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Cannondale verlegt globalen Hauptsitz in die Niederlande

Foto: Cannondale

Cannondale macht die Niederlande zum globalen Hauptsitz und schließt den Standort Wilton in Connecticut bis Mitte 2027. Laut US-Medienbericht sind 143 Stellen betroffen. In Nordamerika entsteht an der Westküste ein neuer Standort. Die Branche diskutiert den Schritt heiß.

Cannondale richtet seine Organisation neu aus. Wie die Marke mitteilt, wird Woudenberg in den Niederlanden, bislang europäischer Hauptsitz, künftig globaler Hauptsitz. Die Forschungs- und Entwicklungs- sowie die Engineering-Funktionen, die seit langem in Freiburg angesiedelt sind, bleiben dort. Mit dem Schritt will das Unternehmen seine globalen Teams enger zusammenbringen.

Das Büro im US-Bundesstaat Connecticut, wo Cannondale seit mehr als fünf Jahrzehnten verwurzelt ist, wird bis Mitte 2027 schrittweise heruntergefahren. Das Unternehmen würdigt die Rolle des Standorts: „Seit mehr als fünf Jahrzehnten hat Connecticut maßgeblich dazu beigetragen, Cannondale zu einer der einflussreichsten Marken des Radsports zu machen. Cannondale ist den Teammitgliedern zutiefst dankbar, deren Leidenschaft, Kreativität und Engagement dieses beeindruckende Fundament geschaffen haben.“

Nach Angaben des US-Branchenportals SGB Update sind in Wilton 143 Beschäftigte betroffen. Die Trennungen sollen demnach am 21. Dezember 2026 beginnen und sich in Phasen bis Ende 2027 erstrecken. Cycling Sports Group, die Geschäftseinheit hinter der Marke, habe dazu eine Meldung bei der Arbeitsbehörde des Bundesstaates Connecticut eingereicht.

Neues Vertriebsmodell in Nordamerika

Parallel stellt Cannondale sein Nordamerika-Geschäft neu auf. Innerhalb der kommenden sechs Monate führt die Marke dort ein neues Vertriebsmodell ein: Außendienstmitarbeiter sollen künftig mehrere Marken von Pon Bike betreuen, darunter Santa Cruz und Cervélo. Das Unternehmen knüpft damit an zwei Jahre engerer Zusammenarbeit der Marken im Vertrieb an.

Für Händler, die mehr als eine dieser Marken führen, soll es nur noch einen Ansprechpartner geben, Bestellung und Support sollen einfacher werden. Jede Marke behalte ihre eigene Identität, ihre Modelle und ihre Beziehung zu den Fahrern. Für das Nordamerika-Geschäft entsteht zudem ein neuer Standort an der Westküste, an dem ein eigenes Team für Handel, Händler- und Fahrer-Support angesiedelt wird.

Branche diskutiert über Markenidentität

In den sozialen Medien wird die Entscheidung intensiv diskutiert. Viele ehemalige Beschäftigte und Branchenvertreter äußern Bedauern, einige üben Kritik. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Cannondale seine amerikanische Identität behalten kann.

Josh Whiting, Inhaber der Sport-Agentur Whiting.cc und früher bei GT tätig, zieht auf LinkedIn einen Vergleich: „Ferrari verlässt Maranello. Porsche verlässt Stuttgart. Da würde man die Augenbraue heben.“ Anders als beim Umzug von GT zurück nach Kalifornien fühle sich der Schritt für ihn nicht nach einer Rückkehr zu den Wurzeln an, sondern nach dem Gegenteil.

Massimo Alpian, Global Marcomms bei Tracksmith und ehemaliger Cannondale-Mitarbeiter, schreibt: „Wir alle fragen uns, ob die Marke diese Identität bewahren kann, wenn ein Konzern den gesamten Betrieb nach Europa verlegt.“ Cannondale sei ein eigenwilliges amerikanisches Unternehmen, das den Aluminiumrahmen vorangetrieben habe.

Tommy Sherlock, Managing Director des australischen Vertriebsunternehmens The Bicycle Authority, fragt: „Wird sich Cannondale noch wie Cannondale anfühlen?“ Er sieht zudem eine geschäftliche Herausforderung im gemeinsamen Außendienst: Wenn konkurrierende Händler am selben Ort jeweils eine der Marken führen und denselben Vertreter haben, würden Händlerloyalität, Vertraulichkeit und Gebietsmanagement kompliziert. Er zieht Parallelen zur Zentralisierung bei der Accell Group, betont aber, dass er Pon nicht dieselbe Entwicklung unterstelle.

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