Sportgeräte-Abo in der Krise: Paceheads beantragt Insolvenz - Abo-Betrieb läuft vorerst weiter

Der Sportgeräte-Abo-Anbieter Paceheads hat am 2. Oktober Insolvenz beantragt. Die Gründer machen eine eingebrochene Finanzierung verantwortlich, der Insolvenzverwalter hält eine Zukunftslösung für möglich. Das Abo läuft vorerst unverändert weiter.
Die Paceheads GmbH hat am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Ingmar Jarchow von der Hamburger Kanzlei Turner Inso bestellt. Das Unternehmen, 2019 von den Göttingern Franz Bayer und Fabian Helbing gegründet, vermietet im Abo Rennräder und Gravelbikes, Singlespeeder der Hamburger Marke Bonvelo sowie Fahrradcomputer und Smarttrainer. 14 Beschäftigte sind betroffen, mehr als 1000 Kunden haben laufende Verträge.
Für diese Kunden ändert sich nach Angaben des Insolvenzverwalters zunächst nichts. „Das Abogeschäft läuft unverändert weiter. Alle Verträge werden erfüllt“, teilt Jarchow SAZbike mit. Service und Wartung fänden statt, Neuauslieferungen und Neuabschlüsse seien möglich. Zu den Ursachen der Schieflage und zur Umsatzentwicklung äußert er sich aus rechtlichen Gründen nicht.
Finanzierung brach weg
Die Gründer und Geschäftsführer Bayer und Helbing sehen den Auslöser bei der Tochter Paceheads Service GmbH, über die unter anderem der stationäre Fahrradhandel lief. Sie hatte Ende Januar 2026 Insolvenz angemeldet, die Stores in Hamburg und Göttingen schlossen zum 1. April.
Für die Paceheads GmbH habe das erhebliche Rückschläge bei den bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten bedeutet, und zwar in einer Phase, in der das Abo-Modell auf kontinuierliche Vorfinanzierung angewiesen war.
„Das Geschäftsmodell funktioniert vereinfacht gesagt so, dass wir die Geräte zunächst finanzieren müssen, während die Einnahmen über die monatlichen Abogebühren erst über einen längeren Zeitraum entstehen“, erklären die Gründer in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ohne neue Geräte fehlten neue Abos und damit künftige Umsätze.
Die Kosten liefen dagegen weiter. Über die Jahre hat Paceheads Personal, Lagerflächen, Werkstätten und eine technische Aufbereitung aufgebaut, die zu großen Teilen Fixkosten verursachen. „Wenn die Finanzierung kurzfristig eingeschränkt wird, während große Teile der Kosten unverändert weiterlaufen, entsteht sehr schnell ein wirtschaftliches Ungleichgewicht“, so Bayer und Helbing. Sie räumen ein: „Eine frühzeitigere oder deutlich stärkere Anpassung unserer Kostenstruktur wäre unter diesen veränderten Voraussetzungen möglicherweise notwendig gewesen.“
Die Geschwindigkeit der Entwicklung habe dafür aber keinen ausreichenden Spielraum gelassen. Die eingeschränkten Finanzierungsmöglichkeiten für Neugeräte hätten insbesondere das Neugeschäft belastet. Gebrauchte und professionell aufbereitete Geräte ließen sich dagegen weiterhin gut erneut vermieten und bildeten inzwischen einen wesentlichen Bestandteil des Abo-Angebots.

Expansion als Belastung
Selbstkritisch äußern sich die Gründer auch zum Wachstum der Gruppe. 2023 übernahmen sie den Hamburger Fachhändler Trionik aus der Insolvenz, 2024 stiegen sie bei der damals ebenfalls insolventen Hamburger Fahrradmarke Bonvelo ein. Ziel seien Synergien zwischen E-Commerce, stationärem Handel, Service, Aufbereitung und Abo gewesen.
„Rückblickend war die dadurch entstandene Komplexität eine größere Herausforderung als ursprünglich angenommen“, heißt es in der Stellungnahme. Zusätzliche Geschäftsbereiche schüfen nicht nur Umsatzpotenzial, sondern auch Kapitalbedarf und laufende Fixkosten. Übernahmen wollen Bayer und Helbing künftig nicht ausschließen, aber stärker darauf achten, dass neue Geschäftsfelder zu Finanzierung und Kerngeschäft passen.

