den Erwartungen zurück.
Bereits im zweiten Quartal war ihr Umsatz um 9,4 Prozent gesunken. Vorstandschef Mike Dennison hat das Unternehmen Mitte Oktober verlassen, Aufsichtsratsmitglied Douglas Grimm führt es übergangsweise.
Europa ist kein einheitlicher Markt
Auch innerhalb Europas entwickeln sich die Länder unterschiedlich. Die Zahlen der nationalen Industrieverbände zeigen: Deutschland und Spanien stabilisieren sich, Italien kämpft weiter mit sinkenden Verkäufen, und in den Niederlanden ging der Absatz 2025 um 7 Prozent zurück.
Zudem betrifft die größte Insolvenz des Jahres ein europäisches Unternehmen: Die niederländische Accell Group mit Marken wie Haibike, Ghost, Winora und Batavus hat im August Insolvenz angemeldet. Die deutschen Gesellschaften führen ihr Verfahren in Eigenverwaltung, im internationalen Verkaufsprozess sind mehr als 60 Gebote eingegangen.
Für Deutschland meldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) im ersten Halbjahr ein Absatzplus von knapp 10 Prozent bei Fahrrädern. Bei den wirtschaftlich wichtigeren E-Bikes fiel der Zuwachs mit 2 Prozent geringer aus. Die Lagerüberhänge seien größtenteils abgebaut, der Handel bestelle aber weiterhin mit Bedacht. „Der positive Trend stimmt uns zuversichtlich“, sagt ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork.
Ob sich das Muster bestätigt, zeigt sich in den kommenden Wochen. Fox legt seine vollständigen Quartalszahlen am 5. November vor, Giant, Merida und Bike24 ihre Quartalsberichte voraussichtlich Mitte November.