Investorensuche läuft wieder an
Jarchow rechnet mit der Eröffnung des Verfahrens Anfang Januar 2027. Zwei bis drei Monate seien der Regelzeitraum, um alles aufzuarbeiten und die notwendigen Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen. Die Investorengespräche würden aktuell wieder aufgenommen, insolvenzrechtlich komme sowohl ein strategischer Investor als auch eine Übernahmelösung in Betracht. Im Interview sagte er: „Wir haben ausreichend Zeit, die laufenden Investorengespräche weiterzuführen.“
Anders als beim Fahrradhandel, den die Gründer in Hamburg bereits aufgeben mussten, sieht Jarchow für den Sportgeräte-Verleih gute Chancen. „Ich gehe von einer Zukunftslösung aus“, sagt er. Der Sportartikelbereich sei breiter aufgestellt, und: „Das Konzept der Paceheads GmbH ist innovativ und die Branche hat das ‚Schlimmste‘ hinter sich.“ Durch die bereits eingetretene „schmerzhafte Marktbereinigung“ komme der verbliebene Kreis der Marktteilnehmer mit den veränderten Strukturen im Wesentlichen zurecht.
Die Gründer stellen eine Bedingung. „Dabei ist uns besonders wichtig, dass ein mögliches Fortführungskonzept nicht nur operativ, sondern auch hinsichtlich der Finanzierung langfristig tragfähig ist“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Ein kapitalintensives Abo-Modell dieser Größenordnung sei auf verlässliche Finanzierungspartner und eine passende Kostenstruktur angewiesen. Zu Gesprächspartnern und zum Stand einzelner Gespräche äußern sie sich nicht.

Einordnung: Ein Markt ohne Mitte
Der Fall fällt in eine Phase, in der sich das private Fahrrad-Abo in Deutschland weitgehend zurückzieht. Riese & Müller nimmt keine neuen Abo-Verträge mehr an, Jobrad hat das Abo-Geschäft der Tochter Mylo weitgehend zurückgebaut, im urbanen Segment übernahm Swapfiets im Mai den Wettbewerber Dance.
Jobrad ordnete das gegenüber SAZbike so ein: „Dass sich nahezu alle überregionalen Fahrrad-Abo-Anbieter in Deutschland inzwischen aus diesem Geschäft zurückgezogen haben, unterstreicht diese Marktverhältnisse.“
Die Größenordnung ist überschaubar. Der Branchenverband Zukunft Fahrrad zählte zum Stichtag 1. September 2025 rund 100.000 private Fahrradabos in Deutschland. Ende 2024 liefen dagegen rund 2,1 Millionen Dienstrad-Leasing-Verträge. Das Leasing ist damit gut 21-mal so groß wie der private Abo-Markt.
Paceheads hielt sich im Sommer noch in diesem Segment und sah sich dort als einzigen überregionalen Anbieter. Bayer teilte damals die Einschätzung, dass viele klassische Abos falsch konstruiert waren, widersprach aber der These, das Abo scheitere am Bedarf.
„Das Abo scheitert nicht am fehlenden Bedarf. Bei Paceheads haben wir mehr Nachfrage, als wir mit unseren Finanzierungsmöglichkeiten bedienen können“, sagte er SAZbike. Er verwies auf die Lager von Händlern und Herstellern, in denen Kapital in unverkaufter Ware gebunden sei. Die Zukunft liege in Modellen, die vorhandene Ware, echte Kundennachfrage, faire monatliche Nutzung, passende Finanzierung und professionelle Aufbereitung zusammenbringen.
Die aktuelle Stellungnahme knüpft daran an: Als Kern des Problems nennen Bayer und Helbing die Finanzierung der Geräte. Ob ein Investor sie liefern kann, entscheidet über die Zukunft des Unternehmens. Die Gründer bleiben bei ihrer Überzeugung: „Wir glauben weiterhin an das Sportgeräte-Abo und daran, dass es mit den richtigen wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen langfristig funktionieren kann.